Anzeige

National

Widersprüchliche Polizeiaussagen bei Gerichtsverfahren um Hansa-Fan

Autor: Sören Stephan Veröffentlicht: 20. Februar 2015
Quelle: imago

Die Fanhilfe des FC Hansa Rostock berichtet auf ihrer Homepage von einem ungewöhnlichen Gerichtsverfahren, dessen Protagonisten, zwei Polizisten, widersprüchliche Angaben über den Tathergang und zur Person eines bereits im Strafverfahren verurteilten Hansa-Fans machten.

Die Blau-Weiß-Rote Hilfe schildert auf ihre Seite ein Gerichtsverfahren gegen einen Hansa-Anhänger. Der Fall begann im Januar 2014, als ein Hansa-Fan einen Strafbefehl vom Amtsgericht Saarbrücken erhielt. Dieser besagte, dass sich die Staatsanwaltschaft und das Gericht in der Beurteilung einig wären, dass er nach dem Auswärtsspiel am 27. April 2013 in Saarbrücken bei einem Angriff von etwa 40 Saarbrücker- auf circa 15 Hansa-Fans einen nicht ermittelten Saarbrücker geschlagen und getreten habe.

Dem Angeklagten wurde eine Freiheitsstrafe von zehn Monaten auf Bewährung plus 1.000 Euro Geldstrafe aufgedrückt – das alles im Strafbefehlsverfahren, also ohne Gerichtstermin.

Anzeige

Der Anhänger des FCH wollte dieses „Urteil“ nicht akzeptieren, zumal er selbst den Sachverhalt vollkommen anders erlebt hatte. Er erinnerte sich daran, dass der Fahrzeugkonvoi der Hansa-Fans von der Saarbrücker Polizei durch die Stadt geleitet worden sei. Dort sei man am späteren Tatort gelandet, wo bereits Saarbrücker, mit Steinen sowie Baumaterial bewaffnet, auf die ankommenden Rostocker gewartet hätten. Als die Hanseaten ihre Fahrzeuge verließen, seien sie angegriffen worden, wogegen sie sich zur Wehr setzten. Die Polizei sei beim Tathergang nicht eingeschritten, entsinnt sich der FCH-Fan.

In Folge der Auseinandersetzungen wurde kein Saarbrücker, dafür aber mehrere Rostocker festgenommen. Sechs Beamten sollen den Tatvorwurf angeblich bestätigen können. Nach Akteneinsicht der Blau-Weiß-Roten Hilfe kristallisierte sich dagegen heraus, dass gerade einmal ein Beamter dazu etwas hätte sagen können. Der Rostocker entschied sich, Einspruch gegen den Strafbefehl einzulegen.

Am 29. Juli 2014 folgte der erste Gerichtstermin in Saarbrücken. Drei der sechs Polizeibeamten hatten sich wegen Urlaubs entschuldigt. Ein Polizebeamter sagte vor Gericht aus. Nach gründlicher Akteneinsicht im Vorfeld konnte er den Sachverhalt bis ins Detail schildern. Darüberhinaus benannte er weitere Beamte, die Zeugen der Tat gewesen sein sollen. Einer der genannten Beamten wurde noch in die laufende Verhandlung zitiert. Selbstverständlich konnte sich dieser aufgrund der spontanen Ladung nicht genauer mit den Akten beschäftigen und sagte, „wie es die Strafprozessordnung eigentlich vorschreibt: einzig und allein aus der Erinnerung heraus“ aus. Und zur Überraschung der Anwesenden gab es erhebliche Unterschiede seiner Erzählung im Vergleich zu der seines Kollegen. Darüberhinaus konnte er sich nicht einmal mehr an den Angeklagten erinnern, obwohl er eigentlich Haupttäter der vermeintlichen Gewaltaktion der Hansa-Fans am gewesen sein soll.

„Einen Vorschlag des Verteidigers, dass bei einer solchen Lage doch zumindest eine Verurteilung des Angeklagten zweifelhaft wäre und man mit einer Verfahrenseinstellung gegen Auflagen weitere Gerichtstermine vermeiden könnte, zumal es nicht am Angeklagten lag, dass die anderen Zeugen nicht erschienen sind, lehnte die zuständige Richterin brüsk ab und beharrte auf einer Aufklärung des Geschehens bis ins letzte Detail“, heißt es weiter in der Mitteilung der Blau Weiß Roten Hilfe. Das Verfahren wurde auf den 08. Oktober 2014 vertagt, jedoch konnte der Termin seitens des Beschuldigten aufgrund einer Erkrankung nicht wahrgenommen werden. Ein weiterer Termin in diesem Jahr wird folgen. Eine gute Nachricht für den angeklagten Hansa-Fan gibt es: „Die bislang zuständige Richterin ist zum Jahresende 2014 in Pension gegangen. Nun haben wir eine neue und hoffentlich fairere Chance auf eine gerechte Beurteilung des Sachverhaltes.“

Über die Fortsetzung der Verhandlung wird die Blau-Weiß-Rote Hilfe berichten.