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TuS Koblenz: Familientag mit der Fanszene statt Spiel gegen chinesische U20

Autor: fanzeit Veröffentlicht: 13. Juli 2017
Quelle: imago

Als einer von drei Vereinen der Regionalliga Südwest wird die TuS Koblenz nicht wie vom DFB geplant gegen die chinesische U20-Nationalmannschaft antreten. Stattdessen will der Verein gemeinsam mit seiner Fanszene an seinem spielfreien Wochenende in der Rückrunde einen „TuS-Familientag“ organisieren.

Nachfolgend die Erklärung aus der Koblenzer Fanszene im Wortlaut:

Auf der Managertagung der Regionalliga-Südwest beschlossen 16 der 19 Vereine an den Spielen gegen die chinesische U-20 Nationalmannschaft teilzunehmen.

Lediglich der SV Waldhof Mannheim, die Stuttgarter Kickers und unsere TuS Koblenz lehnten ein „Freundschaftsspiel auf freiwilliger Basis“ gegen das junge Team aus dem Reich der Mitte ab. Drei Vereine, die Haltung zeigen. Drei Vereine, die sich nicht den Plänen des DFBs beugen. Wir, die aktive Fanszene der TuS Koblenz, begrüßen die Entscheidung unseres Präsidiums und stehen voll und ganz hinter ihr.

Führt man sich vor Augen, dass der ursprüngliche Plan des DFBs darin bestand, gegen jedes der 19 Teams jeweils ein Hin- und Rückspiel auszutragen, hat man nichts anderes als eine 20. Mannschaft, die am regulären Spielbetrieb teilnimmt, bis auf den Unterschied, dass sie hierfür keine Punkte erhält. De Facto war also eine „Quasi“-Mitgliedschaft angedacht, die sich jetzt, auch aufgrund der vorgetragenen vehementen Kritik und organisatorischen Schwierigkeiten, „nur“ auf die Rückrunde der bevorstehenden Saison beschränkt. Verkauft wird das Spiel gegen die Juniorenauswahl weichgespült als „Freundschaftsspiel auf freiwilliger Basis“, für das man auch noch 15 000 Euro erhält. Selbstverständlich muss der DFB die Partien derartig anpreisen, da die chinesische Auswahl für eine Teilnahme sportlich nicht qualifiziert ist und sich schlichtweg eingekauft hat.

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Während sich also eine 20. Mannschaft durch Finanzspritzen an den DFB das Startrecht ergaunert, liest man in den Medien in regelmäßigen Abständen von Traditionsvereinen, die ums finanzielle Überleben kämpfen und kurz vor der Insolvenz stehen. Es gibt Stimmen, die an dieser Stelle laut werden und fragen, wieso man die 15000 Euro gerade als finanzschwacher Verein wie die TuS Koblenz nicht einfach dankend annimmt und im Gegenzug ein bisschen gegen die chinesische Auswahl kickt.

Die Antwort hierauf ist eindeutig: Langfristig sägt man an dem Ast, auf dem man sitzt. Letztlich ist die Integration der chinesischen U-20 Nationalmannschaft in die Südweststaffel der Regionalliga nichts weiter als der erste Türöffner/ Testballon für eine großflächige Erschließung des asiatischen Marktes, die zu Lasten der kleineren Vereine über die Bühne gehen wird. Selbst wenn der DFB, wie öffentlich breit kommuniziert, an dem jetzigen Projekt rund um die U-20 Chinas keinen Cent verdient (was angezweifelt werden darf), zeigt spätestens der bereits 2016 abgeschlossene Kooperationsvertrag zwischen DFB, DFL und chinesischen Vertretern, aus dem auch ein 250 Millionen schwerer Fernsehvertrag resultierte (Quelle: „Drei Klubs verweigern Spiele gegen Chinas U20“, Online-Ausgabe der Süddeutschen Zeitung vom 12.07.2017), wohin die Reise langfristig gehen soll. Nach völlig intransparenten Verhandlungen werden die Teilnehmer der Regionalliga-Südwest mit 15000 Euro und einer nicht näher definierten angeblichen Fernsehübertragung für ihre Zustimmung abgespeist, während beim DFB weit mehr Geld über die Ladentheke wandert. Kalkuliert man die Fixkosten und die Minuskulisse aufgrund der negativen Haltung der breiten Öffentlichkeit mit ein, bleibt am Ende wohl weitaus weniger bei den Klubs hängen.

Man muss keine Glaskugel besitzen, um zu erahnen, dass perspektivische Pläne eine feste Installation von ausländischen Teams in den europäischen Topligen beinhalten könnten, um richtig abzukassieren. Derweil interessiert man sich in den oberen Etagen keinen Hauch für die Belange der kleineren Vereine. Seit Jahren gibt es Proteste, die auf die Notwendigkeit hinweisen, die Regionalliga endlich zu reformieren, damit die jeweiligen Meister der verschiedenen Staffeln aufsteigen. Geschehen ist nichts, beim DFB bewegt man sich keinen Meter. Steht eine große finanzielle Summe im Raum, ist es plötzlich möglich, innerhalb weniger Wochen/ Monate eine Mannschaft von einem anderen Kontinent in der Regionalliga unterzubringen. Absurd!

Während also Traditionsvereine in den unteren Ligen in einem sinnfreien Ligasystem ohne Aufstiegsgarantie spielen, sich mit lästigen Auflagen herumschlagen müssen und unter dem Damoklesschwert „Insolvenz“ leben, schmiedet der DFB im stillen Kämmerlein Pläne, um die Geldmaschine weiter anzukurbeln. Die Vereine, die jetzt als Versuchsobjekte dienen, werden letztlich nicht diejenigen sein, die vom asiatischen Markt profitieren. Es werden die Topklubs sein, deren Trikotabsatzzahlen im Jahr 2026 in die Höhe schnellen, wenn die asiatischen Zuschauer sehen, was für ein toller Fußball in den Partien von Shanghai Shenhua in der Bundesliga gespielt wird. Dass man 2017 einmal 15 000 Euro für ein Spiel gegen die chinesische U-20 erhalten hat, ist dann im Südwesten nur noch wenig wert, wenn man seinen eigenen Verein nicht mehr im Vereinsregister findet oder mit ihm in der Bedeutungslosigkeit rumdümpelt.

Dass sich lediglich drei Vereine gegen ein derartiges Szenario stemmen, ist mehr als bedauerlich. Durch ein „Nein!“ zu den Plänen des DFBs setzt man ein Zeichen, zeigt Rückgrat und verdeutlicht, dass man sich nicht weiter nach Belieben an der Nase herumführen lassen will. Man unterstreicht die traditionellen Werte, die für Fußball in Koblenz stehen. Man macht sich stark für Vereinsleben, für eine aktive Fanszene, die auch in den schwierigsten Zeiten zu ihrem Verein hält, für ehrenamtliches Engagement, für Jugendarbeit, für ein familiäres Miteinander. Kurzum: Man betont all die Attribute, auf die wir als Fans der TuS Koblenz stolz sind und die man nicht durch 15000 Euro erkaufen kann.

Um ein weiteres Zeichen zu setzen, wollen wir als aktive Fanszene in Kooperation mit dem Verein die genannten Werte im Rahmen eines TuS-Familientags aufleben lassen. Wir planen ein buntes, vielseitiges Rahmenprogramm rund um unseren Verein. Das Ganze wird am spielfreien Wochenende stattfinden und jeder in der TuS-Familie ist eingeladen, mitzuwirken und diesen Tag aktiv zu gestalten. Nach den jüngsten positiven Ereignissen rund um das gute Abschneiden in der Liga, dem Sieg im Rheinland-Pokal und dem (hoffentlich) bevorstehenden DFB-Pokalspiel gegen Dynamo Dresden soll dieser Tag dazu dienen, als Gemeinschaft, die sich durch die verschiedenen Werte auszeichnet, nochmal enger zusammenzurücken. Der Nutzen und die Sinnhaftigkeit eines solchen Tages sind in unseren Augen höher anzusiedeln als ein erkaufter Kick gegen die chinesische U-20 Auswahl!

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