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National

Vereine gegen Rechts: BVB-Video setzt Zeichen

Autor: norman.marks Veröffentlicht: 23. Mai 2014
Quelle: imago

Im Rahmen der Initiative „Borussia verbindet. Gemeinsam gegen Rassismus“ veröffentlicht Borussia Dortmund ein Satirevideo und setzt damit ein deutliches Zeichen gegen Nazis im Fußball. Dass ein Verein selbst aktiv wird, ist allerdings die Ausnahme.

In dem gut einminütigen Video versucht eine Horde Bilderbuch-Neonazis auf matschig-braunem Grund ein Fußballspiel zu initiieren. Unter animalischem Gebrüll, überhartem Körpereinsatz und bemitleidenswerter Orientierungslosigkeit kommt dabei allerdings nicht mehr als die Zerstörung von Mensch und Material zustande. Am Ende des Videos wird festgestellt: „Fußball und Nazis passen einfach nicht zusammen“.

 

 

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Nach wiederholten Vorwürfen in Richtung des Vereins, seine auffällig hohe Anzahl an rechtsgesinnten Anhängern nicht in den Griff zu bekommen, hat der BVB nun also medienwirksam reagiert. Derart klare Bekenntnisse gegen Rechts von Seiten deutscher Profifußballvereine sind aber keine Selbstverständlichkeit. Fan-Initiativen finden sich beinahe überall und werden auch nicht selten mit Wohlwollen begrüßt. Auch die Bemühungen der Verbände, Rassismus entgegenzuwirken, werden unterstützt und Maßnahmen umgesetzt. Dass eine Vereinsführung aber selbst Ressourcen für dieses Thema aufbringt, ist eher die Ausnahme.

Bekenntnisse von Vereinsseite gehen meist aus der Satzung hervor. In §1 wird in der Regel entweder auf eine generell unpolitische Haltung hingewiesen oder wesentlich konkreter erläutert, dass allen Menschen, unabhängig von Herkunft, Geschlecht, Sexualität oder sozialer Stellung eine sportliche Heimat geboten werden soll. Beim FC Schalke 04 heißt es darüber hinaus in §4.4, dass: „bei unehrenhaftem Verhalten innerhalb oder außerhalb des Vereins, insbesondere durch Kundgabe rassistischer oder ausländerfeindlicher Gesinnung“ ein Ende der Mitgliedschaft erfolgt. Eine Deutlichkeit, wie sie nicht einmal in der Satzung des FC St. Pauli zu finden ist. Und keine leeren Worte, erst vor kurzem wurde ein auffällig gewordenes Mitglied vom Vereinsleben ausgeschlossen. Im Schalker Leitbildfilm wird ebenfalls für Toleranz und Vielfältigkeit geworben.

 

 

Die dargestellten Nazis im Video des BVB entsprechen wunderbar den Klischees vergangener Tage, was die audiovisuell vermittelte Botschaft natürlich unterstreicht. Eine klare Aussage und ein wichtiger Schritt, auf den aber entsprechende Fanarbeit an der Basis folgen muss. Es bleibt zu hoffen, dass auch der moderne Neonazi, der sich nicht so leicht identifizieren lässt wie noch zu Zeiten, als Bomberjacke und Springerstiefel Hochkonjunktur hatten, erkannt und verbannt wird. Erkannt vom Zuschauer, der im gleichen Block steht, verbannt vom Verein, der die Verantwortung übernimmt.