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International

Trubel im australischen Fußball

Autor: Florian Nussdorfer Veröffentlicht: 23. Dezember 2015

Auch in Australien, am anderen Ende der Welt wird Fußball gespielt. Doch die Probleme, mit denen die dortigen Fanszenen zu kämpfen haben, sind oft die gleichen wie in Europa. Kürzlich ist die Situation jedoch ausgeartet. Mit im Spiel waren zwei Journalisten, ein Zeitungsartikel und ein Boykott der Fans.

Alles begann mit einem Artikel, den Rebecca Wilson, eine Journalistin bei NewsCorp, für den Sunday Telegraph von Sydney verfasst hatte. Darin beschwerte sie sich über vermeintlich gewalttätige Fußballfans und gab die Identitäten mehrerer Fans preis, die angeblich vom Australischen Fußballverband der Football Federation Australia (FFA) ein Stadionverbot erhalten hätten. Dabei wurden Fotos von zehn Personen auf der Titelseite der Zeitung veröffentlicht. Auf der Website waren 151 Fotos von den insgesamt 198 erwähnten Personen zu sehen.

Die Fans seien in den vergangenen drei Jahren gewalttätig gewesen, hieß es. Über einen Fan der Western Sydney Wanderers wurde geschrieben, er sei ein Flitzer und dürfe deshalb für zwei Jahre lang keine Spiele besuchen. In den Augen Wilsons sei das Problem, das gewalttätige Fußballfans darstellen würden, fast genauso “schlimm” wie in England oder auch sonst im europäischen Fußball. Die Schuld daran gibt sie der FFA und dem Verein Western Sydney Wanderers FC, dessen Fans wegen vermeintlicher Ausschreitungen in die Schlagzeilen geraten waren. So sei es bei Spielen zu Schlägereien und Flaschenwürfen gekommen, auch der Platz sei schon gestürmt worden. Laut Wilson würde die FFA die Augen vor diesem „kulturellen“ Problem jedoch verschließen und tue so, als sei alles in Orndung.

Sie spielen nicht, um zu gewinnen. 
Sie spielen, 
damit sie am nächsten Tag wieder spielen können.
Bert Ambrose, eigentlich Benjamin Baruch Ambrose
(1896-1971, englischer Violinist und Bandleader)

Quelle: Sammlung der besten Zitate, Casino Club

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Wilson ist der Auffassung, dass der Verband jeden und alles voreilig beschuldigt hätte und die Schuld für das Problem, dass jede Saison schlimmer werde, nicht bei sich selbst suchen würde. Die FFA gehe gegen das Team der Wanderers nicht hart genug vor, weil die Mannschaft in der A-League, der höchsten Spielklasse des Landes, mitspiele. Stattdessen behaupte die FFA, dass es das Problem auch in anderen Sportarten gäbe. Die Gewalt in anderen Sportarten ist in den Augen der Journalistin jedoch „mit der Brutalität der Fußballfans nicht zu vergleichen.“

Alan Jones, ein australischer Radio-Moderator, ging in seiner Radioshow sogar noch einen Schritt weiter und verglich die Situation mit dem Terrorangriff in Paris. Damit brachte er viele Fans, denen dieser Vergleich entschieden zu weit ging, gegen sich auf. Rebecca Wilson, die bei ihm als Gast eingeladen war, sprach erneut über das Thema. Einige der Aussagen der FFA würden einem die Tränen in die Augen treiben und man frage sich, ob man überhaupt noch zu einem A-League-Spiel gehen wolle, so Wilson zu Jones. Ohne auch nur eine Sekunde zu zögern erklärte Alan Jones daraufhin: “Ist das wie Terrorismus in Paris – die Anführer haben keinen Mut?”

Die Fans reagierten auf diese öffentliche Stimmungsmache mit einem Boykott, die Atmosphäre war angespannt. Zunächst verließen einige Fangruppen laufende Spiele, um ihren Missmut, den sie gegenüber der FFA hatten, zu zeigen. Danach weitete sich der Boykott aus.

Schließlich konnten sich Fans und der Vorstand der FFA aber einigen. So erlaubt es die FFA den Fans nun bei der Vergabe von Stadionverboten, die Beweise, die gegen sie vorliegen, zu sehen und wenn nötig Einspruch bei einem unabhängigen Ausschuss einzulegen.

Ein Beitrag von Jan Raders