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National

Stadionverbot wegen Fanmütze?

Autor: Mirko Lorenz Veröffentlicht: 01. Juni 2015
Quelle: imago

Ein im Exil lebender Nürnberg-Fan besuchte ein Spiel seines Heimatvereins gegen die zweite Mannschaft des Erzrivalen Greuther Fürth. Dort wurden den Fürthern Fanutensilien entwendet und er aufgrund einer „Anti FÜ“-Mütze zum Tatverdächtigen erkoren, das berichtet zumindest die Nürnberger Fanhilfe.

Während des Spiels gingen demnach einige Personen auf die Fürther Anhänger los und versuchen, diese um ihre Fanutensilien zu erleichtern. Die Polizei leitete daraufhin ein Ermittlungsverfahren wegen Verdacht eines Raubdeliktes ein. Obwohl sich der Fan, durch Zeugen belegbar, nicht in die Auseinandersetzungen mit den Fürthern einmischte und während dem Vorgang weit abseits des Geschehens stand, brachte ihn die Mütze in den Kreis der Tatverdächtigen. Ein örtlicher Polizist erkannte den Fan nämlich auf einem Zeitungsfoto des Heimblocks wieder und erklärte ihn zum potenziellen Täter, da diese zumindest mit ähnlichen Mützen beschrieben wurden.

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Zusätzlich zu dem normalen Ermittlungsverfahren beantragte die Polizei wohl auch noch ein Stadionverbot für besagten Nürnberg-Fan, das vom Präsidenten des örtlichen Klubs an ihn weitergeleitet wurde. Da man sich auf dem Dorf nun mal kennt, erzählte der Fan dem Präsidenten persönlich von seiner Unschuld. Dieser reagierte mit Verständnis, zog das Stadionverbot aber aus unerklärlichen Gründen nicht zurück. Gezwungenermaßen schaltete der betroffene Fan einen Anwalt ein, der mit Hilfe eines Entlastungszeugens seine Unschuld beweisen konnte. Das Verfahren wurde schließlich nach §170 Abs. 2 der Strafprozessordnung mangels Tatverdacht eingestellt, berichtet die Rot-Schwarze Hilfe.

Dieser Vorfall zeigt, dass gerade unterklassige Vereine bei Stadionverboten häufig überfordert sind und über genaue Vorgehensweisen nicht Bescheid wissen. Der Fan kam in diesem Fall mit dem Schrecken davon. Die Anwaltskosten bleiben dennoch auf ihm sitzen.

Der ganze Vorfall kann auf der Webseite der Rot-Schwarzen Hilfe nachgelesen werden.