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Hintergründe

Wenn RB Leipzig Deutscher Meister wird, dann…? „…liege ich hoffentlich schon unter der Erde“

Autor: Aaron Knopp Veröffentlicht: 28. Oktober 2014

Markus Krug ist Kapitän des Fußball-Oberligisten Lok Leipzig. Nachdem er beim Derby seines Teams gegen RB Leipzigs U23-Mannschaft in einem „Anti-RB-Shirt“ auflief und seinen Gegenspielern sogar den Handschlag verweigerte, ist er zu einem Vorreiter des Protests gegen den umstrittenen Zweitligisten geworden und bekommt plötzlich virtuelle Schulterklopfer aus ganz Deutschland.

Mit Fanzeit sprach Krug über seine Verbindungen zur Ultra-Szene, was ihn an RB Leipzig stört und sein „Doppelleben“ als Fan und Spieler.

Wie kam es zu der Aktion, also hast Du Dir das T-Shirt selbst besorgt oder sind Fans auf Dich zugekommen und haben es Dir zugesteckt?
Also dazu muss ich erstmal überhaupt einlenken, dass dies keine einmalige Sache mit dem Protest auf meinem T-Shirt war. Dieses Shirt hatte ich bereits seit der Gründung von Rasenballsport 2009 in so ziemlich jedem Spiel gegen dieses Produkt an. Sei es damals in der Oberliga, in der Regionalliga oder im Landespokal gegen deren Erste Männermannschaft oder eben jetzt gegen deren U23-Mannschaft. Von einer Mitläuferaktion kann also nicht die Rede sein. Vor mehreren Jahren hatte ich mir damals das Shirt vor der Begegnung gegen RB von einem Freund von den „Saalefront Ultras“ aus Halle besorgt und dann auch immer im Zentralstadion getragen.

Woher rührt Deine klare Meinung zu RB Leipzig?
Der ganze Kontakt zu der Fußballszene bzw. zu den „Saalefront Ultras“ kam ursprünglich über ein Mitglied der Saalefront während der gemeinsamen Berufsschulzeit. Damals spielte ich noch beim Halleschen FC und habe mich schon sehr für die Fanszene interessiert. Das ging dann soweit, dass ich auch so oft wie es ging in der Fankurve stand. Durch diese Freundschaft wuchs natürlich – durch die Fanfreundschaft – auch mein Interesse an dem 1. FC Lokomotive Leipzig. Da dieses Interesse über die Jahre doch immer „fanatischer“ bei mir wurde, wollte ich aktiv selbst nur noch für den HFC oder Lok Leipzig spielen – da ich mich mit beiden Vereinen zu 100 Prozent identifizieren konnte. Es war dann praktisch so, dass ich die gleiche Denkweise und auch Wertevorstellung vom Fußball wie sämtliche Ultraszenen bzw. Fußballtraditionalisten habe. Bewahrung der traditionellen Werte des Fußballs und so weiter. Dass es ohne Sponsoren im Fußball nicht geht, ist mir auch klar und unumstritten. Im Fußball sollte es aber immer noch vorrangig um den Sport gehen. Dies ist in meinen Augen bei Rasenballsport natürlich nicht der Fall und die Spitze des Eisberges. Hier wurde in meinen Augen ein „Fußballverein“ zu 100 Prozent für Werbung erschaffen, möglichst ohne stimmberechtigte Mitglieder und so weiter – sodass ich mich mit Rasenballsport Leipzig definitiv nicht anfreunden kann.

„Bei Pflichtspielen bin ich dann doch immer sehr emotional aufgeladen – positiv als auch negativ“

Würdest Du selbst Dich also als „Fan“ bezeichnen oder kann man das überhaupt nicht mehr sein, wenn man auf dem Niveau Fußball spielt.
Doch, ich denke in meinem Fall trifft das schon zu. Ich renne in der Freizeit ständig in Lok oder HFC-Klamotten rum bzw. beschäftige mich schon rund um die Uhr mit diesen Vereinen. Bei Pflichtspielen bin ich dann doch immer sehr emotional aufgeladen – positiv als auch negativ. Ich brauche vor Pflichtspielen zumindest keine extra Motivation. Bei Siegen ist dann einfach alles super und bei Niederlagen braucht mich keiner ansprechen. Da siege und verliere ich halt doppelt – weil der Verein eine Herzensangelegenheit ist – man es aber selbst in der Hand hat, das Ergebnis positiv oder negativ zu gestalten. Bei der letzten drohenden Insolvenz vor fast zwei Jahren waren meine Gedanken im Alltag die ganze Zeit nur bei LOK und wie man helfen könnte. Ans Aufhören hatte ich damals trotzdem nicht gedacht und trotzdem meinen Vertrag verlängert – ohne zu wissen, wie und ob es überhaupt richtig weitergeht.

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Wie hat der Verein auf Deine jüngste Protestaktion reagiert?

Von den Lok-Fans gab es natürlich nur positive Reaktionen. Mich haben sehr viele Leute angeschrieben, von sämtlichen Fußballszenen aus ganz Deutschland. Selbst aus Österreich und der Schweiz. Besondere Reaktionen innerhalb des Vereines gab es nicht, meine Mannschaft bzw. auch der Trainer und der Vorstand kennen ja meine Einstellung dazu und wissen, dass ich ein bisschen anders ticke. (lacht)

Im Netz liest man vorwiegend von Fans, die Dich unterstützen. Sicher hast Du aber nicht nur positives Feedback bekommen, oder?
Natürlich hab ich auch Nachrichten von sogenannten RB-Fans bekommen. Aber das juckt mich so was von gar nicht. Ich habe meine Meinung und die lasse ich mir nicht verbieten, die wird sich auch nicht ändern. Da ist jeder einzelne Buchstabe der Nachrichten reine Zeitverschwendung gewesen. Ich habe dies eher belustigt zur Kenntnis genommen.

„Dann soll einfach eine eigenständige Firmenliga geschaffen werden“

Welche Gefahren siehst Du in einem Konstrukt wie RB Leipzig?
Ich sehe dies wie schon gesagt als Spitze des Eisberges. Hier wird ein „Fußballverein“ gegründet, der von Anfang an bis ins kleinste Detail auf die Vermarktung des Energydrink-Herstellers aus ist. Sei es in den Farben oder Logo oder in der Namensgebung. In dieser Dimension ist das bisher einmalig im deutschen Fußball. Jetzt mal übertrieben: Dann soll einfach eine eigenständige Firmenliga geschaffen werden wo die ganzen Firmen mit ihren Firmenmannschaften spielen können und die herkömmlichen Fußballligen mit ihren Fußball- und Traditionsvereinen so bleiben wie sie sind.

Plötzlich bist Du in einer sehr prominenten Rolle, gerade da der Protest gegen RB Leipzig viele Fans beschäftigt, stehst Du plötzlich sehr im Fokus. Kannst Du Dich damit identifizieren oder wolltest Du das alles in der Form vielleicht gar nicht, bzw. wächst Dir das gerade alles über den Kopf.
Ja, man sieht es ja Woche für Woche, dass es Leute gibt, die mit diesem „Verein“ nicht einverstanden sind. Dieser Protest zeigt schon, dass sich die Fußballszenen in wichtigen Belangen einig sind. Und das finde ich auch gut so. Der Slogan „in den Farben getrennt, in der Sache vereint“ trifft voll und ganz zu. Ich würde jetzt nicht sagen, dass ich da besonders im Fokus stehe. Das will ich auch nicht. Wie ich anfangs schon erwähnt habe, hatte ich dieses Shirt ja nun mehrere Jahre bei solchen Partien, bisher immer gegen deren 1. Mannschaft, an. Das war also keine spontane oder Mitläuferaktion. Doch jetzt wurde so ein Hype im Internet damit gemacht. Daher wundert es mich schon. Facebook macht es scheinbar möglich (lacht). Diese Meinung gegenüber RB Leipzig hatte ich bereits von Anfang an, auch als die nur in der Oberliga gespielt haben, und daran wird sich auch nichts ändern.

Vervollständige den Satz: Wenn RB Leipzig Deutscher Meister wird, dann…
… liege ich hoffentlich schon unter der Erde.

Zum Abschluss noch die Bitte um eine ehrliche Antwort: Welche Summe müsste Dir RB bieten, damit Du schwach wirst.
Hier ist keine Summe möglich. Und das ist nicht nur so dahin gesagt. Denn ich habe einen super und sicheren Job und verdiene noch Geld bei einem Verein, der für mich eine Herzensangelegenheit ist und mit dem ich mich zu 1966 Prozent identifiziere. Warum sollte ich dann überhaupt wechseln? Egal wohin. Es gibt eben Sachen, die kann man nicht kaufen! Ich halte als Fußballer sehr viel von Loyalität, Identifikation und Vereinstreue.