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National

„Wir überlegen, ob wir noch als Ultras ins Stadion gehen und dabei in den Spiegel schauen können“

Autor: Aaron Knopp Veröffentlicht: 12. Mai 2014
Quelle: imago

Was das Regionalliga-Spiel zwischen den beiden gesicherten Mittelfeldteams von Rot-Weiss Essen und Borussia Mönchengladbach II an Spannung vermissen ließ, boten die Ereignisse in der Westkurve an Aufregung. Wie deutschlandweit einige andere Gruppierungen hatten sich auch die Ultras Essen am Wochenende auf einem Banner mit dem als Polizistenmörder verurteilen italienischen Fan Antonio Speziale solidarisiert. Nachdem der Verein das Banner entfernen ließ, denken die Ultras Essen laut über Konsequenzen nach.

Erst 48 Stunden vor dem Spiel habe es ein Gespräch zwischen Ultras, Sicherheitsbeauftragten, Fanprojekt und Rot-Weiss Essen gegeben, in der es hieß, dass der Regionalligist auch weiterhin keine Zensur von Bannern und Spruchbändern ausüben wolle. Am Samstag habe RWE in 13 Jahren des Bestehens der Gruppe den Ultras erstmals das Aufhängen eines Banners untersagt. In einer Stellungnahme berichtet die Gruppe, dass Gerüchten zufolge die Polizei angedroht habe, das Stück Stoff notfalls eigenhändig zu entfernen.  „Da wir in unserem Stadion allein aus Rücksicht auf die anderen Stadionbesucher kein zweites Szenario wie in Gelsenkirchen oder Hamburg haben wollten, bei denen hunderte Unbeteiligte durch die Polizei verletzt wurden, zogen wir aus Protest unsere Sachen zusammen und verließen das Stadion nach einer kurzen informellen Ansprache unseres Vorsängers an die Zuschauer auf der Westtribüne.“ Das Transparent zog der Ordnungsdienst später ein.

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„So lange gut gelitten sind, als dass wir für den Verein positive Schlagzeilen produzieren“

Erledigt ist die Angelegenheit für die UE damit aber noch längst nicht. Vielmehr empfinde die Gruppe das Vorgehen des Vereins als „Schlag ins Gesicht“. Man sei sogar gewillt, über weitreichende Konsequenzen nachzudenken.  „Wir haben gewisse Ideale, die wir vertreten und dazu gehört nun mal eine unzensierte Meinungsfreiheit. Sollte diese an der Hafenstraße nicht mehr gewährleistet sein, müssen wir tief in uns gehen und überlegen, ob wir noch als Ultras ins Stadion gehen und dabei in den Spiegel schauen können“, heißt es in dem Statement. Man müsse sich die Frage stellen, ob der Verein das Verhältnis zu seinen Ultras nicht als Einbahnstraße verstehe, in denen Aktionen wie Grillabende oder Choreographien zwar gerne gesehen werden, nun aber eine offensichtliche Zensur durchgeführt werde. „Es bleibt das Gefühl, dass wir so lange gut gelitten sind, als dass wir für den Verein positive Schlagzeilen produzieren.“

Immerhin werden die Ultras Essen das kommenden Auswärtsspiel beim VfL Bochum II als Gruppe besuchen. Man werde die Sommerpause aber nutzen, um sich intensive Gedanken über den Sachverhalt zu machen.