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National

Später Erfolg für Fans im „Buszwang“-Streit mit Hannover 96

Autor: Aaron Knopp Veröffentlicht: 18. Juni 2014
Quelle: imago

Die Mühlen der Justiz mahlen langsam – genau das hat Hannover 96 vor dem Derby bei Eintracht Braunschweig mit einer juristischen Finte schamlos ausgenutzt. Aber sie mahlen. Deshalb wird den betroffenen Fans nun mindestens die Einsicht gewiss, dass ihr Verein „rechtsmissbräuchlich“ gehandelt hat.

Das Amtsgericht Hannover hat den Bundesligisten dazu verurteilt, die Prozesskosten zu tragen. Im Streit um die verpflichtende Busanreise zum Auswärtsspiel bei Eintracht Braunschweig im April hatten mehrere Fans den Rechtsweg bestritten und vor Gericht zunächst auch Recht bekommen. Um die Karten nicht herausgeben zu müssen und so eine freie Anreise aller Fans zu ermöglichen, hatte Hannover 96 jedoch kurzerhand einen Befangenheitsantrag gegen die zuständige Richterin gestellt. Ein ebenso durchsichtiges wie effektives Spiel auf Zeit. Schlussendlich blieb den betroffenen Anhängern nicht mehr übrig, als den „Buszwang“ zu akzeptieren oder dem Spiel fernzubleiben.

 

In dem Beschluss des Amtsgerichts Hannover, den der mit dem Fall betraute Rechtsanwalt Dr. Andreas Hüttl nun auf seinem Twitter-Account veröffentlicht hat, heißt es in Bezug auf diesen Antrag nun aber unmissverständlich: „Die Antragsgegnerin wollte ausschließlich den drohenden und berichtigten Erlass der einstweiligen Verfügung verhindern. Dies stellt unzweifelhaft eine rechtsmissbräuchliche Verwendung der Befangenheitsregelung dar.“

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Ferner betont das Gericht auch nochmal, dass trotz der erhöhten Gefahrenlage etwa in einem Derby die verpflichtende Anreise mit dem Bus kein probates Mittel darstelle: „Zwar erfordern besondere Umstände oft besondere Maßnahmen, doch gehen die hier von der Antragsgegnerin gewählten Maßnahmen, dem Vertragspartner vorzuschreiben, wie, wann und mit welchem Fahrzeug er zu einer Veranstaltung anzureisen hat, deutlich zu weit.“