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National

„Tradition hat Zukunft“

Autor: Florian Nussdorfer Veröffentlicht: 11. September 2014
Quelle: By Thorsten Halm [GFDL or CC-BY-SA-3.0], via Wikimedia Commons

Flutlichtmasten, massig Stehplätze und der Charme des Maroden: Das Stadion am Böllenfalltor ist wahrlich ein Platz für Fußballromantiker. Doch den Ansprüchen des modernen Profifußballs genügt das „Bölle“, wie es von den Fans des SV Darmstadt 98 liebevoll genannt wird, schon lange nicht mehr, das sehen selbst die Anhänger ein. Dennoch wollen sie mitreden beim Thema Umbau, schließlich geht es um ihre Heimat. Verein, Stadt und Fans haben nun eine Kooperation vereinbart.

In der Sommerpause wurden bereits erste Modernisierungsmaßnahmen ergriffen: Das Spielfeld erhielt eine Rasenheizung, die sanitären Anlagen wurden modernisiert und mehr Platz für Fernsehtechnik geschaffen. Doch das soll nur ein Anfang sein, mittelfristig soll das Böllenfalltor-Stadion komplett saniert werden.

Um den Interessen der Fans bei diesem Thema eine Stimme zu verleihen, hat sich das “Fanbündnis Bölle – Tradition hat Zukunft” gegründet. Die Initiatoren fordern unter anderem, dass ein Drittel der neuen Kapazität (etwa 18.000 Plätze) aus Stehplätzen besteht. Außerdem sollen die Flutlichtmasten und weitere Symbole erhalten bleiben. „Unser Stadion kann nicht aus runden Formen und geschwungenen Dachkonstruktionen bestehen. Es braucht seine Ecken und Kanten. Das Stadion der Lilien muss ein wenig grimmig wirken. Es muss keine Schönheit sein, dafür aber einen Charakter haben“, heißt es in den Erwartungen der Initiative.

Ganz nach dem Vorbild Union Berlin, wollen sich die Fans auch aktiv am Umbau beteiligen: „Wir möchte da oben mitarbeiten, Karren voll Sand und Schutt hin und herfahren, viele Menschen kennenlernen, die alle ein Ziel haben: sich an etwas zu beteiligen, dass größer ist als sie selbst.“

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Kooperation zwischen Verein, Stadt und Fanbündnis

Bei einem gemeinsamen Gedankenaustausch zwischen Vertretern des Fanbündnisses und dem Präsidenten des SV Darmstadt 98, Rüdiger Fritsch, und Geschäftsführer Michael Weilguny vereinbarten die Parteien eine enge Zusammenarbeit beim Stadionumbau. „In vielen Punkten wurde Übereinstimmung erzielt, in anderen ist man nah beieinander. Daher vereinbarten Verein und Fanbündnis eine enge Kooperation bei der Umsetzung der Stadionpläne“, heißt es in einer gemeinsam veröffentlichten Pressemitteilung.

Ab sofort wollen sich beide Seiten in regelmäßigen Dialogen austauschen. Auch die Stadt Darmstadt ist als Kooperationspartner mit im Boot. Um den Entwicklungsprozess zu beschleunigen soll in Zukunft ein stetiger Arbeitskreis von Stadt, Verein und Fanbündnis gebildet werden. Das Projekt Stadionumbau soll somit „bürgernah, fanfreundlich und wirtschaftlich tragend“ umgesetzt werden. Vielleicht haben also auch in Zukunft die Fußballromantiker ihre Freude im Stadion am Böllenfalltor.

Am Montag, den 15. September, findet um 19 Uhr in der Centralstation in Darmstadt eine Podiumsdiskussion zum Thema statt, bei der Vertreter von Verein, Stadt, Fanbündnis und der Firmen Merck (Namenssponsor des Stadions) und Software AG über die Stadionpläne diskutieren werden.

fn