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National

Revierderby: Ultras kritisieren Populismus, aber nicht direkt den Polizeieinsatz

Autor: fanzeit Veröffentlicht: 07. Dezember 2017
Quelle: imago

Nachdem rund 700 Schalker Ultras das vergangene Revierderby nicht im Stadion verfolgen konnten, äußerte sich die Gruppe jetzt im „Blauen Brief“. Sie wollen sich nicht über den Polizeieinsatz an sich beschweren, wohl aber über die anschließenden populistischen Forderungen der Polizei.

Den Einsatz der Dortmunder Polizei wollen die Schalker Ultras zwar nicht direkt kritisieren, obwohl das Verpassen des Derbys für sie eine schmerzhafte Erfahrung war. „Eine mehr als bittere Pille, die wir da schlucken mussten, aber über die sich zu beschweren, auch nicht der ehrliche Weg wäre“, erklären die Ultras in ihrem „Blauen Brief“. Im weiteren Verlauf des Berichts wird trotzdem ihre Unzufriedenheit deutlich.

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„Der einzige Grund für diese Maßnahme war, dass wir nicht so angereist sind, wie es die Polizei gerne gehabt hätte. Dass wir hierbei lediglich von unserem Grundrecht auf die allgemeine Handlungsfreiheit gebrauch gemacht haben, interessiert die Exekutive herzlich wenig. Es ist fast überflüssig zu erwähnen, dass es zu keinerlei Straftaten kam. Ein Trend, der mittlerweile bei Derbys in Deutschland zur Mode wird.“

Die anschließenden Forderungen wie lebenslange Stadionverboten kritisieren die Schalker jedoch scharf, auch die Rolle einiger Medien bemängeln sie. Vor allem nach vielfachen Anmerkungen der Schalker am Sicherheitskonzept, halten sie die Schuldzuweisung der Polizei für unrechtmäßig und ihre Forderungen völlig überzogen.

„Die Euphorie im Ruhrrevier hielt sich flächendeckend über den Wochenstart hinaus. Abgesehen von den Schwarzgelben, war dies wohl nur der Dortmunder Polizei ein Dorn im Auge. Fleißig versuchte man durch konstruierte Verbindungen ein mediales Echo heraufzubeschwören. So leide nicht nur die Terrorabwehr unter dem einmal im Jahr in Dortmund stattfindenden Derby, sondern auch die Verhinderung der Wohnungseinbrüche werde arg beeinträchtigt. Aber so sehr sich die Lyriker der Polizeipresse auch anstrengten, ihre Schreckensmeldungen in Groschenroman-Manier waren selbst der WAZ anfänglich keinen Bericht wert. Wie ein beleidigtes Kind ging man Mitte der Woche daher sogar so weit, zu einem Fototermin einzuladen. Dieser gipfelte in polemischen Äußerungen des Dortmunder Polizeipräsidenten Gregor Lange, in denen er versuchte, dem Schalker Fanprojekt ohne jegliche Basis den Schwarzen Peter zuzuschieben. Nicht nur wir haben in der Vergangenheit mehrfach das Sicherheitskonzept an Derbys kritisch hinterfragt. Auch der FC Schalke sowie das Schalker Fanprojekt haben Kritik und Vorschläge für eine Anreise zum Derby eingebracht. Wenn Konstruktivität aber darin besteht, vorgeschlagene Sicherheitskonzepte abzulehnen, dann ist es nicht verwunderlich, wenn sich der Polizeipräsident anscheinend nur noch mit Forderungen nach lebenslangen Stadionverboten gegen konspirative Anreisen zu helfen weiß. Diese Vermischung der Judikativen seitens der Exekutiven ist nicht tragbar.“

Das Spiel selbst verfolgten die Ultras übrigens auf dem Schulhof eines örtlichen Gymnasiums. Glück hatten diejenigen, die einen Platz um eines von wenigen Smartphones ergattern konnten. Beim Ausgleich brachen dennoch alle Dämme und minutenlanger Jubel aus.