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Werder-Ultras äußern sich zum Nordderby

Autor: fanzeit Veröffentlicht: 12. Oktober 2017
Quelle: imago

Zum dritten Mal in Folge verpassten Teile der Bremer Ultraszene aufgrund eines umstrittenen Polizeieinsatzes zuletzt das Auswärts-Derby beim Hamburger SV. Nun melden sich die Ultras selbst zu Wort. 

In einer ausführlichen Mitteilung schildert die Gruppe Infamous Youth, weshalb sich die Bremer Ultras seit 2009 auf alternativen Wegen zum Volksparkstadion begeben. So sei es auf den von der Polizei vorgegeben Anreisewegen wiederholt zu Problemen wie Flaschenwürfen durch HSV-Fans gekommen.

Nach dem Spiel im UEFA-Cup-Halbfinale im Mai 2009 kam es etwa zu einem Angriff auf die Shuttle-Busse, mit denen die Bremer vom S-Bahnhof Othmarschen zum Stadion transportiert wurden. „HSV-Fans entglasten Front- und Seitenscheiben mit Steinen, welche zudem Insass*innen der Busse am Kopf trafen. Es folgten brennende bengalische Fackeln und Böller“, schildern die Ultras die Vorfälle von damals.

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Weil die Hamburger Polizei Vorschläge der Bremer Fans zu alternativen Anreiserouten ignorierte, entschieden sich die Bremer Ultras ab dem darauffolgenden Auswärtsspiel im Dezember 2009 auf eigenen Wegen zum Volksparkstadion zu reisen. Bis zum Spiel im April 2016 funktionierte dies auch – abgesehen von einem Hamburger Angriff auf eine S-Bahn mit Werder-Fans im Novemner 2014 – ohne Probleme.

Bei jener Partie stoppte die Hamburger Polizei die Busse der Bremer Ultras und verpassten das Spiel durch ausgiebige Kontrollen. Ein ähnliches Szenario dann beim darauffolgenden Spiel: Erneut kamen Teile der Bremer Ultras nach stundenlangen Kontrollen nicht im Hamburger Gästeblock an. Zudem beklagen die Ultras „sexualisierte Gewalt gegenüber weiblichen Ultras, sowie Gewaltandrohungen gegenüber vielen weiteren Personen der Reisegruppe“ vonseiten der Polizei. Versuche von Klagen gegen dieses Vorgehen blieben bis heute erfolglos, da „plötzlich keine Polizeidienststelle mehr zuständig sein will und Anwält*innen Probleme damit haben, Einsicht in Polizeiberichte und Akten zu erhalten.“

Die Vorgänge beim letzten Derby stellen für die Ultras jedoch „den vorläufigen Höhepunkt der Entwicklung der letzten 10 Jahre dar.“ Nach den Erfahrungen der vergangenen Spiele entschieden sich die Ultras dieses Mal mit Privatautos nach Hamburg zu reisen und sich auf dem Parkplatz eines Supermarkts in der Nähe des Stadions zu treffen. „Als die ersten Fahrzeuge auf dem gut besuchten Real-Parkplatz im Stadtteil Lurup ankamen und parken wollten, sahen sie bereits Zivilbeamte mit gezogener Waffe und Sturmhaube auf die PKW zu laufen“, schildern die Ultras.

Auch in diesem Jahr war für die 171 Werder-Fans dann schnell klar, „dass Ultras des SV Werder den Gästeblock nicht erreichen werden.“ Der Ankündigung der Polizei, beim nächsten Derby in Hamburg erneut so vorzugehen, sollten die Bremer auf eigenen Wegen anreisen, wollen sich die Ultras nicht beugen. „Wir werden auch in Zukunft nicht die freiheitseinschränkenden und gesundheitsgefährdenden Anreisekonzepte der Hamburger Polizei nutzen und uns auf alternativen Wegen zum Volksparkstadion begeben“, heißt es von Infamous Youth. „Auch wenn diese Art der Anreise aufgrund des massiven Fahndungsdrucks und der Erfahrungen der letzten Jahre konspirativ erfolgen muss, ist sie noch lange nicht illegal.“

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