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Hintergründe

Wir müssen draußen bleiben: „Das Schlimmste was passieren kann!“

Autor: Moritz Gutscher Veröffentlicht: 21. November 2014
Quelle: imago/fanzeit

Gefürchtet, berüchtigt, umstritten: Das Stadionverbot ist die letzte Konsequenz, die Fans und Verein dauerhaft voneinander trennt. Nicht immer rechtens, nicht immer angemessen. In unserer mehrteiligen Serie „Wir müssen draußen bleiben“ beleuchten wir die Hintergründe dieser streitbaren Maßnahme. Dabei widmet sich jeder Beitrag einer anderen Perspektive: Vom Stadionverbotler bis zur Polizei.

Montag, früher Abend.

Auswärtsspiel, Nieselregen, noch drei Stunden bis zum Anpfiff. Die Stimmung ist exzellent, die ungeliebte Länderspielpause ist gerade vorbei. Vor der Ankunft treffen verschiedene Fangruppen aufeinander, die Polizei schreitet ein. Es kommt im Stadtgebiet zu Zwischenfällen, einige werden in Gewahrsam genommen. Darunter auch Paul*.

Das Stadion erreicht er nie, das Spiel kann er nicht sehen. An ein Stadionverbot hat er zu diesem Zeitpunkt gar keinen Gedanken verschwendet, erst in den folgenden Tagen zeichnete sich die Tragweite des Geschehens ab. Kurze Zeit später bekommt er Post …

Ein gutes Jahr ist seitdem vergangen, nun darf Paul wieder ins Stadion.

„Der Verein hat mir einen Brief zukommen lassen. Darin sagte man mir, dass ein bundesweites Stadionverbot in Planung ist und ich paar Tage Zeit habe mich zu äußern“.

„Zur falschen Zeit am falschen Ort“

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Der Vorwurf des Landfriedensbruchs und der Sachbeschädigung führte zum Stadion- und Stadtverbot, das bundesweite Verbot drohte schon, bevor strafrechtliche Relevanz überhaupt nachgewiesen werden konnte. Selbst beteiligt sei er nicht gewesen, er war einfach „zur falschen Zeit am falschen Ort“. Die Anschreiben von Polizei und Verein landeten nach und nach bei ihm, einmal gab es sogar einen Hausbesuch.

Anwohner fragten nach, unabhängig vom Tatvorwurf war der Polizeibesuch Gesprächsthema in der Nachbarschaft. „Wenn man bedenkt, dass in dem Fall noch kein Gerichtsurteil vorliegt und auch keiner dem anderen Schuld nachweisen kann, ist das schon ’ne Frechheit, dass man überhaupt Post bekommt.“

Die Polizei rief sogar auf dem Handy an

Zu den Folgen des Verbots gehörten regelmäßige Anrufe an Spieltagen. Dabei ist unklar, wie die Beamten an seine Handynummer gekommen sind, er hat sie mittlerweile gewechselt.

Im Gespräch mit Verein- und Fan-Vertretern wurde Paul befragt, hatte die Möglichkeit sich zu erklären. Hierbei verfährt jeder Verein unterschiedlich. Auch obliegt es den Verantwortlichen, inwieweit die Aussagen mit in das Strafmaß einbezogen werden.

Nach den Vorwürfen wandte sich Paul an einen spezialisierten Anwalt, der zunächst Akteneinsicht forderte und das Gespräch mit dem szenekundigen Beamten suchte. Später wurde das Ermittlungsverfahren eingestellt und der Tatvorwurf fallen gelassen. Da die Rechtsschutzversicherung allerdings nicht einspringt, wenn eine vorsätzliche Tat  im Raum steht, musste Paul seinen Anwalt aus eigener Tasche bezahlen.

Weiter auf Seite 2: „Das Schlimmste was einem als Fan im Leben passieren kann“

*Name geändert