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National

„Zumindest problematisch“ – HSV übt zaghafte Kritik am Polizeieinsatz

Autor: Aaron Knopp Veröffentlicht: 07. Mai 2014
Quelle: imago

Für den Polizeieinsatz beim Heimspiel des Hamburger SV gegen Bayern München hagelt es von Fanseite harsche Kritik. Während die Polizei die Vorwürfe, sie habe unverhältnismäßig agiert, erwartungsgemäß zurückwies, hat sich der Verein mit einem klaren Statement lange zurückgehalten. Nach internen Beratungen erklärt sich der Vorstand des Bundesligisten nun aber mit einer offiziellen Stellungnahme.

Darin übt der Verein deutliche Kritik am Verhalten einiger Fans, auch das Aufhängen des Banner mit der Aufschrift „ACAB“, das Grund für den Einsatz war, verurteilt der HSV. Allerdings heißt es in dem Schreiben auch: „Nichtsdestotrotz sind wir der Überzeugung, dass das Risiko eines Polizeieinsatzes, in einen vollen Block zu stürmen und Verletzungen auch von Unbeteiligten zu riskieren, zumindest problematisch ist.“

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Der HSV will die Vorfälle nun gemeinsam mit den Behören aufarbeiten.

Nachfolgend das Statement im Wortlaut:

Am Rande des Heimspiels gegen den FC Bayern München kam es am vergangenen Samstag zu gewalttätigen Auseinandersetzungen zwischen Anhängern des HSV und der Polizei in den Blöcken 25A und 22C. Hintergrund war jeweils ein Banner, das von Fan-Gruppen im Block aufgehängt wurde. Auf diesen Bannern war jeweils der Schriftzug „ACAB“ zu lesen, der als Abkürzung für „All Cops Are Bastards“ steht.  Diese Beleidigung verstößt gegen die Stadionordnung des HSV und stellt eine Beleidigung der Polizei dar. Die HSV-Fanbetreuung und das Stadionmanagement haben daraufhin mehrfach und eindringlich versucht, einvernehmlich und auf Basis der sonst sehr guten Zusammenarbeit mit unseren Anhängern dahingehend einzuwirken, dass die Banner eigenständig abgehängt werden. Erst als diese Aufforderungen ignoriert worden sind, forderte das HSV-Stadionmanagement den Ordnungsdienst auf, die Banner zu entfernen. Die Ordner des HSV wurden jedoch daran gehindert. 
 
Daraufhin wurden Polizisten in die seitlichen Mundlöcher des Blocks 22C und vor den Block 25A beordert, um die Banner abzuhängen bzw. zu entfernen. Die Beamten wurden an ihrem Vorgehen gehindert und zum Teil massiv angegriffen. Die Polizisten setzten daraufhin Pfefferspray und Schlagstöcke ein. In der Folge kam es zu zahlreichen Verletzungen sowohl bei den eingesetzten Polizisten als auch den dort befindlichen Fans, überwiegend durch den Einsatz des Pfeffersprays. Das Banner in Block 22C wurde schließlich entfernt, außerdem das Banner der Gruppe CFHH  zerrissen, das Banner in Block 25A von der Gruppe selbst entfernt. Die Polizisten zogen sich daraufhin zurück. Die Gewalttaten setzten sich in der Folge in den Umläufen fort, nachdem der Polizei eine Anzahl gewaltbereiter „Fans“ dorthin gefolgt war. 
 
Der Hamburger SV verurteilt jegliche Beleidigung von Personen, Gruppen oder Institutionen sowie jegliche Beteiligung an gewalttätigen Auseinandersetzungen ob im oder außerhalb des Stadions. Das haben wir stets betont. Nichtsdestotrotz sind wir der Überzeugung, dass das Risiko eines Polizeieinsatzes, in einen vollen Block zu stürmen und Verletzungen auch von Unbeteiligten zu riskieren, zumindest problematisch ist. Insbesondere die Tatsache, dass zahlreiche unbeteiligte Stadionbesucher in Mitleidenschaft gezogen wurden, bedauern wir sehr und möchten uns auf diesem Wege dafür entschuldigen.  
 
Für eine weitere Aufarbeitung werden wir auf die Polizei zugehen und um eine gemeinsame interne Klärung bitten. Außerdem werden wir die Behörden bei der Aufarbeitung mit allen uns zur Verfügung stehenden Mitteln unterstützen.