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Hintergründe

Weniger Polizei – dafür an den falschen Stellen

Autor: Merlin Olk Veröffentlicht: 27. August 2014
Quelle: mo

Am Samstag fand in Dortmund das erste Bundesligaspiel mit reduzierter Polizeipräsenz statt. Was anfangs nach einer guten und sinnvollen Sache aussah, entpuppte sich in der Halbzeit der Partie zwischen dem BVB und Bayer Leverkusen jedoch als unüberlegte Aktion mit fadem Beigeschmack.

In der Halbzeitpause hat man als Fußballfan meist zu wenig Zeit um alle anstehenden Missionen bis zum Wiederanpfiff zu erledigen. Eine Viertelstunde mag für einen Trainer reichen, um seine Schützlinge daran zu erinnern, dass sie doch eigentlich zum Fußball spielen gekommen waren und damit in der zweiten Hälfte langsam mal anfangen sollten. Doch für den Fan, der sich neben dem Erwerb neuer Getränke noch um sein eigenes Geschäft kümmern muss, sind 15 Minuten äußerst knapp bemessen.

Um sich dem Gedränge in den Toiletten unter der Südtribüne nicht aussetzen zu müssen und somit etwas Zeit zu sparen, gibt es in Dortmund einen „Geheimtipp“ wo man sich ganz entspannt erleichtern kann. So kommt es nicht selten vor, dass man auf dem Weg von der Tribüne auf BVB-Anhänger trifft, die sich gegenseitig auf die Schulter klopfen und sagen: „Gehn´wa an Zaun, woll? – Ja sicher!“ Das besagte Stahlgestell ist schnell zu erreichen, bietet genügend Platz für jedermann und bisher hatte sich auch niemand über die friedlichen Zaungäste beschwert. Anders an diesem Samstag.

Polizeiaufgebot an ungewohnter Stelle

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Bereits von Weitem waren einige Polizeiwagen und die dazugehörigen Beamten zu sehen, die sich heute am alternativen stillen Ort positioniert hatten. „Kehr wat wolln die denn hier“, wunderten sich einige Fans die sich bis zu diesem Zeitpunkt mit der verringerten Präsenz der Polizei sehr zufrieden zeigten. So schön es auch gewesen war, sich an diesem Tag auf dem Weg zum Stadion nicht wie ein Schwerverbrecher unter Beobachtung vorzukommen, so unnötig schien nun das Polizeiaufgebot am beliebten Zaun.

Während die ersten Dortmund-Fans schon beim Anblick der blau-weißen Autos wieder umdrehten um sich an den regulären Toiletten anzustellen, ließen sich andere Anhänger von den ungewohnten Gästen zunächst nicht stören. Was nun folgte würde man im Fußball wohl „gegenseitiges Abtasten“ nennen, denn auf beiden Seiten wusste niemand so richtig mit der Situation umzugehen. Nachdem es erst den Eindruck machte, als könnte man den Zaun trotz Anwesenheit der Polizei wie gewohnt nutzen, entschieden sich die Beamten dann doch einzugreifen.

Konzept der Bundespolizei fehlt der Feinschliff

Ähnlich unerwartet wie zuvor das frühe Tor der Leverkusener, wurden die Fans des BVB von jetzt auf gleich vom Zaun verwiesen. „Sie müssen woanders pinkeln und zwar jetzt sofort“, beendete ein Polizist schließlich die skurril anmutende Situation. Kopfschüttelnd und halb verrichteter Dinge verließen die sichtlich genervten Fußballfans ihren geliebten Zaun und auch die Polizeibeamten schienen über die Richtigkeit ihres Handelns unentschlossen zu sein. „Über Sinn und Unsinn braucht man bei der Polizei nicht mehr zu reden“, sagte eine Polizistin zu einem Fan, der sie zuvor darauf hinwies, dass man hier schon seit Jahren stressfrei seine Notdurft verrichten könne.

Wie schon erwähnt, war es an diesem Samstag in Dortmund aufgrund des verminderten Polizeiaufgebots und den überwiegend friedlichen Fans ein angenehmer Stadionbesuch zum Saisonauftakt. Das Konzept von Innenminister Jäger ist im Ruhrgebiet gut aufgenommen worden und hat an vielen Stellen gut funktioniert. Vielleicht wäre es jedoch ratsam, wenn er sich mal 15 Minuten Zeit nimmt um seinen Schützlingen zu sagen, dass man doch eigentlich zu einem Fußballspiel gekommen war und in Zukunft auch langsam mal damit anfangen kann, sich dementsprechend zu verhalten.

mo