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Hintergründe

Warum die „Kein Zwanni“-Aktion ein großer Erfolg war

Autor: Florian Nussdorfer Veröffentlicht: 10. Februar 2016
Quelle: imago

Der Protest der BVB-Fans gegen die Ticketpreise beim VfB Stuttgart bringt dem Kampf für fangerechte Eintrittspreise ein enormes Maß an Aufmerksamkeit. Das ist ein großer Erfolg. Gleichzeitig offenbart er aber auch die Probleme der „Kein Zwanni“-Kampagne. Ein Kommentar.

Natürlich wird der spaßbefreite DFB Borussia Dortmund zu einer Geldstrafe verurteilen, weil in der 25. Spielminute massenhaft Spielgeräte einer Sportart mit weitaus emotionsärmerem Publikum aufs Spielfeld flogen. Natürlich wird kein Vereinsverantwortlicher, weder beim VfB Stuttgart noch anderswo, aufgrund dieser Aktion die Ticketpreise unverzüglich reduzieren. Wer jedoch den BVB-Fans unterstellt, diese Kausalität hervorrufen zu wollen, der glaubt auch, dass die Tennisbälle gestern über den Platz sprangen, weil Frösche drin saßen.

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Das Ziel des Boykotts und der Ballaktion war die größtmögliche Aufmerksamkeit dafür, dass der VfB Stuttgart Preise für ein Pokal-Viertelfinale aufruft, die nicht nur bei den Gästefans für Bauchschmerzen sorgten, sondern auch viele eigene Fans vom Stadionbesuch abschreckten. Bereits vor dem Spiel hatte die Kampagne einen ersten Erfolg erzielt, als sich Westfalen und Schwaben öffentlich über die Preisgestaltung zankten. Mit einem zumindest teilweise leeren Gästeblock haben die BVB-Fans während des Spiels ein gut sichtbares Zeichen gesetzt. Mit ihren Tennisbällen haben sie den Ablauf des Hochglanz-Events „DFB-Pokal-Viertelfinale“ auf kreative Weise gestört und so auf ihr Anliegen aufmerksam gemacht. Dass am Tag danach Fans und Medien ernsthaft darüber diskutieren, ob die Borussen auch wirklich volle 20 Minuten vor dem Block ausharrten oder ob das Werfen der Bälle nicht doch ein Eigentor gewesen sei, weil man so etwas nun einmal nicht macht, kann nur im Sinne der Sache sein.

Wenn man ein Haar in der Suppe des gestrigen Protest finden will, so war dies sicherlich die Reaktion der Stuttgarter Anhänger, die das Betreten des Gästeblocks durch die Dortmunder mit Pfiffen und „Scheiß BVB“-Gesängen begleiteten. Anstatt sich in der Sache, die ja auch die VfB-Fans betrifft, zu vereinen, überwog offenbar die Trennung in den Farben. Wohl unbestritten, dass dabei noch persönliche Animositäten aufgrund eigener Fahnen in fremden Händen beim letzten Aufeinandertreffen eine Rolle spielten. Dass jedoch selbst der Kampf gegen hohe Eintrittspreise diese Spielchen nicht zu überwinden vermag ist schade.

Es zeigt aber auch, dass die „Kein Zwanni“-Kampagne immer noch vor allem als Kampagne von BVB-Fans wahrgenommen wird. Nun haben diese aufgrund der Entwicklung ihrer Mannschaft in den letzten Jahren unbestreitbar auch mehr unter erhöhten Preisen durch Topspielzuschläge zu leiden als etwa Fans des FC Augsburg. Dennoch könnte es der Initiative gut tun, sich etwas vom Einfluss der Schwarz-Gelben zu lösen und sich auf breitere, bundesweite Beine zu stellen.