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National

Was steckt hinter „Hooligans gegen Salafisten“?

Autor: Aaron Knopp Veröffentlicht: 22. September 2014
Quelle: Jeronimo Ort

Hooligans gegen Salafisten – was klingt wie der Titel eines B-Movies hat möglicherweise das Potenzial, sich zu einer Bewegung auszuwachsen. Am Sonntag haben sich rund 80 Personen in der Essener Innenstadt versammelt. Offensichtlich ein Kennenlerntreffen. Das dürfte auch nötig gewesen sein. Immerhin schlossen sich für die Aktion Anhänger unterschiedlicher, zum Teil sogar rivalisierender Vereine zusammen, um gegen Salafisten zu demonstrieren. Inzwischen ist das kein Einzelfall mehr.

In Mannheim wurden bereits vor Monaten Hooligans verschiedener Vereine auf einer Salafisten-Kundgebung aktiv (Fanzeit berichtete). Seither köchelt das Thema vor sich hin. Seit wenigen Wochen versucht sich die Interessengemeinschaft nun offenbar verstärkt über Facebook zu organisieren. Die Seite „Hooligans gegen Salafisten“ fand innerhalb kurzer Zeit Zehntausende Fans, wurde jedoch offenbar von anderen Nutzern gemeldet und schließlich entfernt.

Inzwischen haben sich die Teilnehmer, die sich nicht ausschließlich aus Hooligans rekrutieren aber natürlich längst auf neuen Seiten wie „Deutschland gegen Salafisten“ oder Ho.Ge.Sa. zusammengeschlossen. Dort planen die Veranstalter auch halböffentlich ihre Treffen. Ein Weiteres in Nürnberg fiel jedoch weniger aufsehenerregend aus, als der Auftritt in Essen.

 

 

Die Polizei Essen hatte zwar zuvor einen Hinweis bekommen und war auf den Auftritt der Gruppe vorbereitet, über die Hintergründe des Treffens herrschte aber zunächst Unklarheit. Auf das Eintreffen einer gegnerischen Hooligan-Fraktion warteten die Beamten bis zuletzt vergeblich.

In einem Video-Interview äußern sich die Teilnehmer allerdings recht offen über ihre Motive. Es gehe darum, für den Rechtsstaat einzutreten und den ihrer Meinung nach immer mehr an Einfluss gewinnenden ultra-konservativen Salafisten Einhalt zu gebieten. „In 20 Jahren ist das Ding durch. Wenn wir nichts machen, macht keiner was. Und dann sind wir alle nur noch vermummt“, sagt ein Teilnehmer der Demo im Video-Interview. Aussagen, die in jedem NPD-Ortsverein Applaus ernten würden.

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Die Teilnehmer legen nach außen hin jedoch großen Wert darauf, nicht als Rechtsextreme abgestempelt zu werden.  Gegenüber der WAZ berichtete eine der weiblichen Teilnehmerinnen des Happenings sogar davon, dass sogar Muslime an der Demonstration teilgenommen hätten. „Aber die sind schon vorher gegangen.“

Spätestens im Netz ergehen sich die meisten dann aber in üblicher Rechts-Rhetorik. Auf den Facebook-Seiten werden Hetz-Parolen mit dazugehöriger Symbolik und eindeutig rechten Inhalten geteilt. Vor Wochenfrist traf sich eine Gruppe unter demselben Arbeitstitel wie zuletzt in Köln. Das dazugehörige Bildmaterial verbreitet die German Defence League.

 

 

Auch ein Grüppchen, das mit Rechtsextremismus so gar nichts an der Pickelhaube haben möchte, gleichzeitig aber munter gegen Linke und Muslime hetzt oder die „Genderisierung der Gesellschaft in allen Lebensbereichen“ ablehnt. Ganz offenbar ist es beiden Gruppen gemein, nicht mit allzu offensichtlicher Nazi-Symbolik zu verschrecken und sich so Unterstützung aus der Bürgerschaft zu erhoffen.

Mit dem ersten Treffen ist es jedenfalls nicht getan. In Nürnberg und Essen sind die nächsten Meetings bereits in vier Wochen avisiert. Da die Bewegung deutschlandweit arbeitet, dürften sich die Auftritte in den nächsten Wochen häufen.