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National

„Unsere Kurve“ denkt über erneuten „12:12-Protest“ nach

Autor: Aaron Knopp Veröffentlicht: 16. Februar 2015
Quelle: imago

Die Interessengemeinschaft „Unsere Kurve“ hat sich zu Christian Seiferts Vorstoß geäußert, als Reaktion auf den neuen TV-Vertrag in England notfalls auch unpopuläre Maßnahmen zu ergreifen. Sollte der DFL-Geschäftsführers mit einer weiteren Aufsplittung der Spieltage den derzeitigen „Status Quo“ für die Fans weiter verschlechtern, will die Gruppe notfalls sogar einen liga- und vereinsübergreifenden Protest ähnlich der Aktion 12:12 anregen.

„Der aktuelle Stand ist für Fußballfans bereits eine absolute Zumutung. Die Planung von Spielbesuchen aufgrund später Terminierungen und frühen oder zu späten Anstoßzeiten ist langfristig nicht möglich und damit fanunfreundlich“, sagt Robert Pohl, Sprecher der IG Unsere Kurve. Der Stadionbesucher dürfe im Vergleich zum Fernsehzuschauer definitiv nicht noch schlechter gestellt werden.

Zudem bereitet der IG „Unsere Kurve“ auch die Verteilung der Gelder Sorge. Die Summe von 6,9 Milliarden Euro, die sich die englischen Sender die TV-Rechte kosten lassen, sei rational nicht mehr zu bewerten. Das ganze System würde irgendwann vor dem Zusammenbruch stehen, sollten diese Gelder plötzlich nicht mehr fließen. Zudem würde die Schere zwischen international spielenden Klubs und dem Rest der Vereine immer weiter auseinandergehen. „Dabei hilft viel mehr Geld nicht unbedingt, den Wettbewerb attraktiver zu machen. Er muss in erster Linie ausgeglichen sein, um die Spannung zu erhalten. Die Bundesliga sollte sich erst einmal darüber Gedanken machen, wie sie in Deutschland den Spannungsbogen aufrecht erhält, bevor sie sich um die Konkurrenzfähigkeit in Europa sorgt“, erklärt „Unsere Kurve“ in einer Stellungnahme.

Denkbar wäre sogar ein Protest ähnlich der Aktion „12:12“. Im Vorfeld des 12. Dezembers 2012 hatten Fans in ganz Deutschland zu Beginn der Spiele für 12 Minuten und 12 Sekunden geschwiegen, um gegen ein neues Sicherheitspapier der DFL zu protestieren. Die Aktion fand konnte das Papier zwar nicht kippen, fand aber immerhin große Beachtung und wurde gemeinhin als eine der aufsehenerregendsten Fanaktionen in Deutschland überhaupt bewertet.

 

Nachfolgend die Stellungnahme der IG Unsere Kurve im Wortlaut:

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DFL-Geschäftsführer Christian Seifert hat angekündigt, unpopuläre Maßnahmen in Betracht zu ziehen, um die Konkurrenzfähigkeit des deutschen Fußballs im Vergleich zum englischen Fußball zu erhalten. Anlass für diese Aussagen ist der Abschluss eines neuen TV-Vertrages für die englische Premier League in Höhe von 6,9 Milliarden Euro. Neben Christian Seifert äußerten sich auch andere Fuballfunktionäre bereits zu möglichen neuen Anstoßzeiten und einer weiteren Aufsplittung von Spieltagen.

Die IG Unsere Kurve lehnt jede weitere Aufsplittung von Spieltagen entschieden ab und appelliert an die Verantwortlichen, eine mögliche Neuordnung der Spieltage und Ansetzung genau zu überdenken.

„Der aktuelle Stand ist für Fußballfans bereits eine absolute Zumutung. Die Planung von Spielbesuchen aufgrund später Terminierungen und frühen oder zu späten Anstoßzeiten ist langfristig nicht möglich und damit fanunfreundlich“, sagt Robert Pohl, Sprecher der IG Unsere Kurve. „Das gilt für Auswärtsspiele mit mehr Planungsaufwand für Urlaub, An- und Abreisereise und notwendigen Übernachtungen als auch für Heimspiele, denn viele Vereine verfügen über ein großes Einzugsgebiet, so dass Fans längere Anreisewege haben“. Anstoßzeiten müssen es möglich machen, innerhalb eines Tages, an- und wieder abzureisen. „Alles andere ist nicht fanfreundlich. Der Stadionbesucher darf im Vergleich zum Fernsehzuschauer definitiv nicht noch schlechter gestellt werden“, so Pohl weiter.

Die Summe von 6,9 Milliarden Euro für die TV-Rechte in England sind genau genommen nicht mehr rational zu bewerten. Das ist unvorstellbar viel Geld und es muss die Frage erlaubt sein, wohin die finanzielle Spirale sich noch drehen soll? „Wir hegen starke Zweifel, ob das dauerhaft gut für den Fußball ist, wenn sich alles nur noch um Geld dreht und der sportliche Wettkampf über finanzielle Möglichkeiten definiert wird. Man muss vor allem aufpassen, dass Vereine mit diesen TV-Geldern ordentlich wirtschaften und sich nicht davon abhängig machen, genau wie von Investoren“, fordert Robert Pohl.

Fließen irgendwann aus diesen Quellen keine Mittel mehr, steht das ganze System vor dem Zusammenbruch. Zahlreiche Beispiele in den großen europäischen Spielklassen, auch in Deutschland, sollten eine Warnung sein, finanzielle Investitionen genau zu überprüfen und nicht als ausschließliche Lösung für besseren Wettbewerb anzusehen. Letztendlich wird der Fan in England die Zeche zahlen, wenn er weiter seinem Interesse am Fußball nachgehen möchte, denn die TV-Sender müssen ihre Investition irgendwie refinanzieren. Neben hohen Eintrittspreisen bezahlt der Zuschauer dann auch noch hohe Gebühren dafür, dass er ein Spiel seines Lieblingsvereins wenigstens im Fernsehen anschauen kann.

Die Vertreter der IG Unsere Kurve sehen die Gefahr darin, dass ein Wettrüsten beginnt und sich der Erfolg nur noch über finanzielle Mittel definiert, die Schere zwischen international spielenden Vereinen und dem Rest größer wird. Dabei hilft viel mehr Geld nicht unbedingt, den Wettbewerb attraktiver zu machen. Er muss in erster Linie ausgeglichen sein, um die Spannung zu erhalten. Die Bundesliga sollte sich erst einmal darüber Gedanken machen, wie sie in Deutschland den Spannungsbogen aufrecht erhält, bevor sie sich um die Konkurrenzfähigkeit in Europa sorgt.

Wenn sich abzeichnet, dass die unpopulären Überlegungen über Anstoßzeiten und Spieltagsplanung in eine Richtung gehen, den derzeitigen Status Quo für den Fan weiter zu verschlechtern und keine ernsthaften Angebote der Verantwortlichen für Dialog und Mitbestimmung von Fans in dieser Sache erfolgen, ist es möglich, auf breiter Basis wieder einen Protest zu führen, wie wir ihn von der Kampagne 12:12 kennen.