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Hintergründe

Sky erhöht Preise – Fußballkneipen vor dem Aussterben?

Autor: Johannes Holzapfel Veröffentlicht: 25. Juli 2014
Quelle: imago

Für Fußballfans, die weder eine Dauerkarte noch ein privates Sky-Abo besitzen, hat sich bisher die nächstgelegene Fußballkneipe etabliert, um das Spiel ihrer Lieblingsmannschaft verfolgen zu können. Ob beim Auswärtsspiel des eigenen Teams, oder zum Halbfinale der Champions League – eine Kneipe, in der man gemeinsam mit Freunden und anderen Fans Fußball gucken kann, bietet eine atmosphärische Alternative zum Stadionbesuch oder dem heimischen Sessel. Doch weil mit der Zeit alles teurer wird und Abonnements beim Bezahlsender Sky hier keine Ausnahme darstellen, scheinen Fußballkneipen vielerorts vor dem Aus zu stehen.

Mit jeder neuen Saison wird es für Sportsbars und Kneipen teurer, ihren Gästen Fußballübertragungen zeigen zu können. Laut eigenen Angaben erhöht Sky in diesem Jahr den Preis für ein Abonnement in einer Gaststätte im Schnitt um 30 Prozent. Dieser Preisanstieg, der ab dem 1.September gelten soll, veranlasst zahlreiche Wirte zu Überlegungen, ob sich ein solches Angebot für das eigene Lokal überhaupt noch lohnt. Viele Gaststättenbesitzer haben das „Sportsbar-Abo“ für die neue Saison bereits gekündigt.

 

Sky nennt Produktionskosten als Grund für den Preisanstieg

Gegenüber den „RuhrNachrichten“ nennt Sky-Sprecherin Britta Krämer Gründe für die erhöhten Preise: „Die Lizenzkosten verändern sich jährlich. Wir haben eigene Produktionskosten, damit wir unseren Kunden eine anspruchsvolle Berichterstattung bieten können. Diese Kostensteigerung bei uns hängt in einer gesunden Relation mit der Preiserhöhung beim Kunden zusammen.“ Gleichzeitig zeigt Krämer Verständnis für den Ärger der Kneipiers und appelliert an eine weitere Zusammenarbeit: „Die Gastronomen sind nicht unsere Gegner, sie sind unsere Partner. Wir müssen regelmäßig unsere Kostenstruktur prüfen, das führt zu Preisänderungen.“

 

Bestandsaufnahme im Ruhrgebiet

Fanzeit hat sich für euch mal in Bochum umgehört, ob das Ende der Fußballkneipen auch hier bald bevor steht, oder ob man sich in der Ruhrgebietsstadt auch weiterhin Fußballspiele bei einem frisch gezapften Bier ansehen kann.

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Die Sportsbar „Three Sixty“ liegt mitten in Bochums Kneipenviertel Bermuda3eck. Auf zahlreichen Bildschirmen kann man hier Spiele der ersten und zweiten Bundesliga, sowie Partien der Champions League verfolgen. Trotz Preiserhöhung kann das „Three Sixty“ als beliebte Sportsbar nicht auf das Sky-Angebot verzichten. „Die Leute wollen hier natürlich Fußball sehen“, erklärt Betriebsleiter Ünal Dogan. „Der Kostenanstieg tut schon weh, aber es gibt keine Ausweichmöglichkeiten. Sky hat in Deutschland eine Monopolstellung und das wird natürlich ausgenutzt“, so Dogan weiter. Man wolle „abwarten was passiert, viel mehr kann man nicht machen.“ Der Betriebsleiter der Sportsbar hofft darauf, dass man sich früher oder später nochmal „mit Sky zusammensetzen“ kann, um sich im Idealfall preislich nochmal entgegen zu kommen. Bis dahin bleibt dem „Three Sixty“ keine andere Wahl, als die hohen Kosten zähneknirschend hinzunehmen.

 

„Ab September stehe ich dann ganz alleine hier“

Etwas versteckter, in einer kleinen Nebenstraße in der Bochumer Innenstadt, liegt das „Fiege Kläppken“ – eine für das Ruhrgebiet typische, urige kleine Kneipe. Bisher konnte man auch hier Partien aus Liga Eins und Zwei, DFB-Pokal und Champions League Spiele sehen. Doch nach dem erneuten Preisanstieg durch Sky, kündigte Inhaberin Conni Gaede ihr Abonnement. „Wir haben hier über neun Jahre Premiere und Sky gehabt, aber die Schmerzgrenze ist jetzt einfach überschritten“, so die Wirtin. „Der Preis ist ständig gestiegen. Im ersten Jahr haben wir 1950 € für ein ganzes Jahr gezahlt, jetzt wären es ab September 630 € im Monat – das geht nicht.“ Ohnehin habe sich das Angebot für die beschauliche Kneipe „nie wirklich gelohnt, das war reiner Service am Gast.“ Die Gäste im „Fiege Kläppken“ kamen vor allem zu den Spielen der Ruhrgebietsvereine aus Bochum, Dortmund und Gelsenkirchen. Auf die Frage, ob hier denn weiter Fußball geschaut werden kann, antwortet Conni Gaede verhalten optimistisch. „Wir werden alles zeigen, was auf den öffentlichen Sendern übertragen wird. Ansonsten sind wir auf Radio und Videotext angewiesen, abends kann man dann die Sportschau gucken. Aber wahrscheinlich“, zeigt sich die Kneipenbesitzerin schließlich realistisch, “ werde ich dann ab September ganz alleine hier stehen.“

 

Aussicht auf Verbesserung?

Zufrieden können sich die Kneipenbesitzer verständlicherweise nicht zeigen. Bleibt der Trend der ständig steigenden Preise für Bezahlfernsehen bestehen, werden viele Kneipen in Zukunft auf ein Sky-Abo verzichten müssen. Ob die Übernahme von Sky Deutschland durch den britischen Mutterkonzern BSkyB eine Verbesserung der Situation ermöglicht, erscheint unrealistisch. Weitaus wahrscheinlicher ist, dass man sich seitens des Unternehmens weiter darum bemühen wird, die Zahl der Privatabonnenten zu erhöhen. Die Konsequenzen für Betreiber von Sportsbars und Kneipiers wären weniger Gäste und damit einhergehend weniger Einnahmen. Letztlich bleibt die Hoffnung, dass alles anders kommt. Denn mit dem Aussterben der Fußballkneipen, würde gleichzeitig ein großes Stück Fußballkultur verloren gehen.

mo