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Hintergründe

Zu Besuch bei den Blau-Weißen Haien

Autor: Merlin Olk Veröffentlicht: 05. September 2014
Quelle: imago

Im Norden von Bochum, knapp 4 Kilometer vom Rewirpower-Stadion entfernt, trifft sich der VfL Bochum-Fanclub „Blau-Weiße Haie“ einmal im Monat, um gemeinsame Aktionen zu planen und über die aktuelle Lage des Revierclubs zu diskutieren.  Fanzeit nahm am letzten Treffen der Haie teil und schaute sich die Arbeit des 58-Mitglieder starken Fanclubs an.

Mit einem kräftigen Händedruck werde ich an diesem sonnigen Nachmittag von einem, in Vereinsfarben gekleideten, jungen Mann in Empfang genommen. „Jo, hier bisse richtig“, sagt er und weist auf die Eingangstür des beschaulichen Clubraums, der bereits gut gefüllt ist. Die männlichen Fans scheinen hier klar in der Überzahl zu sein, am hinteren Tisch haben sich aber auch ein paar Damen zu Kaffee und Spritzgebäck eingefunden. „Bist du neu hier, oder haben wir uns schonmal gesehen“, fragt eine der weiblichen Haie. Als ich ihr verrate, dass ich aus der westlichen Nachbarstadt komme und nicht so oft in Bochum unterwegs bin, verdreht sie die Augen und stöhnt: „Das hat mir gerade noch gefehlt.“ Schließlich bietet sie mir aber lächelnd einen Kaffee an.

„Erstmal brauchen wir ein Logo“

Die Runde ist nun komplett, eine bunte Mischung aus jungen und alten Menschen hat sich versammelt und der erste Tagesordnungspunkt wird besprochen. Der junge Mann der mich anfangs begrüßte, berichtet von einem Angebot im Internet, das dem Fanclub ein eigenes Banner für ungefähr 20 Euro bescheren könnte. „Wir brauchen doch erstmal n´ Logo“, schallt es aus der anderen Ecke des Raumes und der Einwand stößt auf allgemeine Zustimmung. Schnell ist man sich einig, dass die „Blau-Weißen Haie“ ein eigenes Logo bekommen sollen, mit dem sie sich im Stadion präsentieren können. Ein älterer Herr möchte die Aufgabe übernehmen, und möglichst zeitnah ein paar Entwürfe an Land ziehen.  „Danach können wir uns um Banner, Fahnen oder T-Shirts kümmern“, lautet die einstimmige Meinung, die das Thema dann auch beendet.

„Wir spielen auch selber Fußball“

Begeistert erzählen mir die Haie von den Auswärtsfahrten nach Bielefeld und Köln in der letzten Saison. Ein weiteres Highlight war die vor kurzem besuchte Stadionführung: „Wir durften sogar in die Umkleidekabinen gucken, da hat die Dame vom VfL mal ein Auge zugedrückt“, berichtet ein redefreudiger Bochum-Fan und fügt an: „Die Spieler haben das eigentlich nicht so gern.“ Dann wird ein blau-schimmernder Pokal aus der Vitrine geholt. „Den haben wir beim Fanclub-Turnier gewonnen, aber guck lieber nicht auf die Platzierung“, erklärt einer der Haie schmunzelnd. Der Bochumer Fanclub trifft sich öfters zum Fußball spielen und nimmt an verschiedenen Turnieren teil. „Bei uns sind alle Topstürmer, aber ich steh´im Tor, so wie der Luthe beim VfL“, heißt es vom selbstbewussten Torwart der Hobbykicker.

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Von den eigenen sportlichen Betätigungen kommen die Haie dann auch schnell zum nächsten wichtigen Thema: die sportliche Lage des VfL Bochum. In einem Punkt sind sich hier alle einig: „So wie die im Moment spielen, können sie den Aufstieg schaffen. Der Neururer macht das genau richtig, stellt die Mannschaft gut auf und der Terodde trifft im Moment nach Belieben“, resümieren die Haie den bisherigen Saisonverlauf. Der familiäre Fanclub hofft darauf, dass der VFL bald wieder erstklassig spielt, „damit wir die Dortmunder und die Schalker mal wieder ärgern können.“ Mit der Rolle des „kleinen Vereins im Ruhrgebiet“ möchte man sich hier nicht so recht zufrieden geben. „Aber die anderen haben halt mehr Kohle und können uns die Spieler wegkaufen“, sagt ein Club-Mitglied und verweist auf Leon Goretzka, der von Bochum nach Gelsenkirchen wechselte.

„Von Hölzken auf Stöcksken“

Eher pessimistisch stehen die „Blau-Weißen Haie“ der nächsten Runde im DFB-Pokal gegen Dynamo Dresden gegenüber. „Das Blöde ist, dass wir n´Auswärtsspiel haben und dass die Dresdener zu Hause immer stark spielen“, gibt ein Bochum-Fan zu bedenken. Und wie man im Ruhrgebiet von „Hölzken auf Stöcksken“ kommt, kommen gleich mehrere Mitglieder des Fanclubs von Dresden auf Pyrotechnik und vertreten eine weit verbreitete Meinung zur viel diskutierten Thematik. „Das sieht schon ganz gut aus, aber daneben stehen und den Rauch einatmen will ich nicht“, erzählt ein Hai. Dann meldet sich auch ein weiblicher Fan zu Wort: „Wenn du da mit´m Trikot stehst und das Feuer fängt, ja dann gute Nacht.“ Einen Lösungsvorschlag hat der junge Mann parat, der so gerne redet: „Wenn man das alles im sicheren Rahmen abwickeln könnte, dann spricht da doch garnichts gegen“, sagt er. „Man müsste Bereiche einführen, in denen die Bengalos erlaubt sind.“ Da man sich einig ist, das ambivalente Thema Pyrotechnik heute nicht mehr ergebnisführend besprechen zu können, wollen sich die Haie nun lieber den geplanten Auswärtsfahrten widmen.

Nach reiflicher Überlegung, welche Spielorte der zweiten Liga für den Fanclub günstig zu erreichen sind, entscheidet man sich für Düsseldorf und St. Pauli. Für die Reise nach Hamburg soll eine Übernachtung mit eingeplant werden „und morgens um 7 Uhr hauen wir uns dann n Fischbrötchen auf´m Markt rein“, ergänzt ein Bochumer das Reiseprogramm. Zwei Auswärtsfahrten des Fanclubs sollen in jeder Saison stattfinden, auch im Hinblick auf die nahe gelegenen Nachbarn aus dem Ruhrgebiet, wünscht man sich bei den Haien einen zeitnahen Aufstieg des VfL. „Da kann man ja fast hinlaufen“, meint einer der Haie, der aber auch „kein Problem mit langen Bahnfahrten“ hat. Der ältere Herr besitzt seit Jahren eine Dauerkarte für den VfL und geht zu jedem Heimspiel – ein Privileg, dass nicht alle Mitglieder des Fanclubs besitzen. Für manche ist der Stadionbesuch auch nicht erstrebenswert, da sie die großen Menschenmassen nicht mögen. Eine Alternative bietet der clubeigene Flachbild-Fernseher mit Sky-Abonnement. „Hier gucken wir immer gemeinsam die Auswärtsspiele des VfL“, berichtet ein Bochumer stolz.

„Lebensfreude und Leidenschaft“

Bevor sich das Fanclub-Treffen dem Ende neigt, möchte ich von den Haien noch wissen, wie es um die Freundschaft zum FC Bayern steht. „Wenn Dortmund gegen Bayern spielt, sind wir auf jeden Fall alle für die Münchener“, antwortet ein VfL-Fan und erhält Zuspruch von seinen Clubkameraden. Anschließend dauert es nicht lange und die Blau-Weißen Haie stimmen gemeinsam das Lied an, das vor kurzem auch Bastian Schweinsteiger zur unverhofften Sängerkarriere verhalf und kein gutes Haar am ungeliebten Reviernachbarn aus Dortmund lässt. So sehr mich der Hohn und Spott in meinem tiefsten Innern berührt, so sehr sei es den Haien in diesem Moment gegönnt, ihrer Rivalität Ausdruck zu verleihen. Die Mitglieder des Bochumer Fanclubs strahlen Lebensfreude und Leidenschaft für ihren Verein aus – eben das, was einen wahren Fußballfan ausmacht.

mo