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National

Ultras Hannover stellen bis auf Weiteres ihren Support ein

Autor: Aaron Knopp Veröffentlicht: 14. April 2014

Nach dem hanebüchenen Rechtsstreit um die verpflichtende Busanreise nach Braunschweig war abzusehen, dass Hannovers aktive Fanszene nicht ohne Weiteres zur Tagesordnung übergehen können würde. Beim 2:1-Sieg gegen den Hamburger SV machten die Ultras Hannover nun erstmals ernst – und verzichteten auf organisierten Support. Bereits vorab hatte die Fanszene Hannover ihr Vorgehen in einer Stellungnahme erklärt.

„Die organisierte Fanszene wird bis auf weiteres darauf verzichten, für eine koordinierte Unterstützung zu sorgen. Dabei ist jedem Einzelnen selbstverständlich freigestellt, ob er sich dem anschließt oder aber die Mannschaft weiterhin lautstark unterstützt. Wir werden niemandem etwas vorschreiben“, heißt es in der Erklärung. Am Donnerstag zuvor hatten die 96-Anhänger das Vorgehen bei einem Stammtisch beim Fanprojekt besprochen.

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Die sang- und klanglose 0:3-Niederlage im Derby, auf die einige Fans mit Protesten am Vereinsgelände reagiert hatten, ist für die Entscheidung nebensächlich. Vor allem fühlen sich die Ultras vom Vorgehen des Vereins schwer enttäuscht, der im Rechtsstreit zuletzt einen offensichtlich unbegründeten Befangenheitsantrag gegen die zuständige Richterin gestellt hatte, um die Herausgabe der Karten ohne verpflichtende Busanreise zu verhindern. „Nicht nur, dass die erzwungene Busanreise nicht mit unserer Vorstellung von Handlungs- und Reisefreiheit vereinbar ist, sondern auch das Gefühl, die Verantwortlichen wollen die eigenen Fans gar nicht erst dabei haben, lässt bei zu vielen die Lust schwinden, ‚Dienstleister‘ bzgl. der Stimmung zu sein und gute Miene zum bösen Spiel zu machen. Dass sich 96 sogar juristischer Winkelzüge bedient, um knapp 100 Auswärtsdauerkartenbesitzern die Eintrittskarten zu verwehren, obwohl die Rechtssprechung mehr als deutlich dazu war, finden wir ebenso beschämend, wie die Äußerungen von Präsident und Mitarbeitern.“

Die Kluft ist kaum zu schließen

Der Verein hat sehenden Auges riskiert, was sich nun offenbart: Die Kluft zwischen Klub und Anhängern scheint kurzfristig kaum wieder zu schließen zu sein. Auch die Fanszene Hannover kann in ihrer Stellungnahme praktisch keinen Ausweg aus der verfahrenen Situation aufzeigen: „Wir sind uns bewusst, dass der Moment von einigen als unglücklich empfunden wird und wissen auch selbst nicht, ob es der goldene Weg ist. So zu tun, als wäre nichts gewesen, ist uns aber schlicht nicht möglich.“

Am morgigen Dienstag (19 Uhr) ist ein weiteres Treffen beim Fanprojekt angesetzt, um das weitere Vorgehen zu besprechen und den Spieltag Revue passieren zu lassen. Derzeit liegt der Ball aber eigentlich nicht bei den Anhängern. Nach den Ereignissen der letzten Wochen sollte man meinen, der Verein wäre nun am Zug.