Anzeige

Hintergründe

„Wir sind Fußballfans durch und durch. Wer uns das abschreibt, den können wir nicht ernst nehmen.“

Autor: Aaron Knopp Veröffentlicht: 19. Januar 2015
Quelle: Screenshot

Im Gründungsjahr gleich Branchenprimus. Das Bayern-Blog Miasanrot.de macht seinem Verein glatt noch etwas vor. In der letzten Woche wurden die Macher der Seite von anderen Bloggern als „Sportblog des Jahres“ ausgezeichnet. Dabei gibt es das Projekt in dieser Form erst seit dem Sommer 2014. 

Die Macher sind allerdings schon weitaus länger im Geschäft. Kurz vor Saisonbeginn wuchs zusammen, was in zwei eigenen Projekten schon durchaus erfolgreich war. Fanzeit sprach mit den Machern von Miasanrot.de darüber, was Blogger der klassischen Sportpresse voraus haben können, „Erfolgsfans“ und RB Leipzig.

 

Ihr seid als Blogger des Jahres ausgezeichnet worden. Wie kam es dazu und wie habt ihr von eurer Nominierung erfahren?
Wir haben über einen Freund und Twitter von der Nominierung zum „Blogger 2014“-­Award, der von den Initiatoren Franziska Bluhm, Daniel Fiene und Thomas Knüwer ausgelobt wird, erfahren und uns selbstverständlich sehr darüber gefreut, aus über 1.900 Nominierten Blogs zu den letzten vier in der Kategorie „Sportblog des Jahres“ zu gehören. Am Ende konnte über die Gewinner abgestimmt werden.

Ist der Preis nun also Ergebnis einer Abstimmung oder hatte eine Jury das letzte Wort?
Die Jury wertete die eingereichten Vorschläge aus, um vier Teilnehmer für die finale Abstimmung auszuwählen. Im letzten Schritt fand ein Onlinevoting statt, welches wir mit Hilfe unserer Leser für Miasanrot entscheiden konnten.

Was bedeutet euch so eine Auszeichnung?
Lob und Ansporn zugleich. Miasanrot.de hat sich insbesondere im letzten Jahr stark weiterentwickelt, ist größer und professioneller geworden. Die Auszeichnung fassen wir als Lob für unsere bisherige Arbeit auf, die wir auch in Zukunft fortsetzen und weiter verbessern möchten.

Schwere Frage, aber: Was glaubt ihr, womit ihr euch den Award verdient habt?
Seit der Gründung von Miasanrot sind unzählige Stunden in das Projekt und seine Weiterentwicklung geflossen. Mit unserer Fusion im Sommer 2014 sind wir den nächsten Schritt gegangen, um fundierte Analysen zu den Profis, den Amateuren und FCB­-Frauen anzubieten. Unsere Texte und die Präsentation dieser hat die Jury vermutlich bewogen uns in die letzten vier Teilnehmer in der Kategorie „Sportblog“ zu setzen. Letztendlich verdanken wir es unseren Lesern, die Abstimmung gewonnen zu haben, sie sind wichtiger Bestandteil unserer Arbeit und als kritische, diskussionsfreudige Bayern­-Fans essenziell für Miasanrot.

Anzeige

Seit wann gibt es euer Blog? Das Ganze ist hervorgegangen aus anderen Projekten, richtig?
Miasanrot und DerBayernBlog entstanden unabhängig voneinander im Sommer 2012. Als der FC Bayern im März 2014 in Berlin Meister wurde, haben wir uns nach Abpfiff persönlich kennengelernt und erstmals über eine gemeinsame Zukunft philosophiert. Da wir sehr ähnliche Vorstellungen und Ziele für ein Bayern­-Blog hatten, arbeiteten wir im Sommer an der Fusion und konnten vor dem Saisonstart 2014/15 unter dem Dach Miasanrot.de fusionieren. Nach monatelangen Vorbereitungen ging es ab diesem Zeitpunkt gemeinsam weiter.

„Wir versuchen Dinge etwas anders anzugehen als die klassische Sportpresse“

Wie würdet ihr eure Inhalte beschreiben, was macht Miasanrot also besonders?
Wir versuchen Dinge etwas anders anzugehen als die klassische Sportpresse. Natürlich sind wir Bayern-­Fans und unsere Texte mit einer gewissen Wertung versehen, was sie aber keineswegs weniger kritisch macht. Viel mehr versuchen wir, Analysen unter taktischen Gesichtspunkten, die nicht erst seit Pep Guardiola populär sind, zu verfassen und haben bei Spielberichten mit den „Drei Dingen, die auffielen“ ein spannendes Format gefunden, das über die Nacherzählung des Spielverlaufes hinausgeht. Außerdem sind wir große Freunde von statistischen Auswertungen und Daten, die helfen sollen, einzelne Partien in größere Zusammenhänge zu stellen, um nicht nur rein subjektive Eindrücke zu schildern. Als Blog haben wir gewisse Freiheiten und nicht den Druck einer Deadline für Veröffentlichungen, wobei wir inzwischen noch am Spieltag veröffentlichen. Hintergrundartikel, wie die Betrachtung einzelner Spieler oder taktischer Feinheiten, entstehen nach durchaus intensiven internen Diskussionen und sind Eindrücke, die als Aufhänger nicht unbedingt ein gerade absolviertes Spiel benötigen. Der Podcast und das Rot­Weiße Round-­Up runden die Fußballwoche ab.

Euer Angebot ist ziemlich umfangreich. Wie viele Schreiber sind bei euch aktiv?
Wir sind inzwischen zu fünft und betrachten die Profi­-Mannschaft des FC Bayern, die Bayern-Amateure und die FCB-­Frauen. Mit dieser Teamgröße können wir die Arbeit ganz gut aufteilen und fast jeden Tag etwas veröffentlichen.

Wie viel Zeit nimmt das Ganze in Anspruch? Also ist es wirklich noch ein Hobby, das nebenher läuft oder nimmt das schon regelmäßig einen größeren Teil eurer wöchentlichen Freizeit in Anspruch?
Miasanrot ist ein Hobby-­Projekt, hat sich in den letzten Monaten aber sehr professionalisiert. Da wir alle berufstätig sind oder studieren und nebenbei arbeiten, ist es eine Beschäftigung für die Wochenenden und nach Feierabend. Die Arbeit nimmt einen regelmäßigen Teil unserer Freizeit in Anspruch. Zu fünft lässt sich das aber gut handhaben.

Der ein oder anderen von euch hat ja sogar einen (sport­)journalistischen Hintergrund. Welchen Anspruch hinsichtlich der „Professionalität“ habt ihr an Euer Blog. Oder ist es euch schon wichtig, dass es am Ende die „Fanberichterstattung“ überwiegt.
Fundierte, gut recherchierte Artikel sind unser Anspruch. Wir möchten Bayern-­Fans informieren und ihnen eine Alternative zu anderen Sport­-Publikationen bieten. Deshalb ist uns auch Manuel Neuers Platzierung beim Ballon d’Or oder eine Sensationsmeldung nicht so wichtig wie eine Analyse von Guardiolas Dreierkette oder die ausführlichen Vorstellung von Bayerns Neuzugang Joshua Kimmich.

Was treibt einen an, sein Blog immer weiter zu befüllen und nicht zu „schludern“? Verdient ihr schon ein wenig Geld damit?
Sowohl die Begeisterung für den FC Bayern als auch das Bloggen an sich. Es gibt wohl wenige Vereine, über die ähnlich häufig diskutiert wird wie die Münchner. Dennoch fallen uns immer wieder Themen ein, die es wert sind, aufgegriffen und näher beleuchtet zu werden. Wir verdienen ein wenig Geld, wobei dies hauptsächlich durch Werbeeinnahmen entsteht und stets direkt wieder investiert wird. Es gibt also weder Autorengehälter noch Bierkasse. Aber inzwischen können wir unsere monatlichen Kosten für den Betrieb decken und in zusätzliche Ausrüstung, wie bessere Mikrofone für unseren Podcast, investieren, sodass es vom Zeitaufwand abgesehen kein Verlustgeschäft ist.

„Akkreditierungen sind in Deutschland als Blogger allgemein ein schwieriges Thema“

Habt ihr schon Feedback vom Verein bekommen? Kommt er euch entgegen, zum Beispiel mit Akkreditierungen?
Wir haben bereits Feedback vom Verein bekommen. Zur diesjährigen Teamvorstellung wurden wir in die Allianz Arena eingeladen und das Team der Bayern­-Frauen half uns ebenfalls sehr. Akkreditierungen sind in Deutschland als Blogger allgemein ein schwieriges Thema. Insbesondere natürlich bei einem Verein wie dem FC Bayern München, den viele Journalisten im Stadion und auf Pressekonferenzen verfolgen wollen. Wir sind gespannt, was sich hier in Zukunft tun wird und sind nicht traurig, wenn wir unsere Mannschaft aus der Südkurve heraus unterstützen können.

Wie würdet ihr die „Blogosphäre“ beim FC Bayern beschreiben? Der Verein selbst ist in Sachen Social Media ja ähnlich weit vorne wie in der Bundesliga. Spiegelt sich das auch in dem Angebot an Blogs und schreibenden Fans wider?
Als wir 2012 starteten, gab es einige Bayern-­Blogs, die mitunter seit langer Zeit aktiv waren. In den letzten Jahren sind leider viele Projekte eingeschlafen oder neue Ideen wurden beendet, sodass es nach unserem Empfinden verhältnismäßig wenige Blogs für die große Fanbasis gibt.

Auf Seite 2: Wovon Bayern-Fans noch träumen können und was RB Leipzig anders macht als der Rekordmeister.