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National

Revolutioniert Beckenbauer die Vergabepraxis von Stadionverboten?

Autor: Florian Nussdorfer Veröffentlicht: 20. Juni 2014
Quelle: imago

Die englische Sprache ist offenbar keine der vielen Stärken von Franz Beckenbauer. Jedenfalls weigerte sich der „Kaiser“, Fragen der FIFA in „Juristen-Englisch“ zu beantworten und wurde prompt für 90 Tage für jegliche Tätigkeiten im Fußball gesperrt. Beim FC Bayern möchte man das jedoch so nicht hinnehmen. Was wiederum interessante Konsequenzen für die Vergabepraxis von Stadionverboten haben könnte.

“Die Sperre, die ohne nachgewiesenes Verschulden von Franz Beckenbauer durch die Fifa ausgesprochen wurde, können wir als FC Bayern nicht akzeptieren“, sagte FCB-Präsident Karl Hopfner zuletzt. Die Arbeitsgemeinschaft Fananwälte begrüßt diese Aussage auf ihrer Homepage ausdrücklich, da sie zum Ausdruck bringe, „dass die Unschuldsvermutung ein unverzichtbarer Rechtsgrundsatz ist.“

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Zugleich fordert die Arbeitsgemeinschaft jedoch auch, die konsequente Umsetzung dieses Rechtsgrundsatzes auch bei der Vergabe von Stadionverboten. Laut der „Richtlinien zur einheitlichen Behandlung von Stadionverboten” des DFB können Stadionverbote nämlich bereits allein aufgrund der Einleitung eines Ermittlungsverfahrens und somit ohne Schuldnachweis ausgesprochen werden, was auch der FC Bayern so praktiziere.

Von Hopfner erwarten die Anwälte nun, dass er sich dafür einsetzt, „diese rechtsstaatlich hoch bedenkliche Vergabepraxis von Stadionverboten zu beenden.“ Wer die Unschuldsvermutung für Funktionäre fordere, müsse sie auch für Fußballanhänger gelten lassen, heißt es weiter.

Ob sich Karl Hopfner diese Worte zu Herzen nimmt und Franz Beckenbauer somit zu einem Präzedenzfall für die Anwendung der Undschuldsvermutung bei der Vergabe von Stadionverboten wird, bleibt jedoch abzuwarten.

fn