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National

Weil er ein „ACAB“-T-Shirt trug: RWE-Fan verurteilt

Autor: Aaron Knopp Veröffentlicht: 23. Juni 2014
Quelle: imago

Polizei und Justiz macht mit ihren Bestrebungen, das Tragen der „A.C.A.B“-Parole zur Anzeige zu bringen und zu sanktionieren, offenbar Ernst. Das Amtsgericht Soest hat einen 31-jährigen Fan des Drittligisten Rot-Weiß Erfurt nun zu einer Geldstrafe von 20 Tagessätzen à 20 Euro verurteilt.

Der Verurteilte soll beim Auswärtsspiel seines Vereins beim MSV Duisburg im vergangenen Februar ein „auffälliges“ und „provozierendes“ T-Shirt mit der Aufschrift „A.C.A.B“ (Kurz für: „All Cops Are Bastards“) getragen und einem 34 Jahre alten Bundespolizisten präsentiert haben. Die Beamten beschlagnahmten das T-Shirt und zeigten den Fan wegen Beleidigung an. Zwar berief sich der Beschuldigte vor Gericht auf das Recht auf freie Meinungsäußerung und darauf, dass das T-Shirt frei käuflich zu erwerben sei – für das Amtsgericht spielte das in diesem Fall jedoch offenbar keine große Rolle.

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Allein die Tatsache, dass der Bundespolizeidirektion Sankt Augustin dieses Urteil eine eigene Meldung wert ist, lässt erahnen, dass sich die Praxis im Umgang mit der Parole wohl dauerhaft verschärfen könnte. Zur Erläuterung kommentierte die Dienststelle wie folgt:  „A.C.A.B.“ All Cops Are Bastards steht für eine Geisteshaltung, die nicht mit den gesellschaftlichen Normen übereinstimmt. Die Bezeichnung Cops als Bastard ist sowohl in der englischen, wie auch in der deutschen Sprache objektiv ehrverletzend und trägt dazu bei, das Bild der Polizei in der Öffentlichkeit negativ zu beeinflussen. Mit dem Tragen der Buchstabenkombination „A.C.A.B.“ bringt der Beschuldigte seine Abneigung gegenüber den eingesetzten Polizeivollzugsbeamten, sowie allen Angehörigen des Polizeivollzugsdienstes zum Ausdruck.“

Fanzeit sprach bereits mit Matthias Düllberg, Fachanwalt für Strafrecht aus Bochum und Betreiber der Seite „Strafrecht am Spieltag“ über die juristische Relevanz des Tragens der Kürzel „ACAB“ oder „1312“. Auch dieses Urteil trägt aber kaum zur Klärung der schwammigen Gesetzeslage bei.