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International

#ShameOnTheGame: Sexismus-Debatte in England

Autor: Nicolas Breßler Veröffentlicht: 10. März 2015
Quelle: imago

In England läuft zur Zeit eine Kampagne der Gruppe „Women in Football“ gegen Sexismus im Stadion. Aufmerksamkeit erlangte die Aktion vor allem durch ein Video, das Schmähgesänge gegen die Teamärztin des FC Chelsea zeigt.

Zu sehen ist eine Szene aus dem „Old Trafford“-Stadion in Manchester: Die Teamärztin des FC Chelsea Dr. Eva Carneiro und ihr Betreuerteam behandeln einen verletzten Spieler der „Blues“. Währenddessen wird die Medizinerin aus dem Manchester United-Fanblock mit allerhand sexistischen Obszönitäten beleidigt. Das Video wurde letzte Woche in der BBC ausgestrahlt und hat vielfache Resonanz erfahren.

 

 

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Organisiert durch das Bündnis „Women in Football“, das aus 1.200 Frauen besteht, die im Fußball arbeiten, haben sich weitere Opfer von sexistischer Diskriminierung zu Wort gemeldet. Verunglimpfungen soll es auch gegen Schiedsrichterinnen, Journalistinnen und Vereinsmitarbeiterinnen gegeben haben. Das Netzwerk hat alle Fußballfans dazu aufgerufen unter dem Hashtag „#ShameOnTheGame“ bei Twitter über weitere Vorfälle zu berichten. Auch die britische Sportministerin Helen Grant unterstützt die Kampagne. Die Öffentlichkeit soll für das Thema sensibilisiert werden, ebenso wie die Vereine.

 


Alle 92 Profiklubs der englischen Ligen wurden angeschrieben, stärker auf sexistische Entgleisungen im Stadion zu reagieren. In der Vergangenheit habe man von Seiten der Vereine diverse Vorfälle nicht ausreichend verfolgt, da entweder Zeugen sich nicht trauten sich zu melden oder die Beweise schlicht nicht ausreichten. Die Vereine unternahmen dann keine weitere Anstrengungen die Entgleisungen zu verfolgen. Wie „Women in Football“-Mitglied Jo Tongue gegenüber der Welt klar stellte, seien die Konsequenzen sexistischen Verhaltens im Stadion nicht drastisch genug: „Leute würden sofort entlassen werden, wenn sie in ihrer Firma so sprechen würden. Aber Fußball hat leider andere Regeln.“ Sie befürchtet, dass viele Fans auf Dauer keine Spiele mehr besuchen werden, wenn kein Umdenken stattfindet.