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National

Und schon wieder keine Stimmung, DFB

Autor: Lukas Schäfer Veröffentlicht: 11. Juni 2015
Quelle: imago

Mach ihn, mach ihn, er macht ihn! Das Tor von Mario Götze im Finale der Fußballweltmeisterschaft ließ ganz Deutschland jubeln. Endlich hatte die Nationalmannschaft den vierten, lang ersehnten Titel. Doch die EM-Euphorie der Fans ist schneller verflogen als erwartet. 

Die 1:2-Niederlage gegen die USA am Mittwochabend fügte sich nahtlos ins Bild. Vergleichsweise maue 9,41 Millionen Zuschauer verfolgten das Testspiel am TV. Ein Marktanteil von 32,8 Prozent. Für die meisten Formate eine Traumquote, aber für die „Die Mannschaft“ gelten andere Maßstäbe. Die Stimmung in Köln zudem eher lustlos als leidenschaftlich, was sich gleichsam auf die sportliche Abteilung übertragen lässt. Die Gründe mögen vielfältig sein, im Ergebnis ist aber festzustellen, dass das Team von Bundestrainer Joachim Löw nicht die Dominanz eines Weltmeisters ausstrahlt.

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Für Weltmeister ist es nie leicht, sich nach dem großen Triumph an das neue Gefühl zu gewöhnen und die Erfolge fortzusetzen. Die Fans freuten sich auf den Beginn der Qualifikationsspiele zur EM 2016. Doch einen kleinen Dämpfer erfuhr die Weltmeistereuphorie schon, bevor das erste Spiel der Deutschen Nationalmannschaft angepfiffen wurde. Zum ersten Mal werden die Quali-Spiele nicht von den öffentlich-rechtlichen Sendern übertragen, sondern vom Kölner Privatsender RTL. Der Einschaltquote tat dies in den ersten Spielen keinen Abbruch: 10 Millionen Zuschauer verfolgten laut Quotenmeter das erste Spiel der Nationalmannschaft. Dieser Wert wurde in den nächsten Spielen noch gesteigert. Doch was den Unmut der Fans erweckte war die Art und Weise der Übertragung. Nach der Partie gegen Schottland übertrug der Privatsender ein Interview mit Bundestrainer Löw in zwei Teilen. Bevor der zweite Teil ausgestrahlt wurde, zeigte RTL eine Werbeunterbrechung. In dieser Zeit wurde der zweite Teil des Interviews aufgezeichnet und nach der Werbepause als Live-Interview ausgegeben.

Pfiffe gegen den Weltmeister

Der Auftakt in die Qualifikationsspiele begann für die Nationalmannschaft alles andere als geplant. Dabei wurden Mannschaften wie Schottland, Polen, Irland und Gibraltar für einen Weltmeister eigentlich nicht als eine große Herausforderung angesehen. Nach der 0:2-Niederlage gegen Polen und dem 1:1 gegen Irland schien der WM-Erfolg bereits in weite Ferne gerückt zu sein. Noch nie war eine Deutsche Nationalmannschaft so schlecht in die Qualifikation eines großen Turniers gestartet. Immerhin, gegen Gibraltar sollte der schlechte Start in die Quali und die Torstatistik von 3:4 Treffern wettgemacht werden. Nicht wenige Fans erhofften sich ein zweistelliges Ergebnis gegen den krassen Außenseiter. Doch der 4:0-Sieg fühlte sich eher wie eine Niederlage an. Selbst der Gegner sprach von einer unvergesslichen Partie. Erste Pfiffe ertönten.

Eine neue Art von Fans: Der „Weltmeister-Fan“

Wie schon nach den vergangenen WM-Turnieren wurden Klagen der Fans laut, dass Länderspiele der Deutschen Nationalmannschaft einen zu starken Event-Charakter hätten. Viele „echte“ Fußballfans würden keine Karten bekommen, weil immer mehr Familien ins Stadion gehen würden, die ein Spiel als Erlebnis und nicht unbedingt als Fußballspiel ansehen, so die Vorwürfe vieler Anhänger. Darunter würde auch die Stimmung leiden. Keine neue Entwicklung, die natürlich angesichts der sportlichen Erfolge zuletzt in den Hintergrund gerückt war.

Am Wochenende steht bereits das nächste Qualifikationsspiel an. Deutschland muss zunächst nach Gibraltar und hat dann ein Heimspiel gegen Polen. Obwohl man ein Auswärtssieg voraussetzen darf, könnte es durchaus sein, dass nach den enttäuschenden Leistungen der Nationalmannschaft wieder deutlich weniger „Weltmeister-Fans“ und mehr „echte“ Fußballfans die Reise nach Gibraltar antreten werden. Die WM-Euphorie hat bereits spürbar nachgelassen.