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Ultras Hannover kehren zurück ins Stadion – wenn die Zweite nicht spielt

Autor: Maximilian Gehrmann Veröffentlicht: 20. April 2015
Quelle: imago

Wie Fanzeit bereits am Sonntag andeutete, haben Ultras und Vereinsführung von Hannover 96 am heutigen Montag eine gemeinsame Stellungnahme veröffentlicht. Nach einigen Zugeständnissen seitens des Vereins wird die aktive Fanszene ins Stadion zurückkehren. Schon im Heimspiel gegen Hoffenheim soll es wieder optische und akustische Unterstützung durch die Ultras im Stadion geben. Das wird allerdings nur der Fall sein, solange die Zweite nicht parallel spielt, wie die Ultras Hannover anmerken.

In dem gemeinsam abgestimmten Statement beider Parteien gehen beide zunächst darauf ein, dass sich Fans und Verein in den vergangenen Monaten zunehmend entfremdet hätten. Beide Seiten räumen ein, dabei Fehler begangen zu haben. So habe auch der übermäßige Einsatz von Pyrotechnik beim Spiel gegen Eintracht Braunschweig einen Teil dazu beigetragen, dass die Situation rund um das Rückspiel eskaliert sei. Hannover 96 räumt derweil ein, dass es ein Fehler gewesen sei, die gerichtliche Entscheidung gegen den „Buszwang“ nicht zu akzeptieren. Eine zwar späte Einsicht, die gerade die „Rechtsabteilung“ von der Fanhilfe Hannover aber ausdrücklich begrüßt. Nach dem offenbar fruchtbaren Dialog der vergangenen Wochen halten beide Seiten zudem fest, dass sie die Gespräche künftig regelmäßig fortführen wollen, um weiter am gemeinsame Verhältnis zu arbeiten.

Schon jetzt hat Hannover 96 aber einige Zugeständnisse gemacht. So sind kritische Banner und Spruchbänder demnächst auch wieder ohne vorherige Freigabe erlaubt. Weiterhin habe der Verein eine Rückkehr zum Supportersblock im Zentrum des Nord-Oberrangs in gewohnter Form als Stehplatzbereich und mit freier Platzwahl zugesichert. Weitere Punkte betreffen unter anderem die Verbesserung der Versorgung mit Eintrittskarten für Exil-Fanclubs und die Wiederbelebung des Zwingers.

Die gemeinsam abgestimmte Erklärung von Fanszene und Verein im Wortlaut:

Im vergangenen Jahr hat das Verhältnis zwischen Hannover 96 und einem Teil der aktiven Fanszene in Hannover gelitten. Verschiedene Äußerungen und Vorkommnisse haben Verein und Teile der Fans entfremdet. Diese Entwicklung ist dem Klub und sicherlich auch der aktiven Fanszene bewusst. Die aktuelle Situation ist eine Belastung für beide Seiten, in erster Linie jedoch für die Profimannschaft von Hannover 96 und für alle Zuschauer. Beiden Seiten ist bewusst, dass sie Fehler begangen haben. Der übermäßige Einsatz von Pyrotechnik beim Hinspiel gegen Eintracht Braunschweig hatte zur Folge, dass Hannover 96 für das Rückspiel den Empfehlungen des Innenministeriums und der Polizei folgen musste. In diesem Zusammenhang hat man einen Rechtsstreit mit seinen Auswärts-Dauerkarteninhabern ausgefochten, der das Verhältnis zwischen Klub und der aktiven Fanszene zerrüttet hat. Im Nachhinein kann man konstatieren, dass diese gerichtliche Auseinandersetzung die Beziehungen zwischen den Fans und Hannover 96 massiv belastet hat. Hannover 96 hätte die durch das Gericht getroffene Entscheidung anerkennen und den Auswärtsdauerkarteninhabern ihre Eintrittskarten aushändigen sollen. Direkte Kommunikation als Vertrauensbasis In vertrauensvollen Gesprächen haben Vertreter von Hannover 96 und Vertreter der aktiven Fanszene die Geschehnisse aufgearbeitet und wagen nun einen Neubeginn. Vereinsführung und Fanszene sehen direkte Kommunikation als unerlässlich für eine gemeinsame Vertrauensbasis an. Dazu gehört auch, dass fanpolitische Themen nicht über die Medien kommuniziert werden. Dieser offene Dialog soll selbstverständlich regelmäßig fortgeführt werden, um zukünftig die Fanszene in Hannover transparenter über die Entscheidungen des Klubs zu informieren und nach Möglichkeit sogar zu involvieren. Zu guter Letzt möchten wir mit Vorurteilen aufräumen, die sich stets in der Vergangenheit verselbstständigt haben und gemeinsam appellieren, die Fanszene stets differenziert und als unverzichtbaren Teil von Hannover 96 zu betrachten.

Die Erklärung der IG Rote Kurve im Wortlaut:

Liebe 96-Fans,
in den letzten Monaten gab es intensive Gespräche zwischen Vertretern der aktiven Fanszene und Hannover 96, welche in kleinem Rahmen stattfanden. Die nun von Hannover 96 veröffentlichte Erklärung werten wir als einen Beleg für die positive Entwicklung dieser Gespräche und eine Entschuldigung für einige der Fehler der vergangenen Jahre. Desweiteren ging es in den Gesprächen um Maßnahmen, die eine Rückkehr der aktiven Fanszene ins Niedersachsenstadion befördern könnten. In diesem Rahmen wurde eine schriftliche Vereinbarung getroffen, die weitere „Zugeständnisse“ an die aktive Fanszene macht. Kern dieser Vereinbarung ist eine Rückkehr zum Supportersblock im Zentrum des Nord-Oberrangs in gewohnter Form als Stehplatzbereich und mit freier Platzwahl. Weitere Punkte betreffen u.a. die Verbesserung der Versorgung mit Eintrittskarten für Exil-Fanclubs und die Wiederbelebung des Zwingers. Auch Spruchbänder und Flyer mit kritischen Inhalten sind in Zukunft nicht genehmigungspflichtig.
Uns ist bewusst, dass in den Augen vieler dies keine weitreichenden Zugeständnisse sind, sondern lediglich die Formulierung von Selbstverständlichkeiten im Verhältnis zwischen Hannover 96 und seiner Anhängerschaft. Diese Haltung teilen wir vollumfänglich. Wir können eure Skepsis verstehen und können und wollen auch niemandem vorschreiben nun so zu tun als wäre nie etwas geschehen. Es ist lediglich ein Anfang gemacht. Weitere Schritte müssen folgen. Aus diesem Grund haben wir darauf gedrungen, dass es auch in Zukunft in regelmäßigen Abständen zu Treffen zwischen Vertretern von Hannover 96 und der aktiven Fanszene kommt, die verbindliche Vereinbarungen treffen können um so das nun entstandene Grundgerüst weiter erfolgreich entwickeln zu können. Auf diese Weise sollen Anregungen aus der Fanszene an Hannover 96 herangetragen und nach Möglichkeit umgesetzt werden. Andersherum dient dies der Vorabinformation der Fanszene bei Entscheidungen mit fanpolitischer Tragweite und so einer möglichen Stellungnahme und Intervention durch die Fanszene.

Unter dem Eindruck der genannten Aspekte, der Entschuldigung von Hannover 96 und der erstmals schriftlich festgehaltenen Vereinbarung zu grundsätzlichen Fanrechten, rufen wir die aktive Fanszene zur Rückkehr ins Niedersachsenstadion zum kommenden Heimspiel gegen die TSG Hoffenheim auf um dort optisch und akustisch die Mannschaft zu unterstützen und die Nordkurve wieder zu einer bunten, lauten und kreativen Kurve auferstehen zu lassen. Über die Möglichkeiten des Kartenkaufs für den Supportersblock informieren wir euch zeitnah über unsere Homepage.

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Wir sind uns sicher, dass unsere Rückkehr nicht nur auf Gegenliebe stoßen wird. Lasst euch daher nicht von Provokateuren ablenken. Verzichtet auf Streitgespräche, Gesten oder gar körperliche Auseinandersetzungen und konzentriert euch stattdessen umso mehr auf Spiel und Support. Abschließend soll nicht unerwähnt bleiben, dass wir die Amateure natürlich nicht hängen lassen. Wir werden nicht vergessen, dass sie uns in dieser schweren Zeit eine Zuflucht waren und Team und Fans dabei eng zusammengewachsen sind. Ihnen gilt also auch weiterhin unsere volle Unterstützung.

Um eure sicherlich zahlreichen Fragen zu beantworten und eure Meinung einzuholen, werden wir zudem in Kürze zu einem RK-Treffen einladen. Der genaue Termin folgt!
Eure IG Rote Kurve

Die Stellungnahme der Ultras Hannover im Wortlaut: 

Unser Protest gegen die Vereinsführung hat Wirkung gezeigt. Hannover 96 hat heute eine Erklärung veröffentlicht und sich öffentlich für die Verfehlungen der Vergangenheit entschuldigt und zudem anerkannt, dass die Fanszene ein unverzichtbarer Teil von Hannover 96 ist. Diese Erklärung ist im Vorfeld mit uns abgesprochen gewesen und es ist richtig, dass wir anerkennen, dass auch wir nicht immer fehlerfrei gehandelt haben. Die öffentliche Entschuldigung stellt allerdings nur eine Grundbedingung dar, es gibt darüber hinaus weitere Vereinbarungen zwischen Hannover 96 und uns. Diese gelten ab sofort und lauten u.a. wie folgt: – der Zustand, der vor Beginn des Protests bestand, wird wieder hergestellt (der Block N16/ 17 ist ein Fanblock, es herrscht dort freie Platzwahl) – der Ordnungsdienst nutzt die Kompetenz der Fanbeauftragten im Konfliktfall und veranlasst nicht automatisch einen Polizeieinsatz – Spruchbänder und Infoflyer werden nicht zensiert – Stadion- und Hausverbote, die Hannover 96 gegen Mitglieder der Fanszene ausgesprochen hat, sind bereits ausgesetzt worden Da unsere Forderungen erfüllt wurden und wir vor allem den Eindruck gewinnen konnten, dass sich die Wahrnehmung von Fans grundlegend geändert hat, kehren wir zum kommenden Heimspiel ins Niedersachsenstadion zurück. Unsere Unterstützung im Abstiegskampf werden wir der Mannschaft allerdings nur dann anbieten können, wenn das zweite Team parallel kein Spiel austrägt. Den jungen Spielern haben wir vor der Saison zugesagt, sie mindestens eine Spielzeit lang zu begleiten, davon rücken wir nicht ab.

Ultras Hannover

Die Stellungnahme der Fanhilfe Hannover im Wortlaut:

Das Spiel in Braunschweig ist mittlerweile mehr als ein Jahr her, die rechtliche Auseinandersetzung um die Auswärtsdauerkarten (siehe Link) ist unlängst entschieden (Zur Erinnerung: Das Amtsgericht Hannover bezeichnete das Vorgehen von Hannover 96 als rechtsmissbräuchlich.), die daraus entstandenen Probleme sind allerdings weiterhin präsent.

Die Fanhilfe begrüßt es daher ausdrücklich, dass sich Hannover 96 heute endlich für sein Verhalten öffentlich entschuldigt hat. In der veröffentlichten Erklärung heißt es u.a. konkret:

In diesem Zusammenhang hat man einen Rechtsstreit mit seinen Auswärts-Dauerkarteninhabern ausgefochten, der das Verhältnis zwischen Klub und der aktiven Fanszene zerrüttet hat. Im Nachhinein kann man konstatieren, dass diese gerichtliche Auseinandersetzung die Beziehungen zwischen den Fans und Hannover 96 massiv belastet hat. Hannover 96 hätte die durch das Gericht getroffene Entscheidung anerkennen und den Auswärtsdauerkarteninhabern ihre Eintrittskarten aushändigen sollen.
 
Diese überfällige Entschuldigung macht das gezeigte Verhalten nicht ungeschehen, lässt aber die berechtigte Hoffnung zu, dass sie eine neue Grundlage für das Verhältnis von Fans und Verein schaffen kann.