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National

Schwarz-Gelbe Hilfe kritisiert Kartenvergaberegelung

Autor: Lukas Schäfer Veröffentlicht: 15. Mai 2015
Quelle: imago

Der FC Hansa Rostock sollte für das Auswärtsspiel bei Dynamo Dresden am 23. Mai nur eine geringe Menge Vouchers für die Gästetickets bekommen. Daher haben die Hansa-Fans angekündigt, dem Spiel fernbleiben zu wollen. Nun solidarisiert sich die Schwarz-Gelbe Hilfe mit den Fans von Hansa Rostock

Nach einigem Hin und Her, in dem beide Vereine eine Aufstockung des Voucher-Kontingents auf 1.600 Karten erwirkten, erteilte Hansa nun eine Absage. Bei einem außerordentlichen Mitgliedervotum am Sonntag sprachen sich die Anhänger mit 95 Prozent der Stimmen gegen das Vergabeprinzip und die wenigen Tickets aus. Die Schwarz Gelbe Hilfe solidarisiert sich mit den Fans von Hansa Rostock und kritisiert ebenfalls die Kartenvergaberegelung: „Dass das Verhältnis der Fanlager beider Vereine schon lange nicht mehr den Freundschaftscharakter wie Anfang der 90er hat, ist hinlänglich bekannt. Die Maßnahmen, welche aber die Verantwortlichen in Dresden hinsichtlich der Kartenvergabe nun getroffen haben, sind kein weiterer Schritt zum Erreichen eines sicheren Fußballspiels, sondern vielmehr das zusätzliche Aufblähen eines bereits bestehenden enormen Sicherheitsapparates rund um das Dynamostadion.“

Weitreichende Einschnitte

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Laut Fanhilfe soll es sich dabei konkret um zwei weitreichende Einschnitte handeln. Zum einen wird das Kartenkontingent für die Hanseaten auf rund 1.600 Karten begrenzt: „Das entspricht etwa fünf Prozent der Gesamtkapazität des Stadions und unterschreitet damit deutlich die regulär vorgeschriebene Marke von zehn Prozent der Stadionkapazität, die jedem Anhang des Gastvereins offiziell zustehen sollten.“ Zum anderen seien nur sogenannte „Vouchers“ an die Ostsee versendet worden: „Dabei handelt es sich um Optionsscheine, die erst vor Ort, vermutlich am Messegelände in Dresden, in richtige Eintrittskarten für das Stadion umgetauscht werden können. “ Hintergrund der Maßnahmen seien die Bemühungen der Polizei, das letzte Heimspiel der Dynamos am 23. Mai möglichst reibungsfrei durchzuführen. Dazu gehöre auch die Überlegung, den gesamten Gästeanhang auf dem Messeparkplatz im Ostragehege zu sammeln und dann mit einem Bustransfer direkt zum Stadion zu befördern.

Maßnahmen bewirken das genaue Gegenteil

Aus Sicht der Fans könnte die Angst, den Anpfiff nicht rechtzeitig zu erleben, beim Umtausch und dem Transfer zum Stadion sehr leicht zu noch mehr Unruhe unter den Fans führen. Das Konzept beruhe generell auf einer fragwürdigen und verzerrten Analyse der Vorfälle der letzten Aufeinandertreffen beider Mannschaften: „Weder bei der An- noch der Abreise der Dynamo- bzw. Hansafans kam es zu nennenswerten Problemen. Letztlich bewirken solche Maßnahmen aufgrund der aufgelisteten Punkte das genaue Gegenteil: Sie schaffen keine Sicherheit, sondern verschärfen die ohnehin angespannte Situation rund um ein emotional aufgeladenes Spiel noch weiter.“

Kritik an Maßnahmen

Die Schwarz-Gelbe Hilfe verurteilt das Vorgehen auf das Schärfste: „Überlegungen, Fußballfans aus bloßem polizeilichen Verdacht heraus verfassungsmäßig verbriefte Grundrechte wie Bewegungs- oder Versammlungsfreiheit zu entziehen, ist nicht nur eine Stigmatisierung, sondern vor allem auch ein schwerwiegender Eingriff in demokratische Grundrechte. Es scheint, als ob in Sachsen gerade am Beispiel von Fußballfans geprobt werden soll, was später dann auch in anderen Bereichen der Gesellschaft angewendet werden wird.“