Anzeige

Hintergründe

Ungleich und umstritten: Bochums Freundschaft mit dem FC Bayern

Autor: Moritz Gutscher Veröffentlicht: 22. Januar 2015
Quelle: imago

Wenn am Freitag der VfL aus Bochum im Freundschaftsspiel auf den FC Bayern München trifft, prallen Welten aufeinander. Rekordmeisterliches „Mia san mia“ ist zu Gast bei der Fahrstuhlmannschaft im Pott. Trotz – oder gerade wegen – der unterschiedlichen Klubprofile existiert allerdings eine langjährige Freundschaft. Warum eigentlich?

Es ist zweifellos nicht des Bochumers liebstes Thema. Viele schauen betreten zu Boden, wenn es um die umstrittene Fanfreundschaft geht, so richtig erklären mag oder kann es kaum jemand. Mit den erfolgsverwöhnten Süddeutschen wollen viele nichts zu tun haben, auch die vielzitierte Malocher-Mentalität passt für sie nicht wirklich zum Stern des Südens. Doch obwohl die komplizierte Beziehung so viele Kritiker in beiden Lagern hat, ist sie doch eine der bekanntesten Fanfreundschaften der Republik.

Der Bochumer Autor und Filmemacher Ben Redelings beschreibt in seinem Scudetto-Blog den vermutlichen Ursprung der ungleichen Partnerschaft. Demnach sollen im Jahr 1973 einige Bayernfans auf der Castroper Str. angegangen und verfolgt worden sein. Mitglieder der „Bochumer Jungen“ griffen ein, danach trank man gemeinsam. An diesem Abend sollen neben einigen privaten Freundschaften auch die spezielle Beziehung zwischen München und Bochum entstanden sein. Sogar ein blau-roter Freundschaftsschal wurde von vielen gekauft.

Umstritten blieb die Sache immer, in Bochum wie in München. Wie konnte sich ausgerechnet diese Beziehung so lange halten? Redelings schreibt dazu: „Fanfreundschaften sind ein Spiegelbild des realen Lebens. Nicht immer gelingt es, die richtigen Kontakte zu knüpfen. Manchmal gerät man auch in Kreise, vor denen einen die Eltern immer beschützen wollten.“

Anzeige

Ein wenig Trotz mag auch dabei sein. Der VfL ist zwar keine graue Maus, die größte Aufmerksamkeit im Ruhrgebiet erhalten jedoch andere: Borussia Dortmund und Schalke 04 ziehen deutlich mehr Fans an, sind deutlich präsenter in den Medien. Und beide sind auf die Münchener nicht gut zu sprechen. Dass die Freundschaft zum FCB in Bochum im fünften Jahr der Zweitklassigkeit eine Art zweiten Frühling erlebt, kann durchaus als kleine Spitze gegen die ungeliebten Nachbarn gedeutet werden.

 

Im Laufe der Jahre trennten sich die Wege größtenteils, auch wenn der Mythos um die Beziehung zwischen Ost- und Südkurve weiterlebte. Herbert Grönemeyer sprach 2010 von einer „sehr engen Freundschaft zwischen dem VfL Bochum und den Bayern.“ Der FCB platzierte dieses Zitat öffentlichkeitswirksam auf seiner Website. Zuletzt haben vor allem Schickeria und Bochumer Ultras die Freundschaft gepflegt, Banner und Schals sind in den Kurven präsent. Bei dem anstehenden Freundschaftsspiel am 23. Januar im rewirpowerStadion kann man die Neuauflage der Schals kaufen und nach Abpfiff wird gemeinsam in der der Stadt gefeiert.

moG