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Hintergründe

Zurück zu den Wurzeln

Autor: Sören Stephan Veröffentlicht: 06. August 2014
Quelle: imago

Im Jahr 2001 gründete sich ein Bündnis mit dem Namen „Pro 15:30“, das sich vor allem den Kampf für fangerechte Anstoßzeiten auf die Fahnen geschrieben hatte. Im Jahr 2014 sind die Spieltage in den ersten beiden Profiligen so zerstückelt wie nie: An vier verschiedenen Tagen wird zu zwölf unterschiedlichen Zeiten angestoßen. Grund genug für das Bündnis, das mittlerweile „ProFans“ heißt, sich auf  die Gründungszeit zu besinnen und das Thema wieder in den Fokus zu rücken. Wir sprachen mit ProFans-Sprecher Jakob Falk über die Ursachen der Problematik und Möglichkeiten des Protests.

 

Fanzeit: Eure Organisation möchte in der aktuellen Spielzeit den Fokus wieder auf fangerechte Anstoßzeiten legen. Was hat euch dazu bewogen? 

Jakob Falk: Wir haben auf unserem diesjährigen Sommertreffen in Osnabrück die Lehre aus den letzten Jahren gezogen, dass wir als ProFans bei zu vielen unterschiedlichen Themen zu wenig gleichzeitig erreichen können. Daher haben wir uns für die neue Saison 2014/2015 ein paar Themen herausgepickt, die wir besonders aktiv angehen wollen. Das soll natürlich nicht heißen, dass wir uns nicht zu sonstigen Brennpunkten in der Szene öffentlich äußern werden, oder wir andere Sachen vernachlässigen.
Es ist aber auch sinnvoll die Aufgaben zwischen den Fanorganisationen zu verteilen. Beim Thema »faire Ticketpreise« etwa macht die Initiative „Kein Zwanni für’n Steher“ bereits sehr viel, während die Thematik »50+1« von Unsere Kurve sehr kompetent übernommen wird. Andere Organisationen haben wieder andere Themen als Schwerpunkt. Wir sollten da gut vernetzt sein und uns gegenseitig unterstützen, dabei aber auch nichts doppelt machen.

Das stets sehr aktuelle Thema der fanunfreundlichen Anstoßzeiten scheint in den letzten Jahren immer mehr vernachlässigt worden zu sein. Eine eigene vereinsübergreifende Initiative zum Thema gibt es nicht mehr, seit dem aus dem vormaligen Bündnis „Pro 15:30“ ProFans wurde. Die Rückkehr zu unseren Wurzeln war damit beschlossene Sache.

 

Worin seht ihr die Ursachen für fanunfreundliche Anstoßzeiten?

Es klingt platt, aber tatsächlich ist ursprünglich die übermäßige Kommerzialisierung und Vermarktung des Fußballs schuld daran. Mehr Anstoßzeiten sind mehr Sende- und reizvolle Werbezeiten und vermutlich auch höhere Einschaltquoten.

Wir wissen natürlich, dass nicht nur die Interessen der TV-Sender verantwortlich für das Zustandekommen der Spielansetzungen sind. Auf dem Fankongress 2012 wurde uns das ganze Prozedere ausführlich beschrieben. Da spielen sehr viele Faktoren und Verantwortliche eine Rolle. Neben der medialen Vermarktung sind das vor allem die DFL, die Vereine und die Sicherheitsbehörden. Dann müssen Aspekte wie Uefa und Fifa-Spielpläne, Feiertage, andere Events im Stadion, Reisewege, oder eine möglichst faire Verteilung aller Spiele beachtet werden. Die DFL kann da noch viel mehr benennen. Unter’m Strich steht aber, dass die Fan-Interessen bei der Spieltagsplanung keine ernsthafte Rolle spielen. Und das ist das Hauptproblem.

 

Mit dem „SpielAnsetzungsMonster“ habt ihr kürzlich einen Negativpreis verliehen, der die Fanszenen zu noch mehr Engagement bewegen und die Öffentlichkeit über die Problematik aufklären soll. Könnt ihr schon etwas über weitere geplante Aktionen verraten?

Wie ihr schon sagt, soll das SAM den Anstoß für Aktionen im Stadion geben. Wir werden den Preis auch weiterhin vergeben. Es wird sich zeigen, wie die Fanszenen darauf reagieren und wie kreativ damit umgegangen wird. Wir werden das Thema natürlich bei den regelmäßigen Treffen mit den Verbänden verstärkt einbringen. Am wichtigsten ist uns, dass das Thema wieder in die Öffentlichkeit getragen wird. Jedes Interview – wie dieses – und jede öffentliche Äußerung kann mehr Druck auf die Verantwortlichen ausüben.

 

„Wir gehen davon aus, dass es Gespräche geben wird“

 

Gibt es bezüglich der Problematik Gespräche mit der DFL?

In letzter Zeit hat es keine Gespräche zu diesem Thema gegeben. Nach unserer ersten Pressemitteilung vor ein paar Wochen, bekamen wir gleich am selben Tag eine Rückmeldung von der DFL, dass sie sich mit dem Thema auseinandersetzen werden. Wir sind gespannt, was nun kommt. Wir gehen davon aus, dass es Gespräche geben wird. Die große Frage ist natürlich mal wieder, was dabei herum kommen wird.

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Wie viel Einblick habt ihr als Organisation in die Spielplangestaltung der DFL? Wie transparent ist das Verfahren?

Wie gesagt, wir haben generelle Einblicke in das Prozedere bekommen. In konkrete Abläufe bei der Spieltagsgestaltung sind wir als ProFans nicht eingebunden. Von einem Einbringen der Fan-Wünsche kann keine Rede sein. Für uns gibt es bei viel zu vielen Spieltagen keine nachvollziehbaren Erklärungen, wieso es zu den besonders fanunfreundlichen Ansetzungen kommt. Daher haben wir die DFL nun auch aufgefordert, den Fans öffentliche Erklärungen dazu abzugeben.

 

Die Ultras der „Sankt Pauli Mafia“ werden das Montagsspiel in Fürth boykottieren. Die richtige Entscheidung?

Es ist ein ganz klares Zeichen, dass sich die Fans nicht alles bieten lassen. Ich kann die Entscheidung gut verstehen und fände es gut, wenn sich noch mehr Fans anschließen würden. Natürlich steht es für viele aktive Fans und gerade Ultras im Vordergrund ihre Mannschaft bei allen Spielen zu unterstützen. Wenn das aber vielen Fans aufgrund der Ansetzungen nicht möglich ist, dann muss dagegen vorgegangen werden. Selbst wenn die Entscheidung der SPM möglicherweise im Stadion oder vor dem Fernseher weniger auffällt, so ist das Thema durch den Boykott doch wieder im Gespräch. Nicht nur die Fanszene des FC Sankt Pauli wird durch diese Aktion erneut über das Thema diskutieren.

 

„Die Sache muss immer wieder zum Thema werden“ 

 

Abgesehen vom Boykott, welche weiteren Möglichkeiten haben Fans konkret, um gegen die Missstände zu kämpfen?

Auch wenn es anstrengend wird, die Sache muss immer wieder zum Thema werden. Wir werden nun regelmäßig die DFL um öffentliche Stellungnahmen bitten. Wenn sie es ernst meinen, dass Fan-Interessen eine Rolle bei der Spieltagsplanung spielen sollen, dann müssen sie das auch nachweisen können.
Dann sollte auch bei diesem Thema die Arbeit in der eigenen Fanszene und mit dem eigenen Verein für die Fans vor Ort im Fokus stehen. Verbreitete Aufklärung und eine gemeinsame Linie mit dem Verein können den Protesten ein viel stärkeres Gewicht verleihen. Es geht in jedem Fall darum, nicht nur ein Spruchband hochzuhalten, sondern an dem Thema auch hinter den Kulissen aktiv dran zu bleiben. Wir als ProFans wollen die Fans dabei aktiv unterstützen und ihnen Argumentationshilfen – etwa in der Form des SAM – mitgeben.

 

Bei der Spielplangestaltung muss die DFL viele unterschiedliche Interessen berücksichtigen. Fernsehsender zahlen viel Geld, um die besten Spiele zur besten Zeit zu zeigen. Für wie realistisch schätzt ihr vor diesem Hintergrund ein Entgegenkommen der DFL, zum Beispiel in Form einer „300km-Regel“, ein?

Das hängt wirklich davon ab, wie ernst die Verantwortlichen die Fan-Interessen nehmen. Wenn alle Beteiligten – auch die Behörden und TV-Sender und so weiter – ein Gespür für die Sache hätten, wäre die 300km Regel aus unserer Sicht möglich.

 

Welche Themen liegen euch neben den Anstoßzeiten in dieser Saison besonders am Herzen? 

Wir haben das Thema Fanutensilien weiterhin im Auge. Kürzlich haben wir ja über die Versendung des Empfehlungsschreibens der AG Fanbelange/Fanarbeit des DFB zur Freigabe von Fanutensilien berichtet. Hendrik Große-Lefert, der Sicherheitsbeauftragte des DFB, ist nun öffentlich zurückgerudert. Im Moment hat Münster die Materialeinschränkungen wieder zurückgenommen, während Wuppertal offenbar weiterhin auf die Verbote besteht. Das Thema hat noch einigen Zündstoff. Weiterhin werden wir uns um das Thema »9-Punkte Plan« kümmern. Die neuen Orientierungspunkte zur Sportgerichtsbarkeit des DFB und vor allem die Umlage von übermäßigen Verbandsstrafen auf Einzelpersonen sehen wir sehr kritisch.

fn