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Hintergründe

You’ll Never Walk Alone – Ein Dortmunder in Liverpool

Autor: Merlin Olk Veröffentlicht: 12. August 2014
Quelle: Lagoda

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Nach 13 Jahren trafen Borussia Dortmund und der FC Liverpool am vergangenen Wochenende in einem Freundschaftsspiel wieder aufeinander. Die beiden Traditionsclubs sind für die faszinierende Stimmung in ihren Stadien bekannt, die Städte der Vereine verfügen über Parallelen in ihrer Historie und auch die Fans scheinen vom gleichen Schlag zu sein. Wir haben einen Dortmund-Fan zur Anfield Road begleitet um heraus zu finden, was die Anhänger der Roten mit denen der Schwarzgelben verbindet.

Es gibt sie noch, diese klassischen Geschichten die davon erzählen, wie Fußballfans damals vom Vater mit ins Stadion genommen wurden und von da an mit Leidenschaft und Begeisterung hinter ihrem Verein standen. Eine solche Geschichte kann auch Sebastian erzählen, der sein erstes BVB-Trikot zum dritten Geburtstag bekam und mit 8 Jahren das erste Mal im Stadion war – mit seinem Vater, versteht sich. Die beiden waren damals im Westfalenstadion Zeugen eines lupenreinen Hattricks von Stephane Chapuisat, der damit nicht nur für den 3:2 Sieg gegen Werder Bremen, sondern auch für Sebastians neu entfachte schwarzgelbe Liebe sorgte.

Liverpooler Lebensfreude

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Buttons eines Liverpool-Fans

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Zwanzig Jahre später fährt Sebastian das erste Mal nach Liverpool, um seine Borussen an der Anfield Road spielen zu sehen. „Dieses Stadion ist von einem Mythos umgeben, den ich unbedingt mal erleben will“, erzählt uns der Dortmunder Jung. Von den „Scousers“, wie die Bewohner Liverpools in England genannt werden, ist Sebastian bereits vor dem Spiel angetan: „Am Samstag waren wir in einem Pub, schon um 11 Uhr morgens wurde hier gesungen und gelacht.“ Auf die Frage, welchen Eindruck die Menschen in Liverpool vermittelt haben sagt er: „Sie strahlen eine große Lebensfreude aus, manche kamen mit Einkaufstüten bepackt in die Kneipe und feierten einfach mit.“ Lebensfreude in Liverpool – Sebastians Erfahrungen widersprechen dem Image, dass der englischen Stadt anhängt. Eine Klischeevorstellung, die auch seiner westfälischen Heimat angehaftet ist.

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Straße in der Nähe vom Anfield Stadium

Denn ähnlich wie mit Dortmund assoziieren die meisten Menschen mit Liverpool eine dreckige Arbeiterstadt, in denen die Leute außer Fußball nicht viel haben. Tatsächlich sind beide Städte von einem markanten Strukturwandel gezeichnet, der von hart arbeitenden Malochern, wirtschaftlichem Niedergang und hoher Arbeitslosigkeit erzählt. Noch heute sind die Folgen des Wandels erkennbar, Dortmund wies 2013 mit 13,2 % die höchste Arbeitslosenquote in NRW auf, in Liverpool soll sogar jeder dritte Haushalt ohne regelmäßiges Einkommen gewesen sein. War Liverpool einst die bedeutendste Hafen- und Handelsstadt Nordenglands, galt Dortmund dank Kohle, Stahl und Bier für lange Zeit als wichtige Industriemetropole. Heute hat sich in beiden Großstädten der Dienstleistungssektor breit gemacht, Zechen und Brauereien sind Banken und Versicherungsgebäuden gewichen, der Hafen in Liverpool ist heute ein besserer Containerhafen, wenn auch der zweitgrößte in England.

Auf dem Weg zur Anfield Road

Sebastian erzählt uns vom besonderen Charme der Stadt Liverpool: „Der Weg zum Stadion ist schon etwas besonderes. Man geht mitten durch ein stinknormales Wohngebiet, beobachtet von alten Damen, die sich das Spektakel vom Fensterbrett aus ansehen“, berichtet er uns und zieht einen ersten Vergleich zu seiner Heimatstadt: „Das hätte auch in Dortmund sein können, von der Größe und dem Erscheinungsbild ähneln sich die Städte sehr. Nicht schön, aber woanders is´auch nich besser.“

Vor dem Stadion trifft Sebastian auf Anhänger der Reds, die ihm und den anderen Dortmundern wohl gesonnen und interessiert gegenüber treten. „Die Fans sind sich hier mit höchstem Respekt begegnet. Viele Liverpooler wollten wissen, wie es im Westfalenstadion ist und was bei uns eine Dauerkarte kostet“, berichtet er. Von den knapp 200 €, die Sebastian in dieser Saison für seine Dauerkarte berappen musste, können englische Fußballfans nur träumen. „Einer erzählte mir, dass seine Dauerkarte für die Reds umgerechnet 1240 € gekostet hat“, sagt der BVB-Anhänger kopfschüttelnd.

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