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National

Wie ein Mann RB Leipzig stoppen will

Autor: Aaron Knopp Veröffentlicht: 30. April 2014
Quelle: imago

Sportlich ist RB Leipzig drauf und dran, sich für die 2. Bundesliga zu qualifizieren, finanziell sind die „Roten Bullen“ ohnehin nicht aufzuhalten. Und doch macht sich ein Mann nun auf, den Siegeszug des für viele Fans äußerst anrüchigen Projekts zu stoppen.

In gewisser Weise hat die DFL Armin Lortz vorgegriffen. Auch wenn der aktuell Tabellenzweite der 3. Liga nicht bereit war, sich zum Sachverhalt zu äußern, sickerte durch, dass der erst 2009 gegründete Klub einige Auflagen erfüllen muss, um zum Spielbetrieb der 2. Bundesliga zugelassen zu werden. Unter anderem müssten die Sachsen sich weiter für neue Mitglieder öffnen und das an Geldgeber Red Bull angelehnte Logo ändern. Man ahnt bereits, dass der Klub und sein Mäzen Dietrich Mateschitz die Auflagen möglicherweise zähneknirschend hinnehmen werden. Dass die DFL dem Retortenverein aber den Zutritt zur Bundesliga verweigert, ist kaum vorstellbar, schließlich mischen die Leipziger schon fast eine volle Saison im Profigeschäft mit, wenn auch bislang noch unter dem Dach des DFB.

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Das sei allein der Inkonsequenz des Verbands geschuldet, findet Lortz, der nun auf eigene Faust versucht, dem ungeliebten Emporkömmling Einhalt zu gebieten. Er gibt sich als Urheber einer Petition aus, die immer mehr Unterstützer findet. „Eigentlich dürfte es diesen Klub gar nicht geben“, heißt es zur Begründung. „Jedenfalls dann nicht, wenn sich die Fußballverbände an ihre Regeln halten würden.“ Bereits vor dem ersten Spiel der Vereinsgeschichte etwa habe der Sächsische Fußballverband noch alle Entwürfe des jetzigen Vereinsemblems abgelehnt, weil sie dem Logo des Hauptsponsors zu ähnlich seien. Das ist strenggenommen nicht erlaubt.

Gegen-Petition: Leipzig soll sein Logo behalten, Rauball ist nicht neutral

In den 70ern noch war etwa Waldhof Mannheim zwischenzeitlich unter dem Namen Chio Waldhof Mannheim – genau, der Chipshersteller – aufgelaufen. Wenig später hat der DFB Namens- oder Logoänderungen für werbliche Zwecke, wie sie in Mateschitz‘ österreichischer Heimat gang und gäbe sind, aber untersagt. Auch hier gilt: keine Regel ohne Ausnahme. Bayer Leverkusen oder Carl Zeiss Jena sind als Betriebssportmannschaften oder das, was daraus geworden ist, von der Vorschrift ausgenommen. Lortz findet, dass in der Causa RB Leipzig „wissentlich aus kommerziellem Kalkül gegen bestehende, eindeutige Paragraphen verstoßen wird.“ Und weiter: „Die DFL muss sich hier an geltende Richtlinien halten und dem Verein die Spielberechtigung für Liga eins und zwei verwehren, solange nicht an besagten Missständen nachgebessert wurde. Die 50+1 Regel ist zwingend einzuhalten, wie bei allen Mannschaften der DFL.“ Ein Anliegen, das Tausende teilen. Innerhalb weniger Tage haben bereits über 18.000 Menschen den Antrag unterzeichnet – und es werden fast minütlich mehr. Ob sich DFL-Präsident Reinhard Rauball als Adressat davon allerdings beeindrucken lässt, darf bezweifelt werden.

Gleichzeitig läuft allerdings auch eine Petition, in der sich die Initiatoren dafür stark machen, dass RB Leipzig sein Logo behalten darf und Rauball unterstellen, im Interesse von Borussia Dortmund handeln, wo er gleichzeitig als Präsident fungiert. Er habe schlichtweg Angst um die Vormachtstellung des BVB als zweite Kraft im deutschen Fußball: „Deshalb fordern wir, der DFL-Vorsitzende muss eine neutrale Person sein und in erster Linie: RB Leipzig darf sein Logo behalten!“ Vielleicht beeinflusst das ja Rauball bei seiner Entscheidungsfindung.