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Hintergründe

Wer kontrolliert eigentlich die Polizei?

Autor: Aaron Knopp Veröffentlicht: 22. Oktober 2014
Quelle: imago

Es ist mal wieder so weit: Eigentlich sollte das ja nicht an die Öffentlichkeit, aber der Ärger bei der Bundespolizei dürfte schnell verrauchen. Es ist erstklassige PR! Die Bild-Zeitung hat die Zahlen aus einem Dokument der Bundespolizei veröffentlicht. Es geht um Fangewalt und sagt im Springer-Sprech: alles noch viel schlimmer! Eine besseren Multiplikator hätte die Bundespolizei gar nicht finden können.

Welchen Erkenntnisgewinn man daraus ziehen mag, die Zahl von Gewaltdelikten nach Vereinszugehörigkeiten aufzuschlüsseln, sei dahingestellt. Sollte die Stigmatisierung bestimmter Fans dem Ranking ursächlich gewesen sein, darf man wohl gratulieren. Dass sich die Bundespolizei in ihrer 56-seitigen Selbstdiagnose bescheinigt, dass die Gewalt gegen ihre Mitarbeiter erneut rapide angestiegen sei – überrascht eher semi, oder? Der Inhalt des Berichts ist x-fach durchgekaute Hausmannskost: Man packe die Reizworte Einsatzstunden, erschreckend, Gewalt, Hemmschwelle und Unverbesserliche in einen Hochkochtopf, rühre einmal kräftig mit dem Einsatzstock – wohl bekomm’s!

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Die Aussagekraft dieser streng unwissenschaftlichen Erhebungen liegt irgendwo zwischen einer Studie der Macher des StudiVZ über die Sicherheitslücken bei Facebook und der Bekanntmachung der Metzgerinnung: Vegetarier immer öfter kriminell. Eingedenk der Tatsache, dass sich immer mehr Menschen in Deutschland dem Fleischkonsum verweigern, kommt das vermutlich sogar hin. Mit Zahlen lässt sich eben allerlei Schindluder treiben, zumal wenn man sie nicht in Relation setzt, sondern einfach marktschreierisch in die Welt hinausblökt. Wenn dazu noch die Datenerhebung durch dieselben Instanzen ausgeführt wird, denen die Berichte schließlich nutzen sollen, sinkt der Informationsgehalt sogar unter Null. Geifernden Polizeigewerkschaftern mögen sie noch als Assist zum Anstoß der nächsten Gewaltdebatte dienen – mehr ist bei Lichte betrachtet aber nicht dahinter. Zumindest keineswegs verlässlich.

Vielmehr sollte man sich anlässlich der jüngsten Zahlen doch einmal mehr die Frage stellen: Wer kontrolliert eigentlich die Polizei? Fragt man sie selbst, ist die Antwort klar: am liebsten niemand. Gut, einige unverbesserliche Wirrköpfe wie Amnesty International oder der UN-Menschenrechtsausschuss fordern seit geraumer Zeit unabhängige Beschwerdestellen, wie sie etwa in den USA längst üblich sind. Geschenkt! Erfolgreiche Klagen gegen Polizisten sind in Deutschland in der Regel noch immer statistische Ausreißer. Zumeist brauchen sie gar nicht erst am Corpsgeist der Behörden scheitern und auf verschlungenen Dienstwegen versickern – wer nicht weiß, gegen wen er überhaupt klagen muss, hat eben schlechte Karten. Einfach wie einleuchtend wäre eine generelle Kennzeichnungspflicht für Polizisten. Doch dagegen sträuben sich die Beamten bislang erfolgreich. Einen unzumutbaren und ungerechtfertigten Generalverdacht pflegen Gewerkschafter das zu nennen. Ganz so, als müssten Einsatzkräfte künftig ihre private Handynummer auf den Einsatzstock gravieren. Der „Generalverdacht“ wäre in etwa derselbe, dem sich jeder Autofahrer aussetzt, der pflegt, ein Kennzeichen an seine Karre zu pappen.

Solange die polizeilichen Behörden aber nicht willens sind, sich einer Kontrolle zu unterziehen, was bestenfalls auch eine wissenschaftliche Begleitung ihrer „Berichte“ einschließen würde, dürfen wir von der Polizei auch keine „Studien“ erwarten, sondern nurmehr „Berichte“, bessere Strichlisten. Auch die nun durchgesickerten Erhebungen der Bundespolizei sind also nicht viel mehr wert als das Papier, auf dem sie stehen. In digitalem Zeitalter und Printkrise ist das oft nicht mehr besonders viel. Man wäre also gut beraten, diese auch so einzuordnen.

Wussten Sie übrigens: Wissenschaftler sind ideale Sexualpartner für attraktive Frauen. Sagt zumindest der Postillon.