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National

Saalefront Ultras mit Stellungnahme

Autor: Johannes Holzapfel Veröffentlicht: 28. Juli 2014
Quelle: imago

Wie fanzeit berichtete, sprach der Hallesche FC einen Verbot jeglicher Symbolik der Gruppe Saalefront aus. Wer sich dem widersetzt, wird nicht ins Stadion gelassen. Nun haben sich die Ultras selbst zu Wort gemeldet.

Die Gruppe zeigt sich unzufrieden, wollte die Situation beim Spiel gegen den Chemnitzer FC aber nicht eskalieren lassenund bleib dem Spiel schließlich fern. Keine Zauhnfane, keine Schwenkfahnen und keine Doppelhalter waren zu sehen. „Was wäre, wenn morgen nicht nur die Saalefront, sondern auch ein x-beliebiger anderer Fanclub von jetzt auf gleich aus dem Stadion verbannt wird, weil einzelne Mitglieder nicht dem angestrebten Saubermann-Image entsprechen?“

Das Verbot wird weiterhin kritisch gesehen und nicht verstanden. „Über Jahre gereifte Fanszenestrukturen, eine lebhafte und kreative Fankultur, welche ebenso mühsam Stück für Stück aufgebaut wurde – soll das jetzt alles einfach nicht mehr sein?“ Dankend erwähnen die Ultras, dass sich viele HFC-Fans mit der Gruppe solidarisch gezeigt hätten. Wie es in der Kurve vom HFC weiter geht, ist momentan noch ungewiss.

 

Nachfolgend die Stellungnahme im Wortlaut:

Was wäre wenn…?

….es den HFC nicht mehr gäbe?
Die Welt würde sich für den Großteil der Leute weiter drehen! Für einen anderen Teil würde diese zusammenbrechen!

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WAS WÄRE WENN….?
…es die Saalefront nicht mehr gäbe?

Die Welt würde sich für den Großteil der Leute weiter drehen! Für einen Teil würde diese zusammenbrechen!

Nach 14 Jahren erlebten wir nun unfreiwillig das erste Heimspiel ohne unsere Zaunfahne. Für manche ist es nur ein Stückchen Stoff – für uns bedeutet sie ALLES! Sie hat mehr Spiele unseres HFC in den letzten 14 Jahren gesehen, als jeder Fan, Funktionär oder Spieler. Sie begleitete unseren Verein auch in Zeiten, als es noch nicht „IN“ war zum HFC zu gehen. Sie hat mit unserem HFC die Welt bereist. Sie fehlte bei so gut wie keinem Spiel, seien es Punkt-, Pokal-, oder Testspiele. Sie hat emotionale Höhepunkte, aber auch bittere Niederlagen erlebt. Sie hat auch die positive Entwicklung der HFC-Fanszene über viele Jahre hinweg begleitet. Sie ist seit nunmehr 14 Jahren einfach nicht mehr vom HFC wegzudenken.

Zum heutigen Heimspiel jedoch durfte sie ihren gewohnten Platz in der HFC-FANKURVE nicht mehr einnehmen, ebenso wie die Gruppenartikel der Saalefront nicht im Stadion vertreten waren. Ein „Symbolikverbot“, was letztlich einem Gruppenverbot gleich kommt. Vergessen die unzähligen schönen Momente. Vergessen die ganze Arbeit zur positiven Entwicklung der Fanszene. Vergessen auch die Kommunikation vergangener Tage. Nach dem 14. Mai 2014 bleiben nur die schlechten Momente in Erinnerung. Was bleibt, ist ein Verbot, welches nun die Zeilen der Hetzblätter füllt und auch die Internetforen und soziale Netzwerke explodieren lässt.

Wir wollten die Situation am heutigen Tage aber nicht eskalieren lassen und nahmen uns daher bewusst zurück. Als Gruppe waren wir heute ebenso wenig präsent, wie unsere Zaunfahne, unser T-Shirt und unser Schal. Auch die HFC-FANKURVEN Fahne oder das Feuer & Flamme suchte man vergeblich. An Schwenkfahnen oder eine Choreo war nicht zu denken. Infostände, organisierter Support, alles mit einem Schlag verschwunden! Doch auch im Stadionumfeld war heute einiges anders als sonst: Keine Bratwurst, kein kühles Blondes und keine Antwort auf eure vielen Fragen von euch am Fanhaus. Keine Shirts, keine Aufkleber, keine Lektüre oder Schals. Einfach nichts!

Wir bedanken uns an dieser Stelle für die vielfach entgegengebrachte Solidarität bzw. Gesprächsbereitschaft der zahlreichen Fanclubs, Fans, Spielern und sogar Sponsoren in den letzten Tagen und Wochen. Wir bedanken uns darüber hinaus für die Aktionen im Stadion, an dessen Planung wir uns jedoch bewusst nicht beteiligt haben. Wir bedanken uns für den schweren Verzicht der eigenen Fanclubfahnen zum heutigen Spiel. Wir bedanken uns für die vielen wohltuenden Worte. Sie zeigen, dass die hallische Fanszene nicht tot ist!

So schwer die Situation für uns aktuell auch sein mag, so ist es doch bemerkenswert, wie HFC-Fans auch in diesen Zeiten noch zusammenrücken, wenn es darauf ankommt. Doch widmen wir uns nochmals voll und ganz der Ausgangsfrage: Was wäre, wenn morgen nicht nur die Saalefront, sondern auch ein x-beliebiger anderer Fanclub von jetzt auf gleich aus dem Stadion verbannt wird, weil einzelne Mitglieder nicht dem angestrebten Saubermann-Image entsprechen? Was wäre, wenn der Fan auch in Zukunft nur ein lebloses und verwaistes Fanhaus vorfinden würde? Was wäre, wenn Choreos im KWS in Zukunft einfach nicht mehr stattfinden, da es der organisierenden Gruppe nicht mehr gestattet wird? Was wäre, wenn im KWS die einst so gelobte Stimmung einfach nicht mehr vorhanden wäre? Was wäre die HFC-Fankurve ohne Fahnen, Trommeln und Gesang überhaupt?

Was nützt ein tiefer Graben, der sich mittlerweile durch die komplette HFC-Fanlandschaft zieht und die Lager spaltet? Was sollen wir alle von einem Gegeneinander statt einem Miteinander haben? Ist es nicht an der Zeit, nun einen offenen Dialog mit allen Parteien zu führen? Gemeinsam unaufhaltsam, war das nicht ein Spruch, mit welchem sich vor nicht allzu langer Zeit noch alle identifizieren konnten? Über Jahre gereifte Fanszenestrukturen, eine lebhafte und kreative Fankultur, welche ebenso mühsam Stück für Stück aufgebaut wurde – soll das jetzt alles einfach nicht mehr sein?

Saalefront Ultras. 26. Juli 2014