Anzeige

National

Ultras werden für rechtswidrigen Gewahrsam entschädigt

Autor: fanzeit Veröffentlicht: 17. März 2016
Quelle: imago

Die Mühlen der Justiz mahlen langsam, doch sie mahlen: Weil sie vor dem Spiel des FC Bayern München gegen den 1. FC Nürnberg im Oktober 2011 von der Polizei ungerechtfertigt in Gewahrsam genommen worden waren, erhalten nun fast 50 Ultras des 1. FC Nürnberg eine Entschädigung. 

Wie die Rot-Schwarze Hilfe auf ihrer Website berichtet, beläuft sich die Summe auf 185 Euro pro Person. Zudem sollen entsprechende Einträge in der Datei „Gewalttäter Sport“ gelöscht werden.

Anzeige

Vor dem besagten Spiel sollen sich befreundete Ultras der Gruppen „Banda di Amici“ sowie „Cosa Nostra 1860“ in der Nähe des Lokals der Münchner „Schickeria“ getroffen haben. Die Polizei nahm die Fans dann an der Münchner Arena in Gewahrsam, weil sie teilweise vermummt und mit Fahnenstangen in den Händen Bayern-Fans provoziert hätten. Erst weit nach dem Spiel wurden die 85 Fans wieder frei gelassen.

Die Beschwerde eines der Ultras gegen diese Maßnahme hatte das Amtsgericht München zunächst noch abgewiesen. Das Landgericht München I gab dem Fan im Juni letzten Jahres jedoch Recht. „Eine individuelle Prüfung, ob von den betroffenen Personen eine Gefahr ausging, fand zu keinem Zeitpunkt statt. Außerdem befand sich auch keine verfeindete Gruppe in der Nähe und es sei nicht nachvollziehbar, wie dieses Gewahrsam gerechtfertigt werden sollte“, zitiert die Fanhilfe die Begründung des Gerichts.

Dem Nürnberg-Fan wurden Schmerzensgeld und Schadensersatz in Höhe von 100 Euro zugesprochen. Daraufhin klagten weitere 49 betroffene Anhänger gegen die Polizeimaßnahme. Vor dem Landgericht München sprang für sie dabei nun ein Vergleich mit den genannten Entschädigungen heraus. Und das, obwohl der Freistaat Bayern laut Rot-Schwarzer Hilfe „mit seitenlangen Schriftsätzen“ darum gekämpft habe, nicht zahlen zu müssen.