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Hintergründe

Topspielzuschläge ja, aber nicht für Auswärtsfahrer

Autor: Mirko Lorenz Veröffentlicht: 15. Februar 2016
Quelle: imago

Die sogenannten Topspielzuschläge waren nach dem Pokalspiel zwischen VfB Stuttgart und Borussia Dortmund in aller Munde. Viele fordern jetzt eine Abschaffung, doch damit würde man vor allem den Eventfans entgegenkommen. Ein Kommentar.

Im Fußball geht es schon seit langem nicht mehr um Romantik. Es spielen keine 11 Münchner gegen 11 Dortmunder um die Meisterschaft, die hinterher  im Vereinsheim mit allen Fans gefeiert wird. Fußball ist zu einem globalen Event geworden. Vereine haben „Kunden“ und zwar auf der ganzen Welt. Nur zwei Prozent aller Manchester United Fans haben jemals ein Spiel ihrer Mannschaft im Stadion gesehen, kaufen sich aber jedes Jahr das neue Trikot. Die Vereine freut es. Mittlerweile fliegen auch einige Bundesligisten einmal im Jahr nach Asien, um den dortigen Markt zu stärken, mit Erfolg. Sogar Bayer Leverkusen, das in der Winterpause zum ersten Mal nach Orlando gejuckelt ist, hat dort ein paar tausend Trikots verkauft.

Daher achten Vereine natürlich auch auf die Preisgestaltung ihrer Eintrittskarten. Erhöht man die Preise bei Borussia Dortmund um 3 Euro, sind das schon eine knappe Viertelmillion an Mehreinnahmen pro Spiel. Vor einigen Jahren haben sich findige Manager, die vor Amtsantritt wahrscheinlich noch kein einziges Spiel im Stadion gesehen haben, daher die Topspielzuschläge ausgedacht. Eine geniale Idee: Gegen gute Gegner, einfach mehr Geld verlangen, denn das Stadion wird so sicher ausverkauft sein, wie Bayern am Ende Meister wird. Diese Maßnahme hat den Vereinen seit Jahren einige Milliönchen an Mehreinnahemen gebracht.

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Immer wieder gab es vereinzelte Proteste, wie zuletzt von den Dortmundern beim Pokalspiel in Stuttgart. Auch die Mainstreammedien sind glücklicherweise endlich auf diesen Zug aufgestiegen. Ich bin nicht dafür, dass diese Beiträge abgeschafft werden. Wer kommt denn bei Spielen gegen Bayern oder Dortmund auf einmal ins Stadion? Die Schönwetterfans und Touristen, Kunden eben. Gerade von denen sollen Vereine doch maximal abkassieren. Nur dürfen darunter nicht die treuen Fans leiden. Topspielzuschläge sind aber in Ordnung, wenn man den erhöhten Preis im Laufe der Saison wieder ausgleicht. Ich würde mich nicht wehren gegen Topgegner etwas mehr zu zahlen, solange ich es durch Rabatte in anderen Spielen wieder einspare. Kunden, die allerdings nur die Rosinen rauspicken, sollten dafür auch ordentlich belangt werden dürfen.

Vor drei Wochen spielte Eintracht Frankfurt zuhause gegen Wolfsburg. Im Stadion waren 35.000 Zuschauer. Und warum? Wenn man Tickets erst ab 30 Euro aufwärts bekommt, bevorzugen viele die Sky-Übertragung auf der eigenen Couch – zurecht. Gerade gegen Gegner wie Wolfsburg, Hoffenheim oder Ingolstadt, die (bei allem Respekt) keine Sau interessieren, sollten Vereine ihre Preise drastische senken. Warum vor halbleerer Kulisse spielen, wenn man mit guten Angeboten locker ein paar Tausend mehr ins Stadion locken kann. Daher bin ich unbedingt für Topspielzuschläge, solange die Vereine auch starke Rabattierungen gegen weniger interessante Gegner anbieten.

Eine Ausnahme muss es für die Topspielzuschläge allerdings geben: Die Tickets für Auswärtsfans. Bayern- und Dortmund-Fans können nichts dafür, dass sie eben Bayern- und Dortmund-Fans sind. „Ein Allesfahrer von Schalke, Dortmund, Bayern oder uns im mittleren Alter, der gerne auch mal sitzt, zahlt für eine Auswärtssaison bei durchschnittlichen Topspielzuschlägen von 10,00-20,00 EUR also 170,00-340,00 EUR mehr als ein Anhänger anderer Vereine“, hat der FPMG Supporters Club aus Gladbach kürzlich ausgerechnet. Hier sollte man nicht nur die Topspielzuschläge gänzlich abschaffen, sondern sich auch auf einheitliche Preise einigen. Zumindest eine Maximalgrenze sollte die DFL vorschreiben, denn ein Zwanni für’n Steher ist allemal genug, egal ob das jetzt der Audi Sportpark oder das Westfalenstadion ist.

Dieser Beitrag erschien auch auf 3ZWO5.de