Anzeige

National

Sottocultura: „Wir blicken mit gemischten Gefühlen zurück“

Autor: Robin Schwitzer Veröffentlicht: 09. Oktober 2014
Quelle: imago

Gladbachs Ultragruppierung „Sottocultura“ aüßert sich nun ebenfalls zu den Vorfällen beim Europaleague-Auswärtsspiel in Zürich. Dabei gesteht sich die führende Gruppe kritisch ein, die Masse der Gladbacher Fans beim Marsch zum Stadion nicht unter Kontrolle gehabt zu haben.

In einer Stellungnahme heißt es unter anderem, dass Pyrotechnik ein Teil der Fankultur sei und auch immer bleiben werde. „Sottocultura“ werde weiterhin auf diese Art der Unterstüzung zurückgreifen und verurteile niemanden, der eine Sturmhaube auf dem Weg zum und im Stadion trug. Das Werfen von Böllern, sowie das Ausrauben von Kiosken sei hingegen nicht zu akzeptieren. Die Gruppe distanziert sich von diesen Vorfällen.

In der vorherigen Woche kam es bereits zu einem Treffen zwischen der aktiven Szene und dem Fanprojekt Borussia Mönchengladbach. Die Bewertung des Fanprojekts der Ereignisse in Zürich könnt ihr hier lesen.

Des Weiteren stellen die Mitglieder von „Sottocultura“ in ihrer Stellungnahme die Kosten für die Choreographie dar. Dabei betonen sie, dass Pyrotechnik nicht durch Spenden, sondern durch eigene finanzielle Mittel von Mitlgiedern der Gruppe finanziert werde.

Fanzeit präsentiert euch die komplette Stellungnahme der Ultragruppierung aus Mönchengladbach:

Durchatmen – die Wochen im alle-3-Tage-ein-Spiel Rhythmus neigen sich vorübergehend dem Ende zu. Endlich haben wir zwei Wochen Zeit neue Kräfte zu sammeln, um weiter mit großen Schritten voran zu gehen. Nutzen wir die Zeit auch, um den vieldiskutierten Tag in Zürich aufzuarbeiten.

Wir blicken mit gemischten Gefühlen zurück auf einen weiteren besonderen Tag in unserer Fankarriere. Es erfüllt uns natürlich mit Stolz zu sehen, wie sich fast 10.000 Borussen auf den Weg in die benachbarte Schweiz machen, um unsere Borussia zu unterstützen. Allerdings hat diese Medaille auch immer eine Kehrseite: Bei solch einer Anzahl ist ebenso klar, dass sich unter der Masse an Borussen auch viele Fans befinden, die nicht jedes Spiel fahren und folglich nicht mit den Regeln und Hierarchien innerhalb der Fanszene vertraut sind. Sie wiegen sich unter unserem Deckmantel in Sicherheit.

Aufgrund der besonderen Situation des Spiels in der Schweiz – hier gehören martialisch wirkende Märsche quasi zum Spieltag dazu und werden von der Öffentlichkeit keineswegs als negativ aufgenommen – haben wir uns für diesen Tag entschieden unseren Marsch ebenfalls mit Sturmhauben und Pyro durchzuführen. Leider hat sich dadurch bei Einigen, leider auch Leuten aus unseren Reihen, das Verständnis für angemessenes Verhalten im Namen unserer Borussia verabschiedet.

Wir verurteilen hier niemanden, der sich bei dem Marsch eine Schwarz-Weiß-Grüne Maske angezogen, oder Pyro gezündet hat – aber es geht definitiv nicht, dass in unserem Deckmantel und im Schutz der Masken Kioske überfallartig ausgeraubt, Böller wild in die Menge geworfen werden, sinnlos randaliert und sich gegenüber anderen Borussen hochnäsig und arrogant verhalten wird.

Mit den Folgen der Sturmhauben Aktion haben wir so nicht gerechnet und müssen uns leider eingestehen, dass wir als führende Gruppe der aktiven Fanszene hier schlichtweg versagt haben. Wir haben diese anonyme, vermummte Masse aus Gelegenheitsfahrern, Krawalltouristen und leider auch Leuten aus unseren Reihen nicht mehr unter Kontrolle gehabt. Wir können uns hierfür nur entschuldigen und haben intern bereits klare Worte für dieses Verhalten gefunden.

Anzeige

Wir müssen uns bewusst machen, dass wir alle im selben Interesse zu solchen Spielen fahren und das Aushängeschild unseres Vereins sind. Niemand ist ein besserer oder schlechterer Fan, ganz egal, wie er seine Fankultur auslebt. Wie oft er fährt, wie viel er trinkt oder ob er Spaß daran hat mit einem Ball auf dem Hirschenplatz herumzuschießen. Der gemeinsame Nenner ist am Ende immer wieder: BORUSSIA. Nach diesem Grundsatz sollten wir uns untereinander verhalten und auch nach außen repräsentieren. Es gibt gewisse Regeln, an die sich JEDER zu halten hat. Wer das nicht kapiert, hat es nicht verdient Teil dieser Gemeinschaft zu sein und hat nichts an einem offiziel ausgerufenen Fantreff zu suchen.

Auch im Stadion gab es sowohl positive, als auch negative Dinge. Die Choreo zu Beginn hat ein beeindruckendes Bild hinterlassen. Alle Fans im Gästesektor B in den überwiegend dauerhaft getragenen Schwarz-Weiß-Grünen Leibchen steuerten einen guten Start bei. Hierfür wollen wir euch gern wieder eine Auflistung der Kosten mitteilen:

5.500 Ponchos: 1.961,70€
6.000 Flyer: 49,90€

GESAMT 2.011,60€

Das hitzig diskutierte Thema Pyro wollen wir hier eigentlich gar nicht weiter anfachen. Es ist für uns ein Teil der Fankultur, den wir gezielt zu besonderen Spielen einsetzen. Gerade bei einem Spiel in der Schweiz, wo es auch von Seiten der Vereine und Ordnungskräfte weitestgehend toleriert wird, sehen wir es äußerst positiv, dass der Mannschaft zu Spielbeginn eingeheizt wird. Für die Unterstellung, dass die Masse an Pyro nur aufgrund der zeitnahen Spendenaufrufe erworben werden konnte, haben wir im Übrigen nur ein müdes Lächeln über. Die Spendengelder werden auch weiterhin nur für Choreos verwendet mit denen sich nahezu jeder identifizieren kann – unsere privaten Gelder hingegen verwenden wir aber auch weiterhin gerne für Pyrotechnik.

In Sachen Böller sind wir jedoch auch der Meinung, dass diese nicht kontrolliert einsatzbar sind und somit nicht in eine Menschenmasse rund um ein Fußballspiel gehören. Lasst die Dinger einfach zu Hause und spart euch die Knallerei für Sylvester auf!

Ein paar Worte abschließend noch zur Stimmung: Was vor dem Spiel mit absoluter Exstase begann, flaute leider nach den ersten Spielminuten weitestgehend ab. Wir müssen versuchen das Potenzial, dass in so einer großen Masse steckt während des Spiels immer wieder abzurufen und der Mannschaft zu zeigen: „Wir stehen hinter euch!“ Mit 10.000 Borussen im Rücken schlägt uns so schnell keiner und der Ball landet vielleicht am Ende einmal mehr im Netz.

Mit dem folgenden Video möchten wir nochmal an uns alle appellieren, beim nächsten Mal die Kräfte aufzusparen und im Stadion 90min lang Vollgas zu geben.

Gerne möchten wir euch auch die Chance geben euren Frust per E-Mail oder in einem persönlichen Gespräch (Wann und Wo kann dann per E-Mail vereinbart werden) direkt an uns auszulassen und nicht unbedingt beim FPMG, den Fanbeauftragten oder in x-beliebigen Foren.

Blockfloete@sottocultura.de

-Sottocultura-

rs