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Hintergründe

FCM vs. HFC: Wer ist die Nummer eins in Sachsen-Anhalt?

Autor: Florian Nussdorfer Veröffentlicht: 15. April 2015
Quelle: imago

Wenn der 1. FC Magdeburg am Mittwochabend den Halleschen FC zum Halbfinale des Landespokals empfängt, werden bis zu 19.000 Zuschauer in der Magdeburger MDCC-Arena erwartet, darunter 2.200 Gästeanhänger. Für die Fans ist es das Spiel des Jahres, denn es geht es um mehr als nur den Finaleinzug – es geht um die Vorherrschaft in Sachsen-Anhalt. Die Geschichte einer Rivalität.

Wie heiß es bei den Spielen zwischen dem Halleschen FC und dem 1. FC Magdeburg hergeht, zeigt das letzte Aufeinandertreffen der beiden Vereine: Als Lars Fuchs für die Magdeburger in der Verlängerung des Landespokalfinals das vorentscheidende 2:0 erzielt, wissen einige HFC-Fans ihrem Frust offenbar keinen anderen Ausdruck zu verleihen, als ihn in Form von Feuerwerkskörpern auf den Rasen zu schießen.

Dabei wird nicht nur ein Polizist verletzt, auch die HFC-Fanszene trägt von der Aktion bleibenden Schaden davon: Weil sich die Ultras der „Saalefront“ nach den Vorfällen weigern, einen Fan-Ethik-Kodex zu unterzeichnen, belegt der Verein die Gruppe mit einem Symbolverbot für alle Heimspiele. Und auch wenn es zuletzt Annäherungen gab, gilt das Verhältnis zwischen dem Verein und Teilen der Fanszene weiterhin als belastet.

Eine junge Rivalität

Doch die Duelle der beiden Mannschaften waren bei weitem nicht immer so brisant. Das liegt vor allem an der klaren Verteilung der Kräfteverhältnisse zu DDR-Zeiten. Dreimal wurden die Magdeburger Meister, siebenmal gewannen sie den FDGB-Pokal. Der absolute Höhepunkt ereignete sich 1974, als der FCM den Europapokal der Pokalsieger holte – das einzige Mal überhaupt, dass eine DDR-Mannschaft einen europäischen Titel gewann. Daher galten die Spiele gegen Magdeburg für die Hallenser vor allem als Spiele gegen einen großen Fußballklub. „Damals hatten wir andere Vereine auf dem Schirm, da waren eher Lok und Chemie Leipzig sowie Union Berlin die Erzrivalen“, sagt Andreas Wolf, Fanbeauftragter des HFC.

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Für eine gesteigerte Rivalität zwischen den Städten sorgte schließlich die Wiedervereinigung Deutschlands. Waren Halle und Magdeburg vor der Wende gleichrangige Bezirkshauptstädte, wurde nun Magdeburg zur Landeshauptstadt Sachsen-Anhalts ernannt, was den Hallensern natürlich überhaupt nicht gefiel. „In Halle werden die Dummen nicht alle“, pflegen die Magdeburger zu sagen. „In Magdeburg an der Elbe – da ist´s genau dasselbe“, erwidern dann die Hallenser.

Jedoch konnte sich diese Städte-Rivalität zunächst nicht auf den Fußball übertragen, da beide Vereine in den 90er Jahren die meiste Zeit durch unterschiedlich tiefe Ligen dümpelten. „Da war natürlich auch das Fanpotenzial nicht vorhanden und dadurch fehlte eben auch die entsprechende Aufmerksamkeit in der Öffentlichkeit“, so Wolf. Das änderte sich erst mit der Saison 2000/2001, als beide Mannschaften in der Oberliga antraten. „Von da an entwickelte sich die Rivalität immer mehr“, sagt der Fanbeautragte. „So wie eine Spirale.“

„Natürliche Feinde“

Für Alexander Schnarr, Betreiber des Blogs NurderFCM.de, ist der Hallesche FC „der natürliche Feind des FCM. Das steckt in der Klub-DNA. Wir sind die größten der Welt und der HFC eben nicht. Da wird man hineingeboren.“ Und auch wenn Andreas Wolf „Feindschaft“ für das falsche Wort hält, empfindet er die Rivalität als durchaus ebenbürtig zu anderen in Deutschland wie denen zwischen Dortmund und Schalke oder 1860 und Bayern München. Auch Schnarr sieht das Spiel in einer ähnlichen Kategorie. „Wenn wir beide ein oder zwei Ligen höher spielen würden, wäre auch die mediale Aufmerksamkeit sicherlich ähnlich“, ist der Blogger überzeugt.

Die Tatsache, dass der Hallsche FC „aus Versehen“, wie Schnarr anmerkt, eine Liga höher spielt als der FCM und sich die beiden Mannschaften zurzeit nur im Pokal begegnen, macht für die Fans jedoch auch einen besonderen Reiz aus: „Da wird es auf jeden Fall nicht langweilig“, findet Wolf. „Wenn das Derby ansteht, wird dann eben alles rausgekramt und alles, was man hat, ins Feld geführt.“

Und tatsächlich geben die Fans beider Mannschaften schon im Vorfeld alles: Während die Saalefront alle Fans dazu aufruft, gemeinsam in roten Farben mit dem Zug in die Landeshauptstadt zu reisen, organisieren die Ultras der Magdeburger Blue Generation gleich drei Fanmärsche, die sich dann am Heumarkt treffen, um die letzten Meter zum Stadion gemeinsam zu bewältigen. Und um schließlich endlich wieder eine Anwort auf die Frage zu bekommen: Wer ist die Nummer eins in Sachsen-Anhalt?