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National

Tradition hat welchen Preis?

Autor: Zienau Veröffentlicht: 19. Januar 2015
Quelle: imago

Der HSV-Marketingvorstand Joachim Hilke fordert im Gespräch mit dem Hamburger Abendblatt eine gerechtere Verteilung der Fernsehgelder. Er sieht jene Klubs benachteiligt, die aufgrund ihrer Tradition den Sendern eine höhere Quote ermöglichen.

Für Hilke ist die Sache klar: Dass gerade Traditionsvereine für den emotionalen Wert der Bundesliga zuständig sind, sei für ihn unstrittig. Und da sich das Produkt Fußball nur über Emotionen verkaufe, müsse man sich über einen neuen Verteilerschlüssel Gedanken machen. Er erneuert damit die Forderung, die Hans-Joachim Watzke, Geschäftsführer von Borussia Dortmund, schon 2009 geäußert hatte.

Die jetzige Verteilung der TV-Gelder berücksichtigt nur die tatsächlich erbrachten Leistungen. Dabei unterscheiden sich drei Kategorien:

Die erste Untergruppe bilden die sogenannten Platzierungsgelder. Je höher der zu Saisonende erreichte Tabellenplatz, desto mehr Geld gibt es. Als Meister gibt es 3 Millionen Euro, als Vize 2,5 und so weiter.

Den zweiten und größten Topf bilden die Einnahmen aus der nationalen Vermarktung. Hier werden sämtliche Resultate aus den vergangenen fünf Spielzeiten berücksichtigt. Dabei werden die erreichten Punkte der letzten Saison mit dem Faktor fünf multipliziert, die der vorletzten mit dem Faktor vier et cetera. Am Beispiel des FC Bayern München sieht das Ganze wie folgt aus:

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  • 2013/2014: Platz 1 (36 Punkte) mal Faktor 5: 180/180 Punkte
  • 2012/2013: Platz 1 (36 Punkte) mal Faktor 4: 144/144 Punkte
  • 2011/2012: Platz 2 (35 Punkte) mal Faktor 3: 105/108 Punkte
  • 2010/2011: Platz 3 (34 Punkte) mal Faktor 2: 68/72 Punkte
  • 2009/2010: Platz 1 (36 Punkte) mal Faktor 1: 36/36 Punkte
  • Gesamt: 533/540 Punkte > Gesamtplatz 1
    Quelle: Fernsehgelder.de

Dabei gilt: Je höher die erreichte Gesamtpositionierung, desto höher fällt die Prämie aus.

Die Einnahmen aus der internationalen Vermarktung errechnen sich aus dem Fünf-Jahres-Ranking der UEFA.

Somit ist die Verteilung der TV-Gelder momentan vollkommen leistungsbasiert. Zwischen der Größe der Anhängerschaft, der Vereinshistorie und dem Kultstatus der Vereine wird nicht unterschieden. Es wundert nicht, dass ein Verein wie der HSV, der sportlich in den letzten Jahren wenig erfolgreich war, versucht aus dem Kapital zu schlagen, was ihm geblieben ist: Seine große, treue und krisenerprobte Anhängerschaft. Gleichzeitig würde es für die oft belächelten „Retortenklubs“ einen großen Nachteil bedeuten. Vereine wie der VfL Wolfsburg oder RB Leipzig würden so, trotz guter Leistungen, einen erheblichen finanziellen Verlust erleiden.

Ohnehin lässt sich der Begriff Tradition nur schwerlich in bare Münze umrechnen. Welcher Verein traditionsreicher oder geschichtsträchtiger ist, da hat wohl jeder Fan seine eigene Meinung. Oder sollte nun etwa Hoffenheim oder Leipzig bevorteilt werden? Bis eine neue Verteilerformel gefunden wird, müssen die Traditionsklubs eben weiterhin durch Leistung ihr Geld verdienen.

mz