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National

„Wir alle sind der Verein“

Autor: Johannes Holzapfel Veröffentlicht: 03. September 2015
Quelle: imago

Die Südkurve Köln hat auf ihrer Homepage einen Artikel veröffentlicht, der erklären soll, warum eine Mitgliedschaft im Verein wichtig und wertvoll ist.

Durch den Beitritt in den Verein wird man „tatsächlich Teil eines Fußballvereins“ und ermöglicht ebenfalls die „tatsächliche Teilhabe“ am Verein. Der Einfluss der Mitglieder, vor allem durch „das höchste Organ eines Vereins“, der Mitgliederversammlung, kann den Verantwortlichen Druck machen und zu Veränderungen führen. „Die Amtszeit manch eines Vorsitzenden endete“ schon nach eben dieser, weil die Mitglieder in turbulenten Zeiten Fehler aufzeigen und diese auch kommunizieren können.

Die Südkurve 1. FC Köln zeigt positive Beispiele, bei denen Mitglieder in vergangener Zeit verschiedene Aktionen durchsetzen konnten: „In Berlin, Karlsruhe und Stuttgart wurden auf Initiative der Mitglieder die traditionellen Vereinswappen wieder eingeführt. In Dresden wurde auf einer Mitgliederversammlung die Rückkehr zum traditionellen Vereinsnamen beschlossen. Der 1. FC Köln verfügt über eine Trikotkommission, in der Mitglieder über die Trikotgestaltung mitentscheiden.“

Alles in allem hat die Südkurve ein Plädoyer für die Vereinsmitgliedschaft veröffentlicht. Die Ausrichtung des Vereins werde „also von den Mitgliedern bestimmt.“

Nachfolgend der Text im Wortlaut:

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„Wir sind der Verein“, „Spieler kommen und gehen“, „Marmor, Stein und Eisen bricht…“, und „Lebenselixier“ sind nur einige Phrasen, die Fußballfans geradezu inflationär gebrauchen. Dahinter steht die Überzeugung, dass Fans sich als Bestandteil ihres Vereins betrachten. Diese Bindung wird auf verschiedene Arten sichtbar, sie manifestiert sich beispielsweise in vollen Stadien insbesondere in den Gästeblöcken. Der Absatz von Fanartikeln könnte als weiteres Indiz herangezogen werden. Die Liebe zu einem Fußballverein kann ganz unterschiedliche Blüten tragen.

Doch wie wird man tatsächlich Teil eines Fußballvereins? Was wäre naheliegender als der Beitritt in den Verein. Eine Mitgliedschaft bietet nicht nur formal auf dem Papier die Möglichkeit, ein Teil der Gemeinschaft zu sein, sondern sie ermöglicht tatsächliche Teilhabe. Die Mitgliederversammlung ist das höchste Organ eines Vereins. Besonders in sportlich turbulenten Zeiten zittern die Verantwortlichen regelmäßig vor dem Termin der Versammlung. In Frankfurt, auf Schalke oder in Köln kam es schon zu geschichtsträchtigen Szenen. Die Amtszeit manch eines Vorsitzenden endete schon nach solch einem Abend.

Die Wahl eines Vorstands gehört zu den originären Aufgaben einer Mitgliederversammlung. Im Umkehrschluss ist der Vorstand den Mitgliedern gegenüber Rechenschaft schuldig. Somit wird der Versammlung auch immer eine Überwachungsfunktion zuteil. Zur Überwachung des Vorstands sind in den meisten Vereinen Überwachungs- bzw. Aufsichtsgremien eingerichtet. Im 1. FC Köln ist dieses Gremium der Mitgliederrat, der ebenfalls von den Mitgliedern gewählt wird. Die Ausrichtung des Vereins wird also von den Mitgliedern bestimmt. Natürlich ist damit der Einfluss auf die tägliche Arbeit sinnvollerweise begrenzt. Eine weitere Begrenzung der Mitbestimmung ist die Ausgliederung des Spielbetriebs in eine Kapitalgesellschaft.

Diese Gesellschaft des 1. FC Köln befindet sich zwar aktuell allein im Besitz des Vereins und dementsprechend kommt dem Vorstand auch die Aufgabe der Vertretung der Vereinsinteressen gegenüber der Gesellschaft bzw. der Geschäftsführung zu. Wesentliche Entscheidungen wie die Abberufung des Geschäftsführers kann nur mit Zustimmung des Gemeinsamen Ausschusses getroffen werden. Dieser Ausschuss setzt sich aus Vertretern der verschiedenen Gremien (Vorstand, Mitgliederrat, Aufsichtsrat, Beirat) zusammen und an dieser Stelle wird dann auch der Einfluss eines jedes einzelnen Mitglieds durch seine Wahlentscheidung deutlich.

Doch es gibt auch noch andere Aspekte, die jedem Fan klar machen sollten, warum gar kein Weg vorbei an einer Mitgliedschaft im Verein führt. In der heutigen Zeit bilden die wirtschaftlichen Leistungsdaten oftmals einen sehr guten Indikator für die sportliche Leistungsfähigkeit. Fußballmannschaften als Teil großer Konzerne können beachtliche Erfolge einfahren. Eine Möglichkeit zur Kompensation dieses vermeintlichen Standortnachteils bietet eine große Mitgliedschaft. Besonders Investitionen in die Zukunft, wie die Nachwuchsabteilung, sind durch die Einnahmen der Mitgliedsbeiträge zu tätigen.

Im Kampf um begehrte Sponsoren und die bestmögliche Vermarktung werden Vereine immer austauschbarer. Die Mitglieder können in diesem Zusammenhang durch Kampagnen und Anträge dafür sorgen einen Ausverkauf der Identitäten zu verhindern. In Berlin, Karlsruhe und Stuttgart wurden auf Initiative der Mitglieder die traditionellen Vereinswappen wieder eingeführt. In Dresden wurde auf einer Mitgliederversammlung die Rückkehr zum traditionellen Vereinsnamen beschlossen. Der 1. FC Köln verfügt über eine Trikotkommission, in der Mitglieder über die Trikotgestaltung mitentscheiden. Es gibt also ganz konkrete Möglichkeiten, sich als Mitglied einzubringen und seinen Verein mitzugestalten.