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Hintergründe

„Sollte die Entwicklung so weitergehen, spielen wir gegen Ende der Saison immer vor vollen Rängen“

Autor: Sören Stephan Veröffentlicht: 08. Februar 2015
Quelle: imago

Damit hätten vor Beginn der Zweitliga-Saison wohl die wenigsten gerechnet: Der FC Ingolstadt klopft an die Pforte der ersten Bundesliga. Das Team des FCI ging mit einem Vorsprung von sieben Punkten auf einen Nichtaufstiegsplatz in die Winterpause und setzte seinen Lauf auch im ersten Spiel nach der Pause mit einem Sieg bei der SpVgg Greuther Fürth fort. Einzig auf das Umfeld scheint der Funke noch nicht ganz übergesprungen zu sein, da ein ausverkauftes Haus in Ingolstadt noch immer eine Seltenheit ist.

Im Fanzeit-Interview spricht der Fanbeauftragte des FCI, Sebastian Wagner, über die Fanszene der Schanzer, den Unterschied des FC Ingolstadt zu Vereinen wie Wolfsburg, Hoffenheim oder Leipzig und darüber, ob das Umfeld für einen etwaigen Aufstieg in die erste Liga schon bereit ist.

Wie sehen Sie die Entwicklung der Fanszene beim FCI?

Noch vor sieben Jahren, damals in der Regionalliga Süd, weiß ich, dass ich mich wie ein Schneekönig freute, als mal über 1000 Leute bei unserem Spiel waren. Dass wir nun, nur wenige Jahre später, sicherlich zwei Ligen höher, einen festen Fanstamm und jedes Jahr mehr Zuschauer haben sehe ich positiv.

Auch spreche ich hier gern von einem „gesunden“ Wachstum. Der Fußballclub Ingolstadt verzichtet darauf, mit der Brechstange sein Stadion voll zu kriegen und verzichtet auf größere oder regelmäßige Freikartenaktionen, wie sie bei anderen Vereinen der Fall sind.

Die Zahl der aktiven Fans steigt sowie die Anzahl der Fanclubs. Wir sind noch klein, wachsen aber. Die Entwicklung geht also nach oben.

Die Fans des FCI pflegen eine Rivalität mit den Anhängern des FC Augsburg. Entspringt diese nur der Tatsache, dass beide Städte gerade einmal 60km voneinander entfernt sind und würde Sie diese somit als reine Lokalrivalität bezeichnen?

Auch wenn wir noch nicht oft gegen Augsburg gespielt haben, so ist diese Begegnung von einer gewissen Brisanz geprägt. Dies hat verschiedene Gründe. Einige davon wären: die Nähe, die Rivalität auch im Eishockey und die Spannungen zwischen Schwaben und Bayern. Alles in allem kann man sagen, dass sich die Bewohner der beiden Städte nicht immer grün sind. Das spiegelt sich dann natürlich auch auf und vor allem neben dem Platz wider.

Gibt es freundschaftliche Kontakte zu anderen Fanszenen?

Unsere Fans pflegen einige Fanfreundschaften. Jeweils verschiedene Gruppen sind befreundet mit Gruppen der Vereine Wehen Wiesbaden, Heidenheim, Unterhaching und Caen in der Normandie.

Gibt es Stadionverbotler in der Fanszene des FC Ingolstadt?

Es gibt Stadionverbotler, aber ihre Zahl ist nicht groß.

Wie stehen Sie persönlich zu dem Gebrauch von Pyrotechnik in den Stadien?

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Hierzu habe ich als Mitarbeiter eines Fußballvereins eine professionelle Meinung. Diese lautet, dass Pyrotechnik verboten ist.

Bisher hat der Verein rund 20 offizielle Fanclubs. Ist die Fanszene und das Umfeld des Vereins schon bereit für den etwaigen Aufstieg in die erste Liga?

Wie die Zuschauerzahl steigt auch die Anzahl der Fanclubs stetig. Auch der Umkreis um die Stadt wird immer größer. So haben wir auch zwei Fanclubs in Schwaben und mehrere in Niederbayern.

Ich sehe den Verein also auf einem guten Weg. Sollte der Wechsel in die nächsthöhere Liga stattfinden, werden sicher auch die Zuschauerzahlen weiter steigen. In Ingolstadt gab es so lange keinen hochklassigen Fußball, dass die Menschen sich anderen Sportarten und Vereinen zugewandt haben. Ein Aufstieg würde natürlich die Popularität des Vereins sehr begünstigen, den Fanstamm, den wir bereits haben wird es aber auch in jeder anderen Liga geben.

Die Fanszene der Schanzer hat sich an der Initiative „Nein zu RB!“ beteiligt und zudem ein „Bullen Grillen“ veranstaltet. Warum ist der FCI mit dem starken Sponsor Audi im Hintergrund dennoch anders als Vereine wie Rasenballsport Leipzig, TSG Hoffenheim oder VfL Wolfsburg?

Audi ist natürlich ein starker Partner, doch gibt es Unterschiede zu den oben genannten Vereinen. Der Fußballclub Ingolstadt wurde aus zwei Ingolstädter Traditionsvereinen im Jahre 2004 fusioniert. Des Weiteren ist die Firma Audi in Ingolstadt mit ihrem Hauptsitz beheimatet, es ist also regionales Engagement. Großes Augenmerk gilt hierbei vor allem der Infrastruktur (z.B. Jugendinternat) und dem Nachwuchs.

Zwar gibt es keine Fangruppe der Schanzer die „Ultras“ im Namen trägt. Dennoch: Wie ist der Diskurs zwischen Vereinsvertretern und ultraorientierten Gruppen in Ingolstadt zu beschreiben?

Auch wenn es keine Gruppe gibt, die „Ultras“ in ihrem Namen trägt, so haben sich in Ingolstadt doch drei Gruppen gebildet, die Ultras sind. Auf einigen Fahnen ist es nun auch zu sehen. Der Diskurs mit ihnen ist sehr gut und von gegenseitigem Vertrauen geprägt.

17 12 2014 Fussball 2 Bundesliga 2014 2015 18 Spieltag FC Ingolstadt im AUDI Sportpark IngolstQuelle: imago
Quelle: imago
FCI „Ultras“ fordern fangerechte Anstoßzeiten

Die Fans des FCI betreiben im Stadion einen Fanstand, an dem sie eigenes Merchandising etc. verkaufen. Bei anderen Vereinen werden vergleichbare Fanstände nicht gestattet. Kann man daraus schließen, dass das Verhältnis zwischen Verein und Fans besonders gut ist?

Der Fanstand ist seit Eröffnung des Stadions ein fester Bestandteil der Fankultur in Ingolstadt und dient neben dem Verkauf von eigenem Merchandise auch als Anlaufstelle für Fans und Ultras.

Ich würde so weit gehen und das Verhältnis bei uns wirklich als besonders gut bezeichnen. Da der Verein gemeinsam mit seinen Fans und Ultras gewachsen ist, bestehen hier enge Bande. Man versteht es auf Augenhöhe zu diskutieren und seine gegenseitigen Wünsche und Vorstellungen zu respektieren. So konnten zum Beispiel Klatschpappen auf nachdrückliche Bitte der aktiven Fanszene aus dem Stadion verbannt werden. Bei Choreovorbereitungen usw. dürfen die Fans auch ins Stadion und ihre Sachen vorbereiten. Man vertraut sich gegenseitig. Dies alles resultiert sicherlich daraus, dass man wie oben geschrieben gemeinsam gewachsen ist und man sich persönlich kennt. Mitarbeiter des Vereins sind gern gesehene Gäste in den Bussen zu Auswärtsfahrten und den Fans steht jederzeit die Tür zur Geschäftsstelle offen, um mit Fragen und Anliegen vorbei zu kommen. Ehemalige Mitglieder der aktiven Fanszene sind sogar hauptberufliche Mitarbeiter des Vereins. Ihr Feingefühl für Fanbelange ist eine Bereicherung.

Wir hoffen hier natürlich alle, dass diese Entwicklung so weiter geht und man weiterhin gemeinsam an einem Strang zieht.

Bisher kamen rund 7.500 Fans zu den Spielen in den 15.000 Zuschauer fassenden Audi-Sportpark. Ist der Funke, dass ein Bundesligaanwärter in ihrer Stadt spielt, auf die Ingolstädter noch nicht übergesprungen?

Es dauert in einer Stadt, die lange ohne Profifußball auskommen musste etwas länger, bis der Funke überspringt, wenn man auf Freikartenaktionen im großen Stil usw. verzichtet. Einige Jahre im Abstiegskampf haben das natürlich nicht gerade verbessert.

2 BL FC Ingolstadt 04 fast ausverkauft Audi Sportpark 2 BL FC Ingolstadt 04Quelle: imago
Quelle: imago
14.000 Zuschauer im fast ausverkauften Audi Sportpark beim Spiel gegen den 1. FC Kaiserslautern

Allerdings kann man im Moment erleben, dass der Funke überspringt und wir einen gesunden Zuwachs vermelden. Messbar ist dies am Rekordverkauf der Dauerkarten. Mittlerweile haben wir einen Schnitt von 8200. Sollte die Entwicklung so weitergehen, spielen wir gegen Ende der Saison immer vor vollen Rängen.