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National

RWE – MSV: Pokalderby lange unterbrochen

Autor: Aaron Knopp Veröffentlicht: 09. April 2014
Polizei, Rot-WeissEssen, MSV Duisburg

Die Temperatur war schon lange vor Pokal-Halbfinale zwischen Rot-Weiss Essen und dem MSV Duisburg ein paar Grad heißer als üblich. Zwischenzeitlich schien die Partie dann tatsächlich fast wie auf Bestellung kurz vor dem Abbruch zu stehen. Aber war das wirklich nötig?

Dass Ralf Jäger selbst im Stadion war, konnte man sich nicht ausdenken. Bis zu den Essener Ultras hatte es sich aber offenbar herumgesprochen, dass der seit dem umstrittenen Polizeieinsatz auf Schalke im Champions-League-Spiel gegen PAOK Saloniki nicht nur bei Fußball-Fans in der Kritik stehende NRW-Innenminister zu Gast war. Als „beleidigte Jägerwurst“, die „nur Populismus aber keine Lösungen“ anzubieten hätte, verunglimpften die Essener ihn immerhin nicht ohne Vorahnung. Zunächst war Jäger dennoch nur einer der prominentesten unter den 20.000 Zuschauern im erstmals restlos ausverkauften Stadion Essen.

Die Fans spielten lange die Hauptrolle, während die sportlichen Protagonisten fußballerisch Dürftiges anboten. Über zahlreiche Spruchbänder kommunizierten die beiden rivalisierenden Fankurven ausgesprochen rege. Ob Konflikt zwischen den Duisburger Fangruppen Kohorte und Proud Generation oder – natürlich – das gestohlene Banner der MSV-Hooligans von „Forever“.  Wohl war es dieses Stück Stoff, das Essener Fans zuvor geklaut haben sollen, das die zahlreichen Polizisten in nochmals erhöhte Alarmbereitschaft versetzt hatte.

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Wie erwartet tauchte nach 77 Minuten schließlich ein blau-weißer Fetzen in der Essener Westkurve auf – flankiert von einem Banner „Hooligans Rot-Weiss Essen“ zündeten vermummte RWE-Anhänger dazu Pyrotechnik. Wenig später öffnete sich ein Tor und eine Handvoll Essener schien in den Innenraum vordringen zu wollen. Das kleine Scharmützel war zwar nach wenigen Augenblicken – unter Unmutsbekundungen eines großen Teils der rot-weissen Fankurve – wieder beendet, doch die behelmten Einsatzkräfte der Polizei sorgten dafür, dass Schiedsrichter Guido Winkmann die Partie für beinahe eine geschlagene halbe Stunde unterbrechen musste.

Jäger wurde bei der Gelegenheit natürlich von den anwesenden Medienvertretern befragt und rechtfertigte den Einsatz markig: „Wir sind alle hier, um ein wunderbares Spiel zu sehen. Und dann sehen wir, wie Chaoten die Bühne nutzen, um auf sich aufmerksam zu machen. Das wollen wir alle nicht sehen. Die Polizei ist gezwungen einzuschreiten, um Gewalttaten zu verhindern. Es gibt klare taktische Anweisungen“, zitiert Spiegel Online den SPD-Politiker.

Auch wenn über Sinn und Unsinn, vor allem über Verhältnismäßigkeit dieser wenig deeskalierenden Maßnahmen gestritten werden darf. Am Ende sollte in der Rückschau nicht vergessen bleiben, dass es im Umfeld trotz aller Befürchtungen offenbar ausgesprochen friedlich blieb – und das, obwohl die Hausherren das späteste, dramatischste und unglücklichste aller denkbaren Enden verkraften mussten: Duisburg siegte im Elfmeterschießen.