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National

Schalke-Fans fordern Distanzierung von Putin

Autor: Aaron Knopp Veröffentlicht: 04. März 2014
Quelle: Imago

12 Millionen Euro fließen jährlich von Moskau nach Gelsenkirchen – mindestens. Noch bis Juni 2017 soll das so weitergehen. Bereits seit Januar 2007 sponsert der russische Energieriese Gazprom den FC Schalke 04 – und das nicht zu knapp.

Bis zu 125 Millionen Euro lässt sich das Unternehmen die öffentlichkeitswirksame Imagekampagne kosten. Doch so lukrativ das Geschäft auch ist, der Deal wird für den Bundesligisten mehr und mehr zum Problem. AuchWladimir Putin schmückt sich nämlich gern mit Königsblau und hat über den Aufsichtsratsvorsitzenden Clemens Tönnies, zu dem der russische Präsident ein enges Verhältnis pflegt, unlängst sogar eine Audienz der Schalker Mannschaft angeregt. Spätestens seit den dramatischen Entwicklungen in der Ukraine hat der FC Schalke nun ein Problem.

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Widerstand gegen die Nähe zu Putin regt sich längst auch im eigenen Fanlager. Roman Kolbe, Mitglied des Schalker Fanclub-Verbands, hat sich nun im Namen vieler Schalker Fans in einem offenen Brief an den Ehrenrat des Vereins gewandt.

„Ich möchte Sie bitten, diese Audienz zu verhindern und dafür zu sorgen, dass sich der Verein FC Schalke 04 von Wladimir Putin öffentlich distanziert. Der FC Schalke 04 ist ein Verein, der auf demokratischen Füßen steht und die Meinungsfreiheit als ein hohes Gut erachtet. Wir sollten nicht als Steigbügelhalter für einen Autokraten fungieren und ihn mit einem Besuch adeln. Dies gilt insbesondere in Anbetracht der aktuellen politischen Situation in der Ukraine, in der Wladimir Putin die Souveränität der Ukraine aufs Gröbste verletzt“, heißt es in dem Schreiben.  Eine Reaktion des Ehrenrats steht noch aus.

Auch wenn sich ein Treffen durch die angespannte Situation möglicherweise ohnehin erübrigt, könnte der Konflikt Schalke weiter in Erklärungsnot bringen, als ohnehin schon. Seit Beginn der deutsch-russischen Zusammenarbeit wird das Sponsoring von vielen Beobachtern scharf kritisiert. Der Autor Jürgen Roth der ausführlich über die Geschäftspraktiken von Gazprom recherchiert hat, wirft dem Gas-Riesen sogar regelrecht kriminelle Machenschaften vor. Ferner sei das Unternehmen mit dafür verantwortlich, dass die Meinungsfreiheit in Russland unterdrückt werde und es keine demokratische Kultur in Russland gebe.

Doch Königsblau ist mit seinem Problem nicht allein: Gazprom ist Sponsor der UEFA Champions League. Mindestens 32 europäische Spitzenvereine hätten also Anlass, sich die Gewissensfrage zu stellen.