Anzeige

Hintergründe

Stimmung unter Digitalrivalen

Autor: Moritz Gutscher Veröffentlicht: 23. Oktober 2014
Quelle: KDE

Alle Jahre wieder erscheinen neue Versionen der beiden großen Fußballsimulationen. Auf der einen Seite steht die FIFA-Serie von EA Sports, auf der anderen Pro Evolution Soccer von Konami. Der größte deutschsprachige Blog zur PES-Reihe ist prorevo, dessen Team einen engen Kontakt zu den Entwicklern pflegt. Wir sprachen mit Chefredakteur Marvin Ronsdorf über die Rivalität beider Fanlager, die Stimmung auf virtuellen Tribünen und über Pixel-Pyro.

Bist Du selbst Fußballfan und regelmäßiger Stadionbesucher?

Fußballfan bin ich seit ich sieben bin. Das ist jetzt 16 Jahre her und damals hat mich mein Onkel zum ersten Mal mit ins Westfalenstadion genommen. Klar, dass ich dann dort direkt mein Herz an den Ballspielverein aus Dortmund verloren habe. Mittlerweile wohne ich in Berlin, was den Besuch von Heimspielen etwas schwieriger macht. Hier gehe ich aber lieber zu Union als zur alten Dame Hertha. Bei Union kommt man mit der Nähe zum Geschehen doch eher an die Atmosphäre in Dortmund ran als im weiten Olympiastadion.

Welche Bedeutung hat die Stadionatmosphäre bei der Entwicklung eines Fußballspiels? Hat diese sich in den letzten Jahren –zum Beispiel durch technische Möglichkeiten– geändert?

Atmosphäre ist natürlich ein wichtiger Punkt bei einer Fußball-Simulation. Ein Raunen, wenn man einen unnötigen Fehlpass spielt, das Knistern in der Luft, wenn der Stürmer auf den Torwart zuläuft und schlussendlich der explosionsartige Torjubel, wenn der Ball im Netz zappelt. Wenn man das 1:1 übertragen könnte, wäre das schon großartig. Das gelingt bei PES und FIFA mal besser und mal schlechter. Das Repertoire an Fangesänge ist aktuell noch nicht so hoch, wie es auf den Rängen tatsächlich der Fall ist, wodurch Simulationen in diesem Punkt oft doch etwas monoton wirken. Das fällt besonders auf, wenn man regelmäßig mit ein und demselben Team spielt. Hier ist auf jeden Fall noch Potenzial.

Geht der Trend bei Fußballspielen mehr in Richtung Event/Show?

Anzeige

Ich kann da erst einmal nur für die PES-Serie sprechen und da wird im Austausch mit den Entwicklern ganz deutlich, dass das Gameplay auf dem Platz fundamental wichtig und die alles entscheidende Priorität ist. Auch ich persönlich brauche keinen individuell steuerbaren Torjubel wie bei FIFA, sondern bin zufriedener, wenn ich davor das Tor individuell herausspielen konnte und die Elf auf dem Platz meine Kommandos am Controller möglichst gut umgesetzt hat. Daher würde ich sagen, dass es speziell bei PES nicht in Richtung Show geht. Nichtsdestotrotz ist auch PES beispielsweise mit besonderen Einlauf-Szenen bemüht, die heroische Atmosphäre, die teilweise in unseren Stadien herrscht, abzubilden. Das gehört einfach mittlerweile zum Fußball dazu.

Inwiefern unterscheidet sich die Zielgruppe bei PES von der von FIFA?

Das allseits beliebte Klischee ist ja, dass FIFA etwas für alle ist, die mit ihrem original lizenzierten Lieblingsklub spielen wollen und PES die Simulation für wahre Kenner ist. In den letzten Jahren gab es bei der Bedienung dieses alten Vorurteils nur ein Problem: FIFA hat vom Niveau der Simulation her immer mehr aufgeholt und PES konnte im Kampf um Lizenzen kaum Boden gut machen. Dadurch wurde es immer schwieriger, PES wirklich als das bessere Spiel dazustellen. Das hat an der Community schon genagt. Heute bin ich froh, dass die Serie mit PES 2015 endlich wieder dahin zurückkehrt: Das Spiel ist auf dem Platz FIFA ein deutliches Stück voraus. Das zeigt auch die Tatsache, dass es Konami nach einer halben Ewigkeit geschafft hat, auf der diesjährigen gamescom Electronic Arts den Titel des besten Sportspiels mal wieder abzunehmen. Das wird ein gutes Jahr!

Im heimischen Japan heißt die Serie „Winning Eleven“

Auf Seite 2: „Wenn wir nach Südamerika blicken, dann würden die über unsere Pyro-Diskussion nur laut lachen“