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Hintergründe

„Wir stehen dem Marketing-Produkt von Herrn Mateschitz sehr kritisch gegenüber“

Autor: Aaron Knopp Veröffentlicht: 12. Oktober 2014
Quelle: B-Block Brigade2007

Wie steht ihr zum Modell Hoffenheim, also dass euer Verein über vergleichsweise viel Geld verfügt, obwohl er keine lange Bundesliga-Tradition und auch vergleichsweise wenig Zuschauer hat?
Wir sind Fans dieses Vereins. Uns ist bewusst, wie unser Verein in die Bundeliga aufgestiegen ist – sprich durch die Unterstützung von Dietmar Hopp – und dass die TSG ohne diese Unterstützung sicherlich niemals so erfolgreich gewesen wäre. Aber dies ist nunmal Teil unserer – zugegebenermaßen – kurzen Geschichte; das ist unser Verein!

 

„Wir verstehen auch die Probleme, die andere mit dem sogenannten ‚Modell Hoffenheim‘ haben“

Was bedeutet für euch „Tradition“? Ist das nur eine leere Phrase, die heute sowieso nichts mehr gilt oder könnt ihr den Ärger vieler Fans über „Werksklubs“ und aufstrebende Vereine, die keine lange Geschichte haben, verstehen?
Tradition ist für uns in gewisser Weise ein zweischneidiges Schwert. Auf der einen Seite natürlich etwas Positives bspw. dadurch, dass dem Verein auch in sportlich weniger erfolgreichen Zeiten die Treue gehalten wird. Wir verstehen auch die Probleme, die andere mit dem sogenannten „Modell Hoffenheim“ haben: Ein Verein kommt aus dem Nichts und wird durch das Geld eines Mäzens in die Bundesliga geführt und nimmt den „Traditionsvereinen“ womöglich einen Platz weg. Dennoch ist es zu einseitig, unserem Verein die „Schuld“ am Untergang diverser Traditionsvereine zu geben; dort wurden zu oft enorme sportliche und wirtschaftliche Fehler gemacht, die zum Absturz beigetragen haben. Was wir an der ganzen Diskussion über das „Modell Hoffenheim“ allerdings kritisieren, ist die Scheinheiligkeit, die dabei vorherrscht: Viel zu oft wird vergessen, dass auch andere Vereine durch Investoren oder Mäzene unterstützt werden oder wurden und wenn dann gerade Fans dieser Vereine uns pauschal verurteilen, ist dies größtenteils lächerlich und nicht wirklich ernst zu nehmen.

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Zuletzt scheint sich der Wind ein wenig gedreht zu haben. Ihr werdet von Einzelnen im Vergleich mit RB Leipzig sogar als vergleichsweise positiv dargestellt. Wie nehmt ihr das wahr?
Der Wind hat sich nicht unbedingt gedreht. Vielmehr ist aktuell RB mehr in der Diskussion, da in Leipzig der Durchmarsch in die Bundesliga mit aller Gewalt angegangen wird. Daher sind wir momentan etwas aus dem Fokus gerückt, dies kann sich sicherlich aber auch jederzeit wieder ändern.

Wie steht ihr zu dem „Modell“ Red Bull und wo seht ihr die Unterschiede zu Hoffenheim?
Auch wir als Hoffenheim-Anhänger stehen dem Marketing-Produkt von Herrn Mateschitz sehr kritisch gegenüber. Wer glaubt, dass Herr M. ehrenhafte Absichten verfolgt um dem Osten Deutschlands einen Spitzenklub zu bescheren, liegt hier eindeutig falsch. Hier sehen wir den ersten Unterschied zu unserer TSG. Unser Verein agiert deutlich bodenständiger und muss sich nicht mit dem primären Ziel beschäftigen, ein Produkt zu bewerben. Dietmar Hopp hat eine große Verbundenheit zu diesem Verein und dieser Region. Das ist für uns ein bedeutender Unterschied. Unser Verein interessiert sich für Uns, für die Fans und die Kurve, was man von RB nicht behaupten kann. Wir müssen uns keine Gedanken darüber machen, dass der Verein uns Choreos verbietet, aus Angst vor negativer Publicity. Ob jedoch alle Hoffenheim-Fans so denken wie wir halten wir für sehr fragwürdig. Viele Fans in unserem Stadion, werden dieses Konzept wohl kaum so hinterfragen wie wir dies tun.

Wie würdet ihr euch verhalten, wenn es zu einem direkten Aufeinandertreffen kommen würde?
Über diese Frage haben wir uns noch keine großen Gedanken gemacht, schließlich könnte es noch ein paar Jahre dauern bis wir auf RB treffen.

Wo seht ihr Hoffenheim in Zukunft: Ist es mittelfristig für alle Verein der Weg, über Investoren und Mäzene zu gehen und wird sich die Abneigung legen? Oder habt ihr Angst, dass beim Ausstieg von Dietmar Hopp irgendwann kleinere Brötchen gebacken werden müssen?
Früher oder später soll unser Verein auf eigenen Beinen stehen und unabhängig von der finanziellen Unterstützung durch Dietmar Hopp sein. Dann wird sich sicherlich auch die Abneigung der TSG gegenüber weiter legen. Allerdings wird es vermutlich noch eine Weile dauern, bis der Verein finanziell unabhängig ist, da in der Vergangenheit enorme Fehler durch die sportliche Leitung gemacht wurden. Besonders die Zeit unter Babbel/Müller hat den Verein in dieser Hinsicht leider zurückgeworfen und für Altlasten gesorgt, die noch immer durch Dietmar Hopp ausgeglichen werden müssen. Aktuell kann man ja schon beobachten, dass bei immer mehr Vereinen, Mäzene finanziell unterstützen oder Investoren einsteigen. Mittel- bzw. langfristig wird dieser Trend immer deutlicher werden, da alle Vereine die finanziellen Mittel benötigen, um konkurrenzfähig bleiben zu können. Diese Entwicklung war schon beim Verkauf der Namensrechte der Stadien zu beobachten. Dies ist aber eine Entwicklung, die durch den „modernen“ Fußball allgemein ausgelöst wurde und nicht allein durch den Aufstieg der TSG.

Würdet ihr der TSG auch die Treue halten, wenn sie irgendwann mit kleinem Budget in der, sagen wir, Oberliga spielen würde?
Hier können wir natürlich nicht für jeden Einzelnen in der Kurve sprechen, aber innerhalb unserer Gruppe sind wir uns einig. Wir persönlich gehen zur TSG weil es unser Verein ist. Er bedeutet Liebe, Zusammenhalt, Lebensinhalt und Freundschaften – ein Leben lang. Dabei spielt es keine Rolle, in welcher Liga unser Verein spielt. Wir wären auch in der Oberliga mit ganzer Leidenschaft dabei!