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National

Zuganreise ohne Polizei: Ein Modell mit Zukunft?

Autor: Florian Nussdorfer Veröffentlicht: 07. April 2014
Quelle: imago

Zum Auswärtsspiel bei 1860 München reisten 620 Fans des Karlsuher SC mit einem eigens organisierten Sonderzug. Begleitet wurde der Zug von lediglich zwei zivilen Polizeibeamten sowie etwa 20 Ordnern, bei denen es sich ebenfalls um KSC-Fans handelte. 

Die Münchner Bundespolizei war von der Anreise der Fans nach eigenen Angaben „sehr angetan.“ Es sei zu keinerlei Straftaten und Ordnungswidrigkeiten gekommen. In München kann man sich offenbar vorstellen, dass die Anreise mit minimalem Polizeiaufgebot ein zukunftsfähiges Modell darstellt, vor allem um die große Zahl der Arbeitsstunden im Fußballeinsatz zu verringern. Allein 2012 hatten 97.688 Bundespolizisten 701.032 Stunden rund um Fußballspiele geleistet.

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„Wir unterstützen diese Fanzüge, ob als Sonderzüge oder sogenannte Entlaster. Fußballfans und andere, normale Bahnreisende können so, getrennt voneinander, die gleichen Ziele erreichen. Dies entlastet die Bundespolizei personell, da die Begleitung im Zug weitestgehend entfällt, nur im Ausnahmefall notwendig wird. Die Fans sind für ihr Verhalten selbst verantwortlich und es kommt auch zu einer Art Selbstregulierung im Zug“, sagte Polizeidirektor Jürgen Vanselow.

Für die angesprochenen Selbstregulierung hatten die Organisatoren bereits im Vorfeld der Zugfahrt durch klare Spielregeln gesorgt: Im gesamten Zug herrschte ein Glasflaschenverbot, auf harten Alkohol sollte ganz verzichtet werden. Darüber hinaus gab es die üblichen und eigentlich selbstverständlichen Bitten, den Ordnern mit Respekt zu begegnen, die vorhandenen Müllsäcke zu benutzen sowie das Bekleben oder Beschmieren des Zuges zu unterlassen.

Damit solche Züge in Zukunft noch öfter eingesetzt werden können, hofft Vanselow, dass „Fußball (Vereine und Verbände), Politik und Bahn aufeinander zugehen.“ So soll es vor allem durch günstige Tickets gelingen, das Interesse der Fans an diesem Weg der Anreise zu erhöhen.

Bei der Rückreise mit dem Sonderzug gab es für die Karlsruher Anhänger übrigens noch ein besonderes Highlight: Die Mannschaft des KSC reiste in einem eigenen Abteil ebenfalls mit dem Sonderzug zurück nach Karlsruhe und konnte so gemeinsam mit den Fans den 3:0-Sieg feiern.