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National

Weniger Gästefans – weniger Konflikte?

Autor: Florian Nussdorfer Veröffentlicht: 26. Juni 2015
Quelle: imago

Dass Politiker und Polizeigewerkschafter in schöner Regelmäßigkeit nach schärferen Sicherheitsmaßnahmen bei Fußballspielen krähen, ist mittlerweile nichts Neues. Neu hingegen ist, dass diese Maßnahmen auf der Innenministerkonferenz nun offenbar auch ziemlich ernsthaft diskutiert werden. Damit offenbaren die Innenminister jedoch vor allem eines: Ziemlich große Ahnungslosigkeit. Ein Kommentar.

Geht es nach den Innenministern sollen künftig weniger Gästetickets und weniger Bier bei sogenannten Hochrisikospielen dafür sorgen, dass alles friedlich bleibt. „Weniger Gästefans – weniger Konflikte“, so die simple Rechnung von Nordrhein-Westfalens Innenminister Ralf Jäger (SPD). Mit dieser macht es sich Jäger jedoch deutlich zu einfach. Oder glaubt er ernsthaft, mit dieser Maßnahme eben jene Personen auszuschließen, die beispielsweise in Gladbach den Platz stürmten? Nein, diejenigen die dann ausgeschlossen werden, sind die „ganz normalen“ Fans, zu denen Jäger sich selbst doch so gerne zählt.

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Auch das angedrohte Alkoholverbot ist ziemlich kurz gedacht. Nicht nur, dass es in manchen Gästeblöcken schon jetzt nur alkoholfreies Bier gibt, die Vorstellung, dass sich potenzielle Gewalttäter mit Bier zum Preis von vier Euro pro Becher regelrecht in Rage trinken, wirkt doch ziemlich absurd.

Zudem ignorieren die Innenminister mit ihren Forderungen, dass die meisten Gewalttaten ohnehin vor den Stadiontoren geschehen. Anstatt ihre Energie mit der Ausarbeitung solch populistischer Maßnahmen zu verschwenden, sollten die Politiker lieber im Einzelfall in Zusammenarbeit mit der Polizei und – vor allem – mit Fanvertretern an vernünftigen Anreisekonzepten arbeiten.

Mit kurz gedachten Forderungen wie den aktuellen, zeigen Ralf Jäger und seine Amtskollegen hingegen vor allem, dass sie Fußballspiele für gewöhnlich gemütlich aus ihren VIP-Logen heraus verfolgen. Wären sie mal auswärts dabei, wüssten sie vielleicht, dass ihre neuesten Pläne nicht der Weisheit letzter Schluss sein können.