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„Selbst das Derby ist nicht größer als unsere Fankultur!“

Autor: Aaron Knopp Veröffentlicht: 25. August 2015
Quelle: imago

Seit der letzten Begegnung zwischen Borussia Mönchengladbach um dem 1. FC Köln steht das Rheinderby unter anderen Vorzeichen. Von den neuen Auflagen, die die Vereine nach den Ausschreitungen beim Spiel in Mönchengladbach veranlasst haben, sind aber auch Gladbacher Fans betroffen. Für die aktive Fanszene der Borussen eine nicht hinnehmbare Ungerechtigkeit: Die aktive Fanszene hat beschlossen, das Derby nicht zu besuchen und hofft auf einen Komplettboykott.

Die Gladbacher Fans stoßen sich vor allem an der Vergabepraxis der Karten für den Gästeblock. Nicht genug, dass das Kontingent für Gladbacher Anhänger reduziert wurde, die dadurch übrigen Tickets sollen Kölner Fans zukommen – neben einer Bestrafung der Gladbacher Fans also sogar ein kleiner Bonus für die Kölner Anhänger. Weiterhin würden Gladbacher Fans zu Bewerbern degradiert und müssen ihre Daten dem Verein bekanntgeben, die wiederum auch der Polizei zugänglich gemacht werden können.

Um sicherzugehen, dass die Gladbacher Fans ein sichtbares Zeichen gegen Repression und diese Art der Kollektivbetrafung setzen, ruft die Fanszene alle Anhänger dazu auf, sich Karten zu kaufen, aber nicht zum Spiel zu gehen. Stattdessen wollen die Borussen eine Alternativveranstaltung in Mönchengladbach auf die Beine stellen.

 

Nachfolgend die Stellungnahme der Initiative aktiven Fanszene im Wortlaut:

Heimspiel gegen Köln!

Wie gewohnt zieht das Derby Wochen vorher seine Kreise. Die Maßnahmen um personalisierte Tickets und absolut überzogene Sicherheitsauflagen schlagen hohe Wellen. Zwar stellte sich Borussias Geschäftsführer Stephan Schippers am Montagabend den Fragen der aktiven Fanszene, konnte die Repressionen allerdings nicht schön reden.

Daher hat die aktive Fanszene Mönchengladbach im Anschluss an die Fanhaus-Diskussion beschlossen, das Spiel in Köln zu boykottieren – und eine kreative Alternative zum Besuch des Derbys anzubieten!

Dieser Schritt schmerzt zwar, ist in unseren Augen jedoch unumgänglich. Zunächst einmal sollte klar sein, dass sich unsere Maßnahme absolut nicht gegen die Mannschaft oder unseren Verein richtet. Der Derbysieg ist für uns das Größte. Daher soll unser Boykott auch mehr beinhalten als das bloße Fernbleiben am Spieltag. Wir werden der Mannschaft und dem Verein unsere Entscheidung erklären und unserer Unterstützung auf andere Weise Ausdruck verleihen – Ehrensache! Dennoch nützt uns auch ein weiterer Derbysieg nur wenig, wenn wir künftige Triumphe nicht unter den Umständen feiern können, die wir so lieben. Selbst das Derby ist nicht größer als unsere Fankultur!

Wir glauben, dass die Fankultur an einem Scheideweg steht. Auf der einen Seite wird sie immer kreativer, bunter und vielfältiger – und wird dafür von Medien, Verbänden und Vereinen zu Recht gelobt. Auf der anderen Seite versuchen aber die Politik, der DFB oder die DFL die Fankultur immer stärker zu reglementieren. Politiker versuchen sich auf Kosten der Fußballfans zu profilieren und üben Macht auf Vereine und Verbände aus. Leider wird diesem Druck zu häufig nachgegeben.

Wir meinen, dass mit der Fanszene Mönchengladbach beim Derby am 19.09. eine unschuldige Fanszene kollektiv bestraft wird – und zwar auf dreifache Art:

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1. Reduziertes Gästekontingent auf 3.300 Tickets.

2. Die Plätze, die durch diese Reduzierung des Karten-Kontingentes frei bleiben, werden keineswegs nicht verkauft, sondern an Kölner Fans weitergegeben. De facto ist die Maßnahme also nicht nur eine Bestrafung für uns, sondern auch eine „Belohnung“ für den Heim-Verein.

3. Das reduzierte Gästekontingent wird personalisiert herausgegeben. Borussiafans werden zu „Bewerbern“ auf Karten degradiert. Die von den Fans herausgegebenen Daten werden zwar nicht vom Verein weitergegeben, können aber jederzeit von der Polizei angefordert werden.

In unseren Augen kann es nicht sein, dass wir uns für Fußballspiele Wochen vorher in Listen eintragen müssen. Dass wir beim Betreten des Stadions wie am Flughafen gecheckt werden. Und dass eine Fanszene bestraft wird, die beim letzten Derby besonnen reagierte und auf die Provokationen der Gegenseite nicht einging. Und vor allem kann es nicht sein, dass wir die Kröte nun einfach schlucken und uns jeder weiteren Stufe der Repression beugen!

Wollen wir den Fußball und seine Fankultur weiter so leben können, wie wir sie lieben, müssen wir ein Bewusstsein für unsere Interessen schaffen. Dass wir als aktive Fanszene bereit sind, ausgerechnet auf den Stadionbesuch beim Derby zu verzichten, zeigt wie ernst die Lage ist. Es zeigt aber auch wie ernst es uns ist.
Wir wollen gemeinsam ein Zeichen setzen. Gegen Kollektivstrafen und steigende Repressionen gegenüber den aktiven Fans. Für den Fußball und für eine aktive, selbstbestimmte und freie Fankultur. Daher wird das Spiel bei unserem Erzfeind in diesem Jahr ohne uns stattfinden!

Boykott

Wir rufen alle Borussen dazu auf ihre Karten in Anspruch zu nehmen und am Spieltag verfallen zu lassen. Das Ziel muss sein, dass der Gästeblock in Köln leer bleibt. Nur das ist ein für alle Beteiligten sichtbares und beeindruckendes Zeichen, dass die Fanszene Mönchengladbach nicht jede irrsinnige Bestrafung ohne zu murren akzeptiert. Also: Kauft Karten und fahrt nicht nach Köln!

Alternativ-Veranstaltung

Unter dem Motto „Heimspiel gegen Köln“ arbeiten wir mit Hochdruck an einer kreativen und intelligenten Alternativ-Veranstaltung. Ziel ist es, das Auswärtsderby in Heimspielatmosphäre zu erleben und Eindrücke hiervon natürlich auch der Mannschaft zu übermitteln – alles fernab von Personalisierungen und Repression! Wir gehen davon aus, dass das „Heimspiel gegen Köln“ hohe Beachtung finden wird. Die Planungen dazu laufen bereits auf Hochtouren und werden veröffentlicht, sobald es erste konkrete Ergebnisse gibt. Im Rahmen dieses Tages wird unsere Fanszene mit all‘ ihren Möglichkeiten einen kreativen Protest veranstalten um der eindeutigen Meinung über die Einschränkungen Ausdruck zu verleihen.

Wenn auch ihr mit eurem Fanclub am Boykott teilnehmen, ein Zeichen gegen Repression setzen und diesen Aufruf unterstützen wollt, dann schreibt eine Mail an info@heimspielgegenkoeln.de. Wir tragen euch dann in die Unterstützerliste ein.

Bisherige Unterstützer des Boykotts (in alphabetischer Reihenfolge):

Alte Kameradschaft
Ascendente
Aventura
Banda Sud
Begleitservice
Bengels MG
Block B
BMG Bavaria
Borussen Fohlen Haltern am See 2003
Borussen Legion Weimar
Borussen-Offensive
Connection MG
Dropkick-Supporters
Fohlen aus Polen
Frontline
Generation 1900
Genuine MG
Greenhorns MG
Inferni
Kölsche Borussen
Kyffhäuser Fohlen
Lautstark
Mitgedacht
NFB
Niederrhein Elite
Niederrhein Inferno
Nierser Jungs
Nordharz Borussen
Nordkurve Jülich
Obsession
Pralle Fohlen
Preußen 93
Randgruppe Mönchengladbach
Sottocultura
Spreeborussen ’86
The Squiffy Colts
Tribünenhocker
United MG
Verstreute Borussen
Wilde Jungs
Wilder Süden