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National

Tote nur eine Frage der Zeit

Autor: Lukas Schäfer Veröffentlicht: 12. Mai 2015
Quelle: imago

Anfang Mai kam in Polen ein Fußballfan durch ein Gummigeschoss der Polizei ums Leben. Die Fanhilfe des Drittligisten SG Dynamo Dresden setzt sich nun mit dem Thema Gummischrot auseinander.

Viele Fans reagierten bestürzt auf die tödliche Verletzung, die ein Fußballfan in Polen durch ein Polizeigeschoss erlitten hatte. Die Schwarz-Gelbe-Hilfe nimmt sich nun diesem Thema an und warnt vor der Benutzung von Gummigeschossen: „Trotz zahlreicher schwerer Verletzungen und sogar Todesfällen werden Gummigeschosse bis heute in vielen Staaten (darunter auch Demokratien wie die USA, Spanien, die Schweiz oder Frankreich) als Mittel zur Kontrolle von Menschenmengen eingesetzt. Wenn es nach der Deutschen Polizeigewerkschaft (DPolG) gehen soll, müssen Polizisten endlich wieder auf Demonstranten und Fußballfans schießen können.“ Der Vorfall in Polen sei kein Einzelfall. Im April 2012 sei in Spanien ein Fan ums Leben gekommen, nachdem er von einer Gummipatrone eines Polizisten am Kopf getroffen wurde: „Bei der Obduktion stellten Ärzte schwerste Hirnverletzungen und einen Schädelbruch fest und bestätigten, dass diese durch ein Gummigeschoss, abgefeuert durch einen Polizisten, verursacht wurden.“

Die Fanhilfe erklärt, dass es sich bei Gummigeschossen um eine spezielle Munition handelt, die mithilfe einer Pistole oder eines Gewehres abgefeuert werden kann. Offiziell wird sie als “Nicht-tödliche Waffe” bezeichnet, aber von einigen Herstellern als “Waffe mit abgemilderter Tödlichkeit” angepriesen: „Gummigeschosse können Menschen töten. Ein Treffer der Luftröhre kann diese zerquetschen oder unter Umständen auch die Wirbelsäule brechen. Ein Aufprall des Geschosses im Auge kann dieses schwer verletzten oder auch zum Verlust des Augenlichts führen.“ In Nordirland werden seitens der britischen Polizei bereits seit 1968 Gummigeschosse gegen Demonstranten und Sympathisanten der IRA eingesetzt. Dabei sollen allein zwischen 1970 und 2005 mindestens 17 Menschen ums Leben gekommen sein, nachdem sie von einem Gummigeschoss getroffen wurden.

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Einsätze von Gummigeschossen mit tödlichem Ausgang angeblich nicht bekannt

In Deutschland setzt sich der Vorsitzende der Deutschen Polizeigewerkschaft (DPolG) Rainer Wendt für den Gebrauch von Gummigeschossen ein. Seine Forderung begründet er damit, dass sich die Beamten tagtäglich in Gefahr befinden. Bereits 2008 äußerte Wendt  gegenüber der Süddeutschen Zeitung, dass ihm Einsätze von Gummigeschossen bzw. -schrott mit tödlichem Ausgang nicht bekannt seien. “Wenn Wasserwerfer nicht mehr reichen, muss die Polizei als Antwort auf die Steine, Brandsätze und Stahlkugeln der Demonstranten Gummigeschosse einsetzen”, betonte Wendt im Juni 2012.

„Wer Gummigeschosse einsetzen will, nimmt bewusst in Kauf, dass es zu Toten und Schwerverletzten kommt“

Der ehemalige Vorsitzende der konkurrierenden „Gewerkschaft der Polizei“ (GdP) Frank Richter distanzierte sich dahin gehend schon im Sommer 2012 entschieden: „Wer Gummigeschosse einsetzen will, nimmt bewusst in Kauf, dass es zu Toten und Schwerverletzten kommt. Das ist in einer Demokratie nicht hinnehmbar. […] Unser Rechtsstaat muss wehrhaft sein, aber die Polizei darf dabei nicht bewusst den Tod von Menschen im Kauf nehmen.“

Die Schwarz-Gelbe Hilfe bezeichnet eine solche Polizei als „eine Gefahr, nicht nur für Leib und Leben, sondern auch auf das Recht auf freie Meinungsäußerung und die Fan- und Bürgerrechte im Allgemeinen.“