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National

„Stimmungsdiktatur beenden, Ultras entmachten!“

Autor: Florian Nussdorfer Veröffentlicht: 09. Dezember 2014
Quelle: imago

Nervtötender, spielunabhängiger Dauersupport, Sichtbehinderung durch Fahnen und eine „Reise nach Jerusalem“ durch die Westkurve: So lauten die Vorwürfe einiger Fans des 1. FC Kaiserslautern gegenüber den Ultragruppen im Fritz-Walter-Stadion. Unter dem Namen „Die Stimme der Kurve“ formiert sich Protest. Unter anderem geht es um eine Megafonanlage.

„Stimmungsdiktatur beenden! Megafon aus!“, war auf einem Banner beim Heimspiel des 1. FC Kaiserslautern gegen Erzgebirge Aue zu lesen. Besagte Megafonanlage ist momentan Gegenstand einer Diskussion, bei der es im Grunde um nicht weniger als die Stimmungshoheit im Fritz-Walter-Stadion geht. Bei einer Umfrage im Forum des Fanportals „Der Betze Brennt“ sprachen sich 67 Prozent der 183 Teilnehmer gegen die Anlage aus, 20 Prozent stimmten dafür. Lediglich 13 Prozent wünschen sich eine nicht näher bestimmte Kompromisslösung.

Die Gegner der Anlage sind derzeit dabei, sich zu organisieren. Während sich am Samstag nach eigenen Angaben etwa 12 Personen am Protest beteiligten, sollen es demnächst deutlich mehr werden, heißt es im Forum von „Der Betze Brennt“. Dazu haben die Initiatoren eine Facebook-Gruppe eingerichtet, darüber hinaus sollen bei den nächsten Heimspielen Flugblätter verteilt und weitere Fanclubs angeschrieben werden. Neben weiteren Bannern will die Gruppe auch akustisch auf sich aufmerksam machen und fordert dazu auf, Trommeln und Trillerpfeifen mit in den Block 6.1 zu bringen.

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Mittlerweile ist auch eine Online-Petition mit dem Namen „Weg mit der MFA! Stimmungsdiktatur beenden, Ultras entmachten!“ gestartet. 85 von anvisierten 5.000 Personen unterstützen die Petition bis jetzt. In einer Begründung für die Abschaffung der Anlage heißt es: „Ehrliche und spielbezogene Fußball-Atmosphäre kann man nicht koordinieren. Es sind spontane Reaktionen auf das Spielgeschehen.“ Seit der Existenz der Anlage habe sich die Stimmung auf dem Betzenberg nicht verbessert. Im Gegenteil: Der Support in der Westkurve habe an Spontanität und Spielbezug eingebüßt, heißt es weiter.

Im Zuge der Diskussion um die Mikrofonanlage erheben einige FCK-Fans weitere Vorwürfe gegenüber den Ultragruppierungen auf dem „Betze“. So beklagen die Gründer der Facebook-Gruppe in der Westkurve „extreme Sichtbehinderungen über 90 Minuten durch Doppelhalter und Fahnen.“ Darüber hinaus hätten alteingesessene Fans mehr oder weniger freiwillig ihren Stammplatz geräumt, um Konfrontationen mit den Ultras aus dem Weg zu gehen. Erst zu Beginn der Saison waren die drei Ultragruppen des FCK, Generation Luzifer, Pfalz Inferno und Frenetic Youth geschlossen hinter das Tor in der Westkurve gezogen. Nicht der erste Umzug der Ultras in den letzten Jahren, User „FCK58“ spricht im Der-Betze-Brennt-Forum von einer regelrechten „Reise nach Jerusalem“.

Auch wenn die Gegner der Ultras derzeit auf vielen Kanälen mobil machen, ist die Zahl der Teilnehmer am Protest bisher relativ gering. Ob daraus eine echte Bewegung ensteht bleibt also abzuwarten.