Anzeige

National

„Wir fahren euch nicht mehr“

Autor: Lukas Schäfer Veröffentlicht: 24. April 2015
Quelle: imago

Am vergangenen Sonntag ereigneten sich rund um das Nordderby zwischen dem SV Werder Bremen und dem Hamburger Sportverein mehrere Ausschreitungen beider Fanlager. Bereits während der Anreise beschädigten HSV-Fans mehrere Waggons eines überfüllten Zuges. Die Eisenbahngesellschaft Metronom zieht aus diesem Vorfall nun Konsequenzen.

Bereits im Vorfeld hatte die Bundespolizei Bremen ein Alkoholverbot für alle Züge des Regionalverkehrs ausgesprochen. Etwa 300 HSV-Anhänger randalierten während der Anreise in einem Metronom-Zug nach Bremen. Zwei Waggons wurden verwüstet. Laut Hamburger Abendblatt reagierte das Unternehmen nun mit einem Zugverbot für Fußballfans aus Ultra-Gruppierungen. „Wir werden diese Personen ab Mai daran hindern, mit unseren Zügen zu fahren“, äußerte Geschäftsführer Jan Görnemann.

Anzeige

Unabhängig davon, ob die Fahrgäste bereits durch Fehlverhalten aufgefallen sind, würden nach den Lageerkenntnissen der Bundespolizei und eigener Einschätzung kurzfristig Fahrverbote für bestimmte Fans erteilt. Dabei werde auch in Kauf genommen, dass auch friedliche Fans betroffen sein werden: „Es ist unmöglich, Ultras im Vorfeld genau zu identifizieren“, erklärte Görnemann. „Es ist wie beim Alkoholverbot: Es können sich nur einige nicht benehmen – aber Abhilfe schafft nur ein strenges Verbot. Im Zweifel fahren die Züge gar nicht, wenn Ultras an Bord sind“. Diese Regelung sei so lange gültig, bis die Ultras bewiesen hätten, dass sie sich benehmen können. Den betroffenen Fans werde jedoch der Kaufpreis der Fahrkarten erstattet.

Der HSV-Fanbeauftragte Joachim Ranau bewertet die Verbote als „bittere, aber nachvollziehbare Entscheidung“. Das Verhalten einiger Fahrgäste sei indiskutabel, auch wenn sich am Sonntag in Bremen Fans bei der Beseitigung der Randale-Schäden beteiligt hätten. „Wir werden zeitnah das Gespräch mit der Metronom-Leitung suchen, um die Einschränkungen für die Mehrzahl der friedlichen HSV-Anhänger im Rahmen zu halten“, erklärte der Fanbeauftragte gegenüber dem Abendblatt.

Laut Metronom hätten im Jahr 2014 Fans durch Vandalismus einen Schaden in Höhe von etwa einer Million Euro angerichtet. Die Ultras des Hamburger SV, von Hannover 96 und von Hansa Rostock seien dabei besonders auffällig geworden. Nach den jüngsten Ausschreitungen fordert der Konzern eine stärkere Beteiligung der Fußballvereine am Fantransport.